Chlor im Trinkwasser

Zum Schutz des Wassers (z. B. vor Bakterien) wird Chlor von Wasserbetrieben in Deutschland nur in kleinen Mengen zugesetzt, die nach offiziellem Stand unbedenklich sind. Auch in Schwimmbädern riecht es heutzutage weitaus weniger nach Chlor als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren. Trotzdem gerät das Thema „Chlor im Trinkwasser“ immer wieder in die Diskussion, denn Studien sagen dem Halogen Chlor schwere gesundheitsgefährdende Wirkungen nach – und das auch schon in kleinen Mengen. 

Deshalb klären wir in diesem Ratgeber…

  • wie Chlor überhaupt ins Trinkwasser gelangt,
  • welche Rolle das Halogen der Trinkwasseraufbereitung spielt,
  • was Chlor im Trinkwasser mit Starkregen zu tun hat,
  • welchen Gefahren durch Chlor im Wasser entstehen,
  • welche Folgen eine Inhalation in der Dusche haben kann
  • und wie Sie Chlor aus dem Trinkwasser zuverlässig entfernen.
Chemisches Element Chlor aus dem Periodensystem mit Ordnungszahl

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Aktualisiert am: 14.05.2020

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Was hat Chlor im Trinkwasser verloren?

Oft denkt man beim Thema Chlor als Erstes an seine Kindheit: Besuche im Schwimmbad und damit verbunden ein unverkennbarer, beißender Geruch, den man nie vergisst. Das Halogen Chlor, eine aggressive Verbindung, war lange Zeit das Mittel der Wahl bei der Wasserdesinfektion. 

Was sind Halogene? 

Das Wort Halogen stammt aus dem altgriechischen und bedeutet so viel wie „Salzbildner“. Im chemischen Periodensystem werden die Elemente der 7. Hauptgruppe als Halogene bezeichnet. Wie die anderen Halogene liegt auch Chlor als zweiatomiges Molekül vor und ist sehr reaktionsfreudig.. Andere bekannte Halogene sind etwa Fluor, Brom oder Iod.

Verwendung von Chlor in der chemischen Industrie 

Chlor ist eine vielseitige Chemikalie: In der Industrie ist es ein Grundstoff zur Herstellung zahlreicher organisch-chemischer Verbindungen, zum Beispiel Chloralkane wie Chloroform1. Chlorgas ist ein tödliches Gift und wurde schon im Ersten Weltkrieg als Waffe verwendet. Erst kürzlich wurden in einem Metallbetrieb in Iserlohn2 eine gefährliche Menge davon freigesetzt. 

Als viel verwendete Chemikalie in der Industrie nimmt Chlor des Öfteren einen Umweg über das Abwasser und gelangt so auch in unser Trinkwasser. Insbesondere im Abwasser von Schlachthöfen3 und fleischverarbeitenden Betrieben lassen sich häufig Rückstände finden.

Chlormessstreifen zum Testen vom Wasser

Gut zu wissen

In Deutschland verbraucht die chemische Industrie ca. 40 Millionen Tonnen pro Jahr. Wird das Halogen nicht entsorgt und gelangt in die Umwelt, geht der Abbau der giftigen Chemikalie nur sehr langsam voran. Denn in der Natur kommt Chlor in seiner organischen Form eigentlich nicht vor.

Wie kommt Chlor (noch) ins Trinkwasser?

In Verbindung mit Wasser ist Chlor weniger schädlich und wird deshalb für die Reinigung des Leitungswassers verwendet. Der Grund dafür? Chlor ist vergleichsweise billig und universell einsetzbar. Deshalb wird es von der Wasserversorgern als Desinfektionsmittel4 genutzt, um z. B. Keime, Bakterien oder sonstige Verunreinigungen im Wasser abzutöten.

Gut zu wissen

Gut zu wissen: Für die Säuberung von Leitungswasser ist Chlor fester Bestandteil der Trinkwasseraufbereitung.

Wasser abkochen mindestens 5 Minuten bei E.Coli Belastung

Ohne Wasserfilter wird empfohlen Leitungswasser bei akuten Verunreinigungen mindestens min. 5 Minuten abzukochen.

Chlor in der Trinkwasseraufbereitung: Chlorung 

Zum Schutz des Verbrauchers muss nach deutschem Recht das Wasser frei von Krankheitserregern sein, z. B. von

  • Mikroben
  • Viren
  • Bakterien

So wird das Halogen Chlor in der Trinkwasseraufbereitung eingesetzt, um Bakterien und andere Krankheitserreger sicher abzutöten. Diesen Vorgang nennt man Chlorung5. Durch ihn entsteht in Abhängigkeit vom pH-Wert ein Gleichgewicht aus Chlor, hypochloriger Säure und Salzsäure im Wasser.

Strenge Vorschriften?

Für die Zuführung von Chlor ins Leitungswasser gelten die strengen Vorschriften der Deutschen Trinkwasserverordnung6 (§ 11 TrinkwV). Diese enthält eine Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren, die regelmäßig aktualisiert wird.

Greenpeace Studio besagt dass Chlor krank macht

Grenzwerte zur Chlorung von Wasser

Ergänzt wird diese Regelung durch Vorgaben zu Methodik und Maßnahmen zur Desinfektion im Regelwerk der Wasserversorger, deren Verband DVGW7 entsprechende Arbeitsblätter herausgegeben hat. Dazu gehören auch Maßnahmen, die das Entstehen gefährlicher Verbindungen wie das giftige Trihalogenmethan8 verhindern sollen, für die es strenge Grenzwerte gibt.

Zusätzlich dazu gibt der Spitzenverband der gesetzlichen Unfallversicherung, der DGVU, in Deutschland ebenfalls umfangreiche Vorschriften und Empfehlungen für die Chlorung von Trinkwasser9 heraus.

Gefahr durch Trihalogenmethan?

 Man geht davon aus, dass dank dieser strengen Normen im Regelfall keine Gefahr für den Verbraucher durch Chlor im Leitungswasser entsteht. 

Dies liegt vor allem am niedrigen Grenzwert von 0,3 Milligramm Chlor pro Liter, den das Regelwerk für Leitungswasser10 in Deutschland vorgibt. Es gibt jedoch Ausnahmesituationen wie Notfall-Chlorungen und potenzielle Risiken durch Langzeitbelastungen, ganz besonders wenn Nebenprodukte, sogenannte „Disinfection Byproducts“, zum Verbraucher gelangen.

Was sind “Disinfection Byproducts”? Dabei handelt es sich um Desinfektionsnebenprodukte11, die bei einer Chlorung des Wassers entstehen können, wie z. B. das bereit erwähnte Trihalogenmethan.

Ausnahme: Chlorung des Trinkwassers in Notsituationen

Wasserwerke stehen vor allem durch den Klimawandel vor neuen Herausforderungen. Insbesondere Starkregen und lang anhaltendes Regenwetter können zu einer erhöhten Keimbelastung des Wassers führen. Fällt in kurzer Zeit eine enorme Regenmenge, so kann der Boden nicht mehr als natürlicher Filter wirken. 

Starkregen als Ursache

Als zum Beispiel im Februar 2012 im Bayerischen Mangfalltal Starkregen zur Verunreinigung des Wassers führte, wurde das Münchner Leitungswasser gechlort. In Rosenheim wurden die Bürger aufgefordert, das gechlorte Leitungswasser abzukochen. 

Für Wasserbetriebe gilt dabei der Fäkalkeim E. coli als sogenannter „Zeigerkeim12“: Er darf sich nicht im Trinkwasser befinden. Taucht er auf, werden Maßnahmen ergriffen, in der Regel eine Chlorung.

Starkregen im Juli / August 2021

Nach den jüngsten Starkregen im Juli und August 2021 musste vielerorts in Deutschland Wasser abgekocht und eine Chlorung durchgeführt werden, so zum Beispiel in…

Regionale Unterschiede

Generell hängt es sehr stark von der Bodenbeschaffenheit einer Region ab, ob regelmäßig oder nur in außergewöhnlichen Situationen gechlort werden muss. 80 Prozent der Einwohner Deutschlands beziehen ihr Trinkwasser aus tief gelegenen Reservoirs, die gut vor verkeimten Regenwasser geschützt sind.

Situation in München

In München muss man z. B. rund einmal im Jahr chloren, wenn der Boden durch Starkregen gesättigt ist. Anders sieht es jedoch in karstigen Regionen wie der Schwäbischen und der Fränkischen Alb aus. Denn besonders karstiger Boden, wie es ihn stellenweise gibt, hat unabhängig von der Regenmenge keine gute Filterfunktion.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, setzt die Hälfte der deutschen Wasserversorger Chlor nicht mehr routinemäßig zu. Und die Leiterin der Abteilung für Trinkwasserhygiene des Umweltbundesamtes, Ingrid Chorus, äußerte gegenüber der Münchner Tageszeitung: 

“In England und den USA fragt man sich, wie wir Deutschen uns das trauen können”.13

Gefahren durch Chlor im Wasser

Da krankmachende Keime im Wasser eine unmittelbare Gefährdung der Bevölkerung darstellen können, überwiegt in der Abwägung immer das Argument, Chlor zur sicheren Desinfektion einzusetzen. Trotz des streng kontrollierten Einsatzes kommt es aber immer wieder zu Diskussionen darüber, welche Folgen Chlor im Trinkwasser, auch in großer Verdünnung, haben kann.

Forschungen zu Chlor im Trinkwasser

Zwar gibt es hierzu keine absolut gesicherten und allgemein anerkannten Forschungsergebnisse, jedoch deutliche Hinweise in Studien und besorgniserregende Befunde aus Ländern, in denen höhere Chloridkonzentrationen im Wasser vorkommen. 

Zudem stehen auch Nebenprodukte einer Chlorierung im Verdacht, Krankheiten zu verursachen, insbesondere durch das Duschen und die Benutzung von Schwimmbädern. 

So begünstigt Chlor im Schwimmbad14 womöglich Asthmaerkrankungen15 bei Kindern. In besonderem Verdacht stehen die sogenannten THMS (Trihalogenmethan)-Verbindungen. Ein häufiges THM, das bekannte Chloroform, könnte krebserregend16 sein. Den THMs wird auch eine Rolle bei Missbildungen und Fehlgeburten zugeschrieben.

“Chlor macht krank”

Die wichtigste Studie zur Gesundheitsgefährdung durch Chlor findet sich in dem Bericht von Greenpeace: „Body of Evidence: The Effects Of Chlorine On Human Health“.17 In der deutschen Übersetzung “Chlor macht krank” heißt es dort wörtlich:

“Bei den krebserregenden Chemikalien nehmen die Chlororganika eine absolute Spitzenstellung ein: Ein Drittel der als krebserregend eingestuften Stoffe sind Chlorverbindungen.”

Risikogruppe: Schwangere & Mütter von Säuglingen

Besonders für Schwangere und Mütter von Säuglingen gilt erhöhte Vorsicht. Es gibt eine englische Studie, die von einer Gefahr für Schwangere und ungeborene Kinder18 durch Chlor im Wasser ausgehen. Dabei stehen mögliche Erkrankungen wie etwa Fehlgeburten, Hirnstörungen, Missbildungen und ähnliches im Raum.

Denkbar sind hier Folgen einer steten Vergiftung über lange Zeiträume, wenn über lange Zeit hinweg mit Chlor versetztes Trinkwasser konsumiert wird.

Achtung vor Inhalation: Gefahr beim Duschen

Ganz besonders wird auf die Gefahr der Inhalation von Chlor-Produkten beim warmen Duschen hingewiesen. Bei deutlich erhöhten Chlorkonzentrationen im Trinkwasser lassen sich auf jeden Fall sehr konkrete Effekte nachweisen: 

Eine epidemiologische Studie von Health Canada19 legt nahe, dass 14–16 Prozent der bekannten Blasenkrebsfälle in Ontario auf eine erhöhte Konzentration von “Disinfection Byproducts“ (Desinfektionsnebenprodukten) einer Chlorung zurückzuführen seien.

Wie Chlor aus Trinkwasser filtern? 

Trotz sehr strenger Vorgaben in Deutschland können gesundheitsschädliche Wirkungen von Chlor im Leitungswasser also nicht ausgeschlossen werden. Wasserfilter können diesbezüglich die möglichen Gefährdungen, vor allem für besonders gefährdete Menschen, wirksam unterbinden.

Prinzipiell eignen sich sowohl Aktivkohle-Blockfilter als auch Ionentauscher und Filter, die mit Umkehrosmose arbeiten, um Chlor aus dem Wasser zu filtern. Bei der Auswahl des richtigen Filters spielen etwa Fragen wie diese eine Rolle:

  • Wo soll der Wasserfilter eingesetzt werden?
  • Welche Ansprüche hat man an die Leistungsfähigkeit des Wasserfilters?

Mehr dazu erfahren Sie in einem weiteren Beitrag: Chlor aus Wasser filtern.

FAQs

Ist im Leitungswasser Chlor drin?

Der gesetzliche Grenzwert von Chlor im Trinkwasser liegt bei 0,3 Milligramm pro Liter (Trinkwasserverordnung). Durch Chlor im Wasser sollen Bakterien Keime, oder sonstige Verunreinigungen im Wasser abgetötet und die Qualität des Trinkwassers garantiert werden.

Was passiert wenn man zu viel Chlorwasser trinkt?

Solange das Wasser keine Keime oder Bakterien enthält, ist es nicht weiter schlimm, wenn Sie sich beim Schwimmen verschlucken und gechlortes Schwimmbadwasser trinken. Wenn das Wasser bei Verschlucken aber in die Luftröhre gerät, dann kann das Folgen für die Lunge bzw. die Bronchien haben.

Ist Chlor schädlich für den Körper?

Chlor an sich ist per se nicht gefährlich für den menschlichen Körper. Aber es gibt auch viele Chlorverbindungen, die extrem giftig sind wie z. B. Chlorgas. Außerdem gibt es einige Studien, die darauf hindeuten, dass besonders die Nebenprodukte, die bei einer Chlorung des Wassers entstehen, mitunter extrem schädlich für den Körper sein können.

Wie bekomme ich Chlor aus dem Leitungswasser?

Prinzipiell sind Aktivkohle-Blockfilter sehr gut geeignet, Chlor aus dem Wasser zu filtern. Dank der porösen, feinporigen Oberfläche besitzt ein solcher Filter eine starke katalytische wie adsorptive Wirkung und kann Chlor sowie Chlorverbindungen zu 99,99 Prozent nachhaltig aus dem Wasser entfernen.

Wird Chlor im Wasser beim Kochen zerstört?

Chlor ist ein recht flüchtiger Stoff, der durch das Erhitzen von Wasser verdampft. Wenn Sie Wasser abkochen, um damit Chlor oder andere Schadstoffe wie Bakterien zu eliminieren, sollte das Wasser dabei mindestens 5 Minuten lang kochen.

Verwandte Artikel und Produkte

Quellenangaben

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Chloroform 
  • https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/chlorgas-iserlohn-alarm-100.html
  • https://bi-medien.de/fachzeitschriften/umweltbau/abwassertechnik/ozon-reinigt-abwasser-im-schlachtbetrieb
  • https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/3521/dokumente/200114_21._bekanntmachung_der_liste_der_aufbereitungsstoffe_und_desinfektionsverfahren_gemaess_ss_11_der_trinkwasserverordnung_0.pdf
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Water_chlorination
  • https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20001483
  • https://www.dvgw.de/themen/wasser/wasserqualitaet/desinfektion/
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Trihalomethane
  • https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/3153
  • https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/trinkwasser/rechtliche-grundlagen-empfehlungen-regelwerk
  • https://www.cdc.gov/safewater/chlorination-byproducts.html
  • https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/chlor-im-trinkwasser-mit-chemie-gegen-den-dreck-1.1121889
  • https://www.researchgate.net/publication/222136311_Swimming_pool_chlorination_A_health_hazard
  • https://www.researchgate.net/publication/222136311_Swimming_pool_chlorination_A_health_hazard
  • https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8775165/
  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3229674/
  • https://www.oekorecherche.de/sites/default/files/publikationen/vollchlor.pdf
  • http://sciencev1.orf.at/science/news/48785
  • https://www.canada.ca/en/health-canada/services/publications/healthy-living/guidelines-canadian-drinking-water-quality-trihalomethanes/page-11-guidelines-canadian-drinking-water-quality-trihalomethanes.html