Asbest im Trinkwasser und in alten Wasserleitungen aus Asbestzement
Asbest im Trinkwasser stammt meist aus Asbestzementrohren. Warum die WHO keinen Grenzwert setzt und wann alte Leitungen zum Problem werden.
Asbest im Wasser stammt in Deutschland fast immer aus einer Quelle: aus alten Trinkwasserleitungen aus Asbestzement. Rund 6,7 % des deutschen Rohrnetzes bestehen noch aus diesem Stoff. Die Gefahr von Asbest ist gut belegt. Sie geht aber vom Einatmen der Fasern aus. Für den Weg über das Trinkwasser bewerten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und deutsche Behörden die Daten anders. Dieser Ratgeber trennt beides und zeigt, wann eine Leitung aus Asbestzement zum Problem wird.
Was ist Asbest?
Asbest ist der Sammelname für sechs natürlich vorkommende, faserförmige Silikat-Minerale. Das Umweltbundesamt (UBA) beschreibt Asbest als faserartige Minerale aus dem Gestein. Zu den sechs Mineralen zählen Chrysotil (Weißasbest), Krokydolith (Blauasbest), Amosit, Anthophyllit, Tremolit und Aktinolith.
Die Fasern sind hitze- und säurebeständig, verrotten nicht und lassen sich fein aufspalten. Genau das machte den Mineralstoff für Baustoffe attraktiv, allen voran für Asbestzement. In Asbestzement liegt der Asbestanteil laut UBA bei etwa 10 bis 15 %. Die Fasern sitzen fest im Zement. In Deutschland sind Herstellung, Handel und Einsatz von Asbest seit dem 31. Oktober 1993 verboten. Das EU-weite Verbot folgte 2005.
Warum Asbest gefährlich ist
Asbest gefährdet die Gesundheit vor allem über die Atemwege. Eingeatmete Asbestfasern lagern sich dauerhaft in der Lunge ab, reizen sie über Jahrzehnte und lösen Krebs aus. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) führt alle sechs Asbestarten in Gruppe 1, also als eindeutig krebserregend für den Menschen.
Vier Krankheiten sind in Deutschland als asbestbedingte Berufskrankheiten anerkannt: Lungenasbestose, Pleuraasbestose, Lungenkrebs und Mesotheliome. Mesotheliome sind Tumore im Rippen- und Bauchfell. Sie können schon nach kurzem Kontakt mit Asbest entstehen und verlaufen meist tödlich. Zwischen der Faseraufnahme und dem Ausbruch liegen oft mehr als 40 Jahre. Krokydolith (Blauasbest) gilt als besonders karzinogen.
Die Belege für das Krebsrisiko kommen alle aus dem Einatmen. Der Weg der Gefahr führt über die Lunge, nicht über den Magen. Für die orale Aufnahme über Trinkwasser gilt eine andere Bewertung. Sie steht weiter unten in diesem Ratgeber.
Woher Asbest ins Trinkwasser gelangt
Die Hauptquelle für Asbest im Trinkwasser sind Asbestzementrohre im Netz des Versorgers. Das stellt die WHO in ihrem Faktenblatt zu Asbest im Trinkwasser fest (Stand 2021). Daneben nennt die WHO drei weitere Wege: die Verwitterung asbesthaltiger Minerale und Erze, Industrieabwässer und Luftverschmutzung.
Ein vierter Pfad betrifft Regenwasser. Wenn Regenwasser von schlecht versiegelten Dächern aus Asbestzement gesammelt wird, kann es Asbestfasern enthalten. Das gilt für Regenwassertanks und Zisternen, nicht für die öffentliche Trinkwasserversorgung.
Zur Größenordnung: Laut WHO liegen die Werte im Trinkwasser meist unter 1 Million Fasern pro Liter. Über 10 Millionen Fasern pro Liter kommen selten vor. Höhere Werte meldet die WHO dort, wo Asbestzementrohre im Einsatz sind. Sie weist zugleich darauf hin, dass die Daten zum Vorkommen dünn sind.
Wasserleitungen aus Asbestzement in Deutschland
Rund 6,7 % der Trinkwasserleitungen in Deutschland sind aus Asbestzement. Diese Zahl kommt aus der Rohrnetzstatistik des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Verlegt wurden die Rohre vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren. Schätzungen nennen rund 30.000 Kilometer. Ein Schwerpunkt liegt in Schleswig-Holstein.
Seit dem 1. Januar 1995 dürfen Asbestzementrohre nicht mehr neu verlegt werden. Alte Leitungen dürfen im Betrieb bleiben. Der DVGW begründet das damit, dass beim Kontakt mit Trinkwasser keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher besteht.
Die Rohre altern trotzdem. Hersteller geben eine Nutzungsdauer von 60 bis 70 Jahren an. Rechnerisch müssten damit bis 2050 alle Asbestzementleitungen ersetzt sein. Das DVGW-Forschungsprojekt W 201721 entwickelte deshalb ein Verfahren dafür: Wasserversorger prüfen den Zustand entnommener Rohrproben chemisch und schätzen die Restlaufzeit.
Was Eternit und AZ-Rohr bei Wasserleitungen bedeuten
Eternit ist ein Markenname, kein Materialname. Der österreichische Industrielle Ludwig Hatschek meldete das Verfahren 1900 zum Patent an. Die Marke Eternit schützte er 1903 als Wortmarke. Der Name kommt vom lateinischen "aeternus" für ewig. Das Material dahinter heißt Faserzement.
Bis Anfang der 1990er-Jahre war die Faser in diesem Faserzement Asbest. Aus dieser Zeit kommen die Eternit-Wasserleitungen, die heute noch im Boden liegen. AZ steht für Asbestzement. AZ-Rohr und AZ-Leitung sind die Kurzformen, die Wasserversorger in ihren Netzplänen nutzen.
Wichtig für die Einordnung: Heutiges Eternit enthält keinen Asbest. Seit dem Verbot 1993 sind Faserzementprodukte unter diesem Markennamen aus Kunststoff- oder Zellulosefasern. Ein Eternit-Produkt aus dem Baumarkt ist also kein Hinweis auf Asbest. Ein Eternitrohr aus den 1960er-Jahren dagegen sehr wohl.
Löst sich Asbest in Wasser?
Asbest ist nicht wasserlöslich. Asbest ist ein faserförmiges Mineral, kein Salz. Die Fasern sind chemisch sehr beständig. Sie widerstehen Säuren und Laugen und zersetzen sich in der Umwelt praktisch nicht. Wasser löst die Fasern also nicht auf, so wie es Salz auflöst.
Angreifbar ist etwas anderes: der Zement, in dem die Fasern stecken. Kalklösendes Wasser kann die Zementmatrix eines Asbestzementrohrs von innen anlösen. Löst es dabei Bindemittel heraus, lösen sich einzelne Asbestfasern mechanisch und gelangen ins Wasser. Die Fasern schwimmen dann als Partikel im Wasser, gelöst sind sie nicht.
Der Unterschied zwischen Partikel und gelöstem Stoff prägt die Trinkwasserverordnung: Sie regelt nicht den Asbestgehalt, sondern die Aggressivität des Wassers gegenüber dem Zement.
Wann eine Asbestzementleitung zum Problem wird
Eine Asbestzementleitung wird in 2 Fällen zum Problem: wenn kalklösendes Wasser den Zement angreift, oder wenn jemand das Rohr mechanisch beschädigt. Solange das Wasser im Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht liegt, bildet sich auf der Zementoberfläche eine Schutzschicht. Die Fasern bleiben dann gebunden.
Kalklösend ist vor allem sehr weiches Wasser. Weiches Wasser ist kalkarm und kann Kalk aus dem Zement herauslösen. Hartes Wasser lagert eher Kalk an. Deshalb zählt die Wasserhärte im Versorgungsgebiet für Asbestzementrohre als wichtiger Faktor.
Genau hier setzt die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) an. Nach Anlage 3 darf die berechnete Calcitlösekapazität am Ausgang des Wasserwerks 5 mg/l CaCO₃ nicht überschreiten. Das gilt als erfüllt, wenn der pH-Wert am Wasserwerksausgang bei mindestens 7,7 liegt. Hinter Mischungspunkten mehrerer Wasserwerke gilt im Netz ein Wert von höchstens 10 mg/l. Der zulässige pH-Bereich für Trinkwasser liegt zwischen 6,5 und 9,5.
Eine Grenze nennt die WHO ausdrücklich: Ist ein Rohr bereits geschädigt, stoppt eine späte Korrosionskontrolle den Austritt der Fasern nicht mehr. Die WHO rät Wasserversorgern deshalb, Asbestzementleitungen zu kartieren, ihren Zustand zu prüfen und stark geschädigte Rohre durch asbestfreie Rohre zu ersetzen.
Grenzwerte für Asbest im Trinkwasser
Für Asbest im Trinkwasser gibt es in Deutschland und der EU keinen Grenzwert. Die WHO setzte ebenfalls keinen Leitwert. Die USA regeln Asbest dagegen seit 1992 mit einem festen Höchstwert. Deutschland regelt stattdessen indirekt über die Calcitlösekapazität.
| Regelwerk | Wert für Asbest | Ansatz |
|---|---|---|
| Trinkwasserverordnung (Deutschland) | kein Grenzwert | Calcitlösekapazität max. 5 mg/l CaCO₃ am Wasserwerksausgang |
| WHO-Leitlinien für Trinkwasserqualität | kein Leitwert (Stand 2021) | kein belastbarer Nachweis einer Gefahr bei oraler Aufnahme |
| US-Umweltbehörde EPA | 7 Millionen Fasern pro Liter (Fasern über 10 µm Länge) | verbindlicher Höchstwert (MCL), gültig seit 1992 |
| EU-Richtlinie 2023/2668 (Arbeitsplatz) | 0,01 Fasern pro cm³ Luft | Arbeitsschutz, nicht Trinkwasser |
Die EPA setzt ihren Zielwert (MCLG) auf denselben Wert wie den festen Höchstwert, also ebenfalls 7 Millionen Fasern pro Liter. Der EU-Arbeitsplatzgrenzwert steht in der Tabelle zur Abgrenzung. Die EU senkte ihn 2023 von 0,1 auf 0,01 Fasern pro Kubikzentimeter Luft. Er betrifft eingeatmete Fasern, nicht getrunkenes Wasser.
Wie WHO und Behörden die orale Aufnahme bewerten
Die WHO sieht keinen belastbaren Nachweis, dass verschlucktes Asbest der Gesundheit schadet. Genau damit begründet sie, warum sie keinen Leitwert für Asbest im Trinkwasser festgelegt hat. In ihrem Faktenblatt (Stand 2021) führt die WHO 2 Argumente an.
Erstens sind die Studien zum Zusammenhang zwischen Asbest im Trinkwasser und Krebs des Magens und des Magen-Darm-Trakts uneinheitlich. Ein Teil zeigt eine schwache positive Korrelation, ein anderer findet gar keine. Zweitens hat Asbest in großen Tierversuchen die Zahl der Tumoren im Magen-Darm-Trakt nicht klar erhöht. Beide Studientypen zusammen stützen laut WHO die These nicht, dass orale Asbestaufnahme das Krebsrisiko erhöht.
Die WHO-Bewertung ist keine Entwarnung. Ein Beweis der Unbedenklichkeit fehlt genauso wie ein belastbarer Beweis für einen Schaden. Die USA bewerten dieselben Daten vorsichtiger und haben einen Höchstwert festgelegt.
In Deutschland wurde eine Trinkwasseruntersuchung des Fraunhofer-Instituts von 1983 heiß diskutiert. Sie soll bis zu 1,57 Millionen frei gelöste Asbestfasern pro Liter ausgewiesen haben. Bereits 1989 widersprach ein Fraunhofer-Mitarbeiter in der taz dieser Deutung. Man habe gar nicht geprüft, durch welche Leitungen das Wasser geflossen war. Gemessen habe man den Gesamtgehalt an Mineralfasern, nicht speziell Asbest.
Arbeiten an Asbestzementrohren
Das eigentliche Asbestrisiko ist die Arbeit am Rohr, nicht das Trinken. Die WHO nennt als Hauptproblem rund um Asbestzement im Trinkwasser die Menschen, die außen am Rohr arbeiten, etwa beim Schneiden. Dabei entsteht Staub, und Staub atmen sie ein.
Im Haushalt gilt dieselbe Regel. Wenn ein Abflussrohr oder eine Wasserleitung aus Asbestzement verstopft, beschädigt oder gekürzt werden muss, gehört die Arbeit in die Hände eines Fachbetriebs. Dafür gelten die Gefahrstoffverordnung und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 519. Der DVGW hat sein Arbeitsblatt W 396 für Erneuerung und Reparatur von Asbestzementleitungen überarbeitet. Darin erkennt er ein emissionsarmes Anbohrverfahren an.
Auch die Entsorgung ist geregelt. Asbesthaltiges Material ist Sondermüll und darf nur von zugelassenen Betrieben entsorgt werden. Anfeuchten bindet den Staub und ist bei Asbestarbeiten Standard, ersetzt aber weder Schutzausrüstung noch Fachbetrieb.
Woran sich eine Leitung aus Asbestzement erkennen lässt
Auskunft über Asbestzementleitungen im Netz gibt der örtliche Wasserversorger. Er führt Netzpläne mit dem Rohrmaterial je Abschnitt. Dort tauchen Asbestzementrohre als AZ-Rohre oder AZ-Leitungen auf. Eine Anfrage beim Versorger ist der schnellste Weg zu einer belastbaren Antwort.
Für die Leitung auf dem eigenen Grundstück hilft das Baujahr als erster Hinweis. Wurde vor 1995 gebaut, ist Asbestzement möglich. Sicherheit bringt nur eine Materialbestimmung durch einen Fachbetrieb, kein Blick von Laien. Eigentümer und Betriebe finden beim DVGW Empfehlungen zum Umgang mit Trinkwasserrohren aus Asbestzement.
Filter gegen Asbestfasern im Wasser
Asbestfasern lassen sich aus Wasser mechanisch herausfiltern. Die WHO gibt für die klassische Wasseraufbereitung mit Flockung und Filtration eine Rückhaltung von über 99 % an, sofern der Betrieb optimiert läuft. Die US-Umweltbehörde EPA hat für Asbest 3 Verfahren anerkannt: Flockung mit Filtration, Direkt- und Kieselgurfiltration sowie Korrosionskontrolle. Die Korrosionskontrolle filtert nicht. Sie hält den Zement intakt, damit die Fasern gar nicht erst austreten.
Asbestfasern sind Partikel, kein gelöster Stoff. Deshalb entscheidet die Porengröße. Membranverfahren trennen genau danach: Umkehrosmose hat die feinsten Poren, Nanofiltration liegt eine Stufe darüber, Ultrafiltration eine weitere. Für Haushaltsfilter gibt es mit NSF/ANSI 53 einen Prüfstandard mit eigener Asbest-Klasse. Zertifizierte Systeme müssen 99 % der Fasern über 10 µm Länge zurückhalten. Ein Blick auf diese Prüfklasse sagt mehr aus als allgemeine Filterwerbung.
Alb Filter setzt 2 Technologien ein, die auf Partikel und gelöste Stoffe unterschiedlich wirken. Die NANO-Kartusche arbeitet mit Ultrafiltration und einer Porenweite von 0,1 µm. Sie ist auf Partikel und Keime ausgelegt. Die ACTIVE+-Kartusche nutzt gesinterte Aktivkohle. Ihr Wirkprinzip erklärt der Ratgeber Was ist Aktivkohle. Wie sich Membran- und Adsorptionsverfahren unterscheiden, zeigt die Übersicht zu Filtrationstechnologien und Filterverfahren.
Neben Asbest spielen im Leitungswasser weitere Stoffe eine Rolle. Welche Schadstoffe das sind und woher sie kommen, ordnet der Ratgeber zu Schwermetallen im Leitungswasser ein. Für Partikel im Nanometerbereich lohnt der Beitrag zum Mikroplastik-Filter für Trinkwasser.
Passend zum Thema
Alb Filter FUSION – mechanische Filtration gegen Fasern und Partikel
Der FUSION Untertisch-Trinkwasserfilter kombiniert einen gesinterten Aktivkohle-Block mit Nano-Ultrafiltration. Die feine Porenstruktur hält Partikel und Fasern mechanisch zurück, lässt die Mineralstoffe im Wasser – fest installiert, ohne Strom und ohne Abwasser.
Häufige Fragen
Ist Asbest wasserlöslich?
Asbest ist nicht wasserlöslich. Asbestfasern sind chemisch beständig gegen Säuren und Laugen und zersetzen sich in Wasser nicht. Aus einer angegriffenen Zementmatrix lösen sie sich aber als Partikel und schwimmen dann im Wasser.
Ist es gefährlich, Asbest zu trinken oder zu essen?
Die WHO sieht keinen belastbaren Nachweis, dass verschlucktes Asbest der Gesundheit schadet, und hat deshalb keinen Leitwert für Trinkwasser festgelegt. Die belegten Krebsrisiken durch Asbest stammen aus dem Einatmen der Fasern.
Ist Duschen mit asbesthaltigem Wasser gefährlich?
Beim Duschen oder Befeuchten gelangen Asbestfasern aus dem Leitungswasser in die Raumluft. Nach WHO-Bewertung ist das für die Gesundheit voraussichtlich ohne Belang. Das Risiko beim Einatmen entsteht durch Staub bei Arbeiten am Material, nicht durch Wasserdampf.
Kann man Asbest mit Wasser binden?
Anfeuchten bindet Asbeststaub und verhindert, dass Fasern in die Luft gelangen. Deshalb ist Befeuchten bei Asbestarbeiten nach TRGS 519 gängige Praxis. Wasser macht Asbest aber nicht ungefährlich und ersetzt keinen Fachbetrieb.
Ist Regenwasser von einem Asbestdach belastet?
Regenwasser von unzureichend versiegelten Dächern aus Asbestzement kann laut WHO Asbestfasern enthalten. Für Regenwassertanks und Zisternen ist das relevant. Auf die öffentliche Trinkwasserversorgung wirkt sich ein Asbestdach nicht aus.
Sind Abwasserrohre aus Asbestzement ein Problem?
Ein intaktes Abwasserrohr aus Asbestzement setzt keine Fasern in die Raumluft frei. Kritisch wird es bei Schäden und Reparaturen, weil beim Schneiden oder Bohren Asbeststaub entsteht. Solche Arbeiten übernimmt ein Fachbetrieb nach TRGS 519.
Woran erkennt man ein Asbestzementrohr?
Sicher erkennt man Asbestzement nur durch eine Materialbestimmung im Labor. Als Anhaltspunkt gilt das Baujahr: Asbestzementrohre wurden bis 1995 verbaut, in Trinkwassernetzen vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren. Über das Rohrmaterial im öffentlichen Netz gibt der Wasserversorger Auskunft.
Gibt es Asbest im Grundwasser?
Asbest kann durch Verwitterung asbesthaltiger Minerale und Erze ins Wasser gelangen. Die WHO führt diesen natürlichen Eintragspfad neben Industrieabwässern und Luftverschmutzung auf. Die Hauptquelle für Asbest im Trinkwasser bleiben jedoch Asbestzementrohre im Verteilungsnetz.
Quellen
- WHO Chemical Fact Sheet: Asbestos — mit der Begründung, warum die WHO keinen Leitwert für Asbest im Trinkwasser festlegt (Bewertungsstand 2021)
- WHO: Asbestos in drinking-water — als Hintergrunddokument zu den WHO-Leitlinien für Trinkwasserqualität
- Umweltbundesamt: Asbest — zu Mineralarten, Asbestgehalt in Asbestzement und dem deutschen Verbot vom 31. Oktober 1993
- Anlage 3 Trinkwasserverordnung — mit den Werten für Calcitlösekapazität und pH-Wert am Wasserwerksausgang
- DVGW-Forschungsprojekt W 201721: Zustand von Asbestzement-Rohren — mit dem Anteil von 6,7 % Asbestzement im deutschen Rohrnetz und der Nutzungsdauer-Prognose
- US EPA: Consumer Fact Sheet on Asbestos — zum US-Höchstwert von 7 Millionen Fasern pro Liter und den anerkannten Aufbereitungsverfahren
- Richtlinie (EU) 2023/2668 — zur Absenkung des Asbest-Grenzwerts am Arbeitsplatz auf 0,01 Fasern pro Kubikzentimeter
- BAuA: Informationsportal Asbest — zu Gefahrstoffverordnung, TRGS 519 und dem Umgang mit asbesthaltigem Material
- Ludwig Hatschek bei Wikipedia — zur Erfindung des Faserzements und zur Wortmarke Eternit
- taz: Asbest im Trinkwasser, Entwarnung? — mit der zeitgenössischen Kritik an der Auswertung der Faserzahlen von 1983