Schwermetalle im Wasser: Kupfer, Blei und Co. aus dem Trinkwasser filtern

Einige Schwermetalle sind wichtig für diverse Funktionen des menschlichen Organismus. Andere hingegen schädigen unseren Körper bereits in geringen Mengen und haben daher nichts in unserem Trinkwasser verloren.

Doch dies ist leichter gesagt als getan. Noch immer weist das deutsche Trinkwasser aufgrund diverser Umstände teils bedenklich hohe Konzentrationen an gewissen Schwermetallen auf, allen voran Blei ‒ und das obwohl eine gesundheitsgefährdende Wirkung bereits vielfach bestätigt wurde.

In diesem Ratgeber erfahren Sie,...

  • … was Schwermetalle überhaupt sind,
  • … welche Schwermetalle für unseren Körper gefährlich sind und welche nicht, 
  • … welche Schwermetalle im deutschen Trinkwasser vorkommen 
  • … und wie Sie Schwermetalle, insbesondere Blei, aus dem Trinkwasser filtern können. 

Inhalt dieses Artikels

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Aktualisiert am: 08.03.2022

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Was sind überhaupt Schwermetalle?

Der Begriff Schwermetalle bezeichnet eine Gruppe von Metallen, die je nach Definition basierend auf unterschiedlichen Faktoren zusammengestellt wird. Dabei ist das häufigste Kriterium eine hohe Dichte von mehr als 4,5 bzw. 5 g/cm3.

Sie kommen auf natürliche Weise als Bestandteil verschiedener Gesteinsschichten vor und gelangen durch Ausspülungen oder industrielle Prozesse in den Wasserkreislauf.

Bekannte Beispiele für Schwermetalle sind:

  • Gold
  • Silber
  • Platin
  • Quecksilber
  • Eisen
  • Kupfer
  • Blei
  • Zink
  • Chrom
  • Uran

Schwermetalle und der menschliche Körper

Einige Schwermetalle braucht unser Körper ‒ zumindest in gewissen Mengen. Zu diesen als Spurenelementen bekannten Metallen gehören zum Beispiel Kupfer oder Zink. Viele Schwermetalle kann unser Körper jedoch nicht verwerten, sodass diese bei zu hoher Konzentration schädlich sind (z.B. Blei, Cadmium, Quecksilber oder Chrom)

Gut zu wissen

Schwermetalle werden für uns Menschen immer dann gefährlich, wenn sie über Nieren und Darm nicht mehr ausgeschieden werden können. Denn dann gelangen diese Stoffe über unser Blut in diverse andere Organe, unsere Knochen oder Zähne, wo sie sich anlagern und Schäden verursachen können.

Besonders problematisch sind hohe Schwermetall-Konzentrationen, insbesondere von Blei, bei Säuglingen. Dies liegt daran, dass sich das zentrale Nervensystem erst mit der Zeit entwickelt und daher gerade bei Säuglingen noch sehr empfindlich auf diverse Einflussfaktoren reagiert. Zahlreiche Studien bestätigen, dass einige Schwermetalle toxisch auf das kindliche Nervensystem wirken. Nachgewiesen sind unter anderem Intelligenzdefizite, Entwicklungsstörungen und Konzentrationsschwäche. [1], [2], [3]

Schwermetalle im deutschen Trinkwasser

Grundsätzlich sorgt die deutsche Trinkwasserverordnung dafür, dass unser Leitungswasser Grenzwerte gewisser Schadstoffe, darunter auch zahlreiche Schwermetalle, nicht überschreitet [4]. Allerdings ist dies keine Garantie dafür, dass keine Schwermetalle im Trinkwasser enthalten sind. 

Das größte Problem stellen die hauseigenen Rohrleitungen und Armaturen dar. So geben Rohre aus Blei oder Kupfer beispielsweise kontinuierlich Schwermetall-Partikel an das Wasser ab. [5]

Zu den bekanntesten Schwermetalle im deutschen Trinkwasser zählen:

KupferKupfer ist ein Spurenelement, das der menschliche Körper zum Leben benötigt.

In deutschen Böden und Gewässern gibt es so gut wie keine natürlichen Kupfervorkommen.

Kupfer wird in der Landwirtschaft als Düngemittel und Futterzusatz genutzt. So gelangt das Metall mit der Gülle in die Böden und auch ins Grundwasser.

Wasserleitungen werden oft aus Kupfer hergestellt.

Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 2,0 mg pro Liter.

Kupfer ist erst in sehr hoher Konzentration gefährlich.

Es kann u.a. Magen- und Darmbeschwerden, Koliken oder Leberschäden hervorrufen.
BleiBlei ist ein natürlicher Bestandteil der Erdkruste.

Bis in die 1970er-Jahre wurden Bleileitungen für Trinkwasserinstallationen eingesetzt.

Besonders wenn das Wasser länger in Bleileitungen steht, kann es einen höheren Gehalt an Blei aufweisen.

Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 0,010mg pro Liter.

Blei verbleibt in unserem Körper und kann größtenteils nicht mehr ausgeschieden werden.

Es kann bei Erwachsenen zu Nierenerkrankungen und Störungen in der Blutbildung führen.

Besonders für Säuglinge und Kleinkinder ist Blei sehr gefährlich, da es die geistige Entwicklung nachhaltig schädigen kann.
EisenEisen ist ein wichtiges Spurenelement und unabdingbar für die Blutbildung.

Es ist eines der häufigsten Metalle der Erdkruste.

Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 0,200 mg pro Liter.

Eisen ist prinzipiell nicht gesundheitsschädlich.

Es sorgt lediglich für einen metallischen Geschmack und Trübungen im Wasser.
NickelNickel ist in seiner Reinform nicht wasserlöslich, Nickellegierungen jedoch schon.

Es gelangt völlig unbemerkt durch verchromte Armaturen mit Nickelschicht in das Trinkwasser.

Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 0,020 mg pro Liter.

Nickel ist erst in sehr hoher Konzentration gefährlich.

Es löst eher allergische Hautreaktionen als andere gesundheitliche Probleme aus.

Zu hohe Konzentrationen können unter Umständen zu Magen- und Darmbeschwerden führen.
CadmiumCadmium entsteht als Nebenprodukt bei der Zink-, Blei-, und Kupfergewinnung.

Cadmium ist zudem in Düngern und Pestiziden zu finden.

Es wird für den Stoffwechsel nicht benötigt und ist daher im Wasser komplett unerwünscht.

Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 0,0030 mg pro Liter.

Cadmium kann bei hoher Konzentration vor allem Nieren, Leber und Knochen schädigen.
ChromChrom gelangt vorwiegend durch Industrieabwasser in die Umwelt.

Es weist je nach Oxidationsstufe unterschiedliche Eigenschaften auf.

Elementares Chrom wird häufig als Überzug bei Armaturen verwendet.

Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 0,050 mg pro Liter.

Blei im Trinkwasser

Blei gehört zu den größten Gefahren für das deutsche Trinkwasser. Aus diesem Grund nehmen wir hier dieses Schwermetall noch einmal etwas genauer unter die Lupe. 

Gut zu wissen

Die häufigste Ursache für hohe Blei-Konzentrationen im Trinkwasser sind veraltete Bleileitungen. Diese geben nach und nach Blei an unser Trinkwasser ab, meist ohne dass wir es bemerken. Je nachdem, wie lange das Wasser in der Leitung steht, können mitunter bedenkliche hohe Blei-Konzentrationen im Trinkwasser nachgewiesen werden.

Gesetzeslage

Und das obwohl die Gesetzeslage diesbezüglich eigentlich sehr klar ist: Seit 1973 ist der Einbau von Bleileitungen in Deutschland nämlich verboten, da diese das Trinkwasser zu sehr belasten. 2013 wurden zudem die Grenzwerte für Blei im Trinkwasser verschärft.

Seither darf eine Grenze von 0,010 mg Blei pro Liter Wasser nicht mehr überschritten werden. Da dieser Grenzwert nur eingehalten werden kann, wenn das Trinkwasser keine Bleirohre durchfließt, wurde als Folge ein Großteil der veralteten Bleileitungen ersetzt.

Gerade in Altbauten können nicht sanierte Wasserleitungen aus Blei dennoch bis heute ein Problem darstellen. [6]

Bleileitungen erkennt man an wulstigen Lötstellen

Wie Leitungen aus Blei erkennen?

Wer in Altbauten von vor 1973 wohnt und sich nicht sicher ist, ob ggf. noch Bleileitungen in der Hausinstallation genutzt werden, sollte sich beim Hauseigentümer, Hausverwalter oder Hausmeister diesbezüglich erkundigen. Des weiteren können Sie einen Fachmann hinzuziehen, mittels Probenentnahme den Bleigehalt Ihres Wassers von einer zugelassenen Untersuchungsstelle überprüfen oder selbst die sichtbaren Leitungen auf Blei kontrollieren.

So erkennen Sie Bleileitungen:

Wenn Sie auf Bleileitungen klopfen, ertönt kein metallischer Klang sondern eher ein dumpfes Geräusch.

Blei Leitungen erkennt man am Ton

Bleileitungen sind weich und lassen sich mit
einer Münze einritzen.

Blei Leitungen kann man mit einer Münze einritzen

Bleirohre sind nicht magnetisch.

Blei Leitungen sind nicht magnetisch

Bleirohre sind teilweise in geschwungenen Linien verlegt, da sie sehr biegsam sind.

Blei Leitungen sind biegsam und oft geschwungen verlegt

Bleirohre sind silbergrau, sofern sie nicht gestrichen wurden.

Bleileitungen haben keine verschraubten Verbindungen sondern wulstige Lötstellen und weisen häufig einen unregelmäßigen Durchmesser auf.

Wulstige Löststellen von Blei Rohr

Blei aus dem Trinkwasser filtern: Womit?

Für die Blei-Filterung eignen sich prinzipiell drei verschiedene Wasserfilter. Allerdings haben alle sowohl Vor- als auch Nachteile.

Ionenaustausch-Filter

Beim Ionenaustausch-Filter werden die Blei-Ionen im Wasser gegen ungefährliche Natriumionen ausgetauscht. Derartige Filter besitzen allerdings nur eine begrenzte Austauschkapazität und müssen bei vollständiger Sättigung gereinigt und regeneriert werden. Das größte Problem dabei ist, dass die Ionenaustauscher nicht anzeigen, wann ihre maximale Kapazität erreicht ist. So kann eine Sättigung schnell unbemerkt bleiben.

Umkehrosmose-Filter

Umkehrosmose-Filter reinigen das Wasser aufgrund einer ausgesprochen feinen Membran. Bleiverbindungen können diese Membran nicht durchdringen und werden daher aus dem Trinkwasser gefiltert. Allerdings bleiben auf diese Weise auch einige Mineralstoffe zurück, sodass das Trinkwasser nach der Filterung remineralisiert werden muss. Zudem brauchen Umkehrosmose-Filter relativ viel Wasser und Energie, da die Membran regelmäßig durchgespült werden muss.

Aktivkohle-Filter

Aktivkohlefilter machen sich die Adsorptionsfähigkeit von Aktivkohle zu Nutzen, indem Sie diese gezielt dazu verwenden, um Schadstoffe aus dem Wasser zu filtern. Hier kommt es allerdings sehr stark auf die Art der Aktivkohle an. Von geschütteter Aktivkohle, wie sie in Tischkannenfiltern verwendet wird, ist dringend abzuraten, da diese ein relativ hohes Verkeimungsrisiko mit sich bringen. 

Gut zu wissen

Besser sind sogenannte Aktivkohle-Blockfilter, die über eine weitaus höhere Adsorptionsfähigkeit verfügen und weniger Risiken aufweisen. Bei Aktivkohle-Blockfiltern ist allerdings ebenfalls darauf zu achten, dass die Kartuschen regelmäßig ausgetauscht werden, weil der Filter sonst seine Wirkung verliert.

Wasserfilter als Schutz vor Schwermetallen im Trinkwasser

Trotz Trinkwasserverordnung und entsprechender Gesetze zur Verminderung von Schwermetallen im Trinkwasser, weist das deutsche Wasser zumindest teilweise hohe Schwermetall-Konzentrationen auf.

Um sich vor den unerwünschten Metalle zu schützen, empfiehlt es sich, das Wasser vor dem Trinken mit einem geeigneten Filterverfahren zu reinigen. Dabei steht die Qualität des Trinkwasserfilters an oberster Stelle, denn diese ist ausschlaggebend für der Erfolg oder Misserfolg der Filterung. Überprüfen Sie außerdem unbedingt Ihre Rohrleitungen und lassen Sie diese, insbesondere im Fall von Bleirohren, austauschen.

FAQs

Wie kommen Schwermetalle ins Wasser?

Schwermetalle gelangen u.a. aufgrund von Emissionen und Altlasten aus Fabriken, durch Feinstaub sowie durch Überdüngung in der Landwirtschaft über das Regen- bzw. Sickerwasser in das Grundwasser und anschließend in unser Trinkwasser. Außerdem geben gewisse Rohrleitungen ihrerseits Schwermetall-Partikel an das Leitungswasser ab.

Sind Schwermetalle schädlich?

Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Einerseits gibt es einige Schwermetalle, die für unseren Körper zumindest in gewissen Mengen essentiell sind. Dazu zählen zum Beispiel Eisen, Zink oder Kupfer. Andere Schwermetalle wie Blei, Cadmium oder Quecksilber hingegen sind schädlich für den menschlichen Organismus. 

Kann man Blei aus dem Wasser filtern?

Ja, mit einem geeigneten Wasserfilter können Sie Blei aus dem Trinkwasser filtern. Für eine dauerhafte Lösung wäre es allerdings ratsam, mögliche alte Bleileitungen auszutauschen und somit das Risiko von Blei im Trinkwasser um ein Vielfaches zu reduzieren. 

Hilft das Abkochen von Trinkwasser gegen zu hohe Blei-Konzentrationen? 

Nein, das Abkochen von Trinkwasser hilft nicht gegen eine hohe Konzentration an Blei oder anderen Metallen. Durch das Abkochen können Sie lediglich Bakterien und Keime töten.

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