Mikroplastik im Wasser

Die Verbreitung von Mikroplastik ist neben dem Klimawandel einer der größten Eingriffe des Menschen in die natürliche Umwelt. Kunststoffteile haben sich überall auf der Welt ausgebreitet. Sie können mikroskopisch klein sein oder als sichtbare Partikel auftreten, die man mit bloßem Auge erkennen kann. Sie existieren in der Tiefsee, in entlegenen Polarregionen, in der Atmosphäre und in den Körpern von Mensch und Tier. Auch das Wasser enthält Mikroplastik in unterschiedlicher Konzentration und gelangt so zum Verbraucher. Die Folgen von Mikroplastik für Gesundheit und Umwelt werden noch erforscht. Doch was ist Mikroplastik eigentlich, und wie kann man sich vor Mikroplastik im Wasser schützen?

Was ist Mikroplastik?

Entdeckt wurde Mikroplastik 1997 von Charles Moore, einem Umweltaktivisten, der im „Großen Pazifischen Müllstrudel“ zwischen Plastikteilen unzählige kleine Kunststoffpartikel entdeckte.

Der Begriff des Mikroplastiks wird heute hauptsächlich in Bezug auf die Größe bestimmter Plastikteile verwendet. Als Mikroplastik bezeichnet man Plastikpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind.

Es gibt auch Plastikpartikel, deren Größen sich im mikroskopischen Bereich als Mikropartikel und Nanoplastikteilchen bewegen, jedoch nicht auf molekularer Größe vorliegen. 

Aufräumen von Plastikmüll am Strand

Bei einer unserer Alb Filter Strand Aufräum-Aktionen ist uns eine Kappe einer Wasserfilterkartusche links unten aufgefallen. 

Hinsichtlich der Arten von Mikroplastik werden Abgrenzungsfragen diskutiert, die heute für die Forschung ein wichtiges Thema sind. Mikroplastik muss man grundsätzlich als Sammelbegriff für Teile aus Kunststoffen verstehen. Im Wesentlichen zählt man die Polymere, vor allem das Polyethylen, zu den Stoffen, aus denen Mikroplastik entstehen kann.

Die Kunststoffe werden für die Herstellung einer Vielzahl von Produkten des täglichen Alltags eingesetzt, angefangen von Autoreifen über Bekleidung bis hin zu Kosmetikprodukten. Je nach Art seiner Entstehung unterscheidet man zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik.

Wie entsteht Mikroplastik?

Mit dem primären Mikroplastik sind sogenannte Basispellets gemeint, die Ausgangsmaterial für zahlreiche Produkte wie Zahnpasta oder Reinigungsmittel sind. Hier werden bewusst kleine Plastikteilchen als Werkstoff hergestellt. Insbesondere Kosmetika, zum Beispiel Peelings, enthalten Mikroplastik. Man nutzt diese Partikel aber auch in Reinigungsstrahlern und Medikamenten.

Das sekundäre Mikroplastik ist ein ungewollt entstandenes Produkt, das durch chemische und physikalische Prozesse entsteht. Zum Beispiel zersetzt UV-Licht Plastik, aber auch der tägliche Abrieb von Autoreifen erzeugt Mikroplastik. Fleece-Kleidung aus Kunstfasern kann laut Bundesumweltamt bis zu 2000 dieser Fasern pro Waschgang verlieren, was dann ins Abwasser gelangt.  

Durch welche Produkte entsteht Mikroplastik

Mikroplastik in der Umwelt

Da Plastik allgegenwärtig ist, vom Verpackungsstoff bis zum Kinderspielzeug, geraten Plastikabfälle und Plastikpartikel auf vielen Wegen in die Umwelt. Man schätzt, dass die Menschheit seit der Erfindung des Plastiks an die 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert hat. 1
Bis zu 330.000 Tonnen Mikroplastik werden laut einer Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT alleine in Deutschland pro Jahr freigesetzt. Dabei bezieht sich diese Zahl nur auf das oben genannte primäre Mikroplastik.

Mikroplastik bereitet durch seine grundlegenden Eigenschaften besondere Probleme: Es ist sehr schwer abbaubar und wird sich deshalb in Meeren, im Boden und sogar in der Luft anreichern. Mikroplastik hat häufig eine ähnliche Größe wie Pollenkörner. Durch diese Leichtigkeit wird Mikroplastik über weite Strecken in der Atmosphäre transportiert.

Aufgesammelter Plastikmüll am Strand

Vom Alb Filter Team aufgesammelter Plastikmüll am Strand auf Mauritius (Pointe d'Esny). Kein noch so schöner Strand bleibt verschont.

Mikroplastik aus Europa findet man sowohl in der Arktis als auch in den Alpen. Insbesondere der Schnee wäscht das Mikroplastik aus, so dass es praktisch in allen Polarregionen vorkommt. Auch in der Tiefsee findet man Mikroplastik. Bei Meereslebewesen führt das zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen.

Warum ist Mikroplastik so gefährlich?

Mikroplastikpartikel werden von Tieren aufgenommen und führen bei diesen zu mechanischen Verletzungen (zum Beispiel im Darm und Magen), zu Gewebeveränderungen und Vergiftungserscheinungen. Über die Tiere gelangt das Mikroplastik außerdem in die Nahrungskette und somit auch in die Nahrung der Menschen. Gegenwärtig wird intensiv nach den Folgen für Mensch, Tier und Umwelt geforscht, da man erst einige Effekte nachweisen kann, aber noch eine Vielzahl weiterer Wirkungsmöglichkeiten vermutet. Gewarnt ist man durch andere Schadstoffe wie Asbest, deren Gefährlichkeit auch erst im Laufe der Zeit erkannt wurde.

Kreislauf des Mikroplastiks

Gerade deshalb bereitet das Vorhandensein von Mikroplastik in der Luft Sorgen: Studien zeigen, dass die Partikel zu einem nicht unwesentlichen Anteil über die Atemwege aufgenommen werden. Da es ähnlich wie Feinstaub beschaffen ist, sind Erkrankungen von Lunge, Herz und Kreislauf sowie Krebsleiden zu befürchten.

Ein großes Problem ist vor allem die Schädigung der Umwelt durch Anreicherung mit Plastik und Mikroplastik, da diese zum Beispiel auch den Klimawandel verstärkt. Mikroplastik trägt zum Eintrag des sehr wirksamen Treibhausgases Methan bei. Eine kranke Umwelt hat Rückwirkungen auf den Menschen. In diesem Zusammenhang spielt auch das Mikroplastik im Wasser eine Rolle. 

Wie gelangt Mikroplastik ins Wasser?

Die Wege, wie Mikroplastik ins Wasser und auch ins Leitungswasser gelangt, sind noch nicht vollständig erforscht. Praktisch jeder Privathaushalt trägt aber zur Verbreitung von Mikroplastik bei. Bei jeder Reinigung eines Pullovers, der Anteile von Polyester enthält, wird Mikroplastik ausgespült. Durch den täglichen Abrieb von Autoreifen gelangen – insbesondere nach Regenfällen – ebenfalls enorme Mengen von Mikroplastik ins Wasser. Derzeit werden Abwässer nur ungenügend von Mikroplastik gefiltert.

Durch Klärschlamm, der in der Landwirtschaft auf Felder ausgebracht wird, gelangt das Mikroplastik wieder in den Wasserkreislauf, wie Martin Wagner von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim herausfand.2 Eine bedeutsame Rolle spielt aber auch das Mikroplastik, das über Umwege ins Wasser gelangt. Oft geraten die Partikel zunächst durch Abriebprozesse in die Atmosphäre und später durch Regen und Schnee ins Wasser. 

Autoreifen der Mikroplastik verursacht

Autoreifenabrieb ist mitunter hauptverantwortlich für die Entstehung von sekundärem Mikroplastik

Wieviel Mikroplastik befindet sich im Wasser?

Eine großangelegte Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) von 2014 ergab, dass sich in einem Kubikmeter Wasser zwischen 86 und 714 Mikroplastikpartikel befanden. Fast alle deutschen Kläranlagen sind mit Mikroplastik hoffnungslos überfordert. Je nach Anlagengröße würden zwischen 93 Millionen und 8,2 Millliarden Partikel Mikroplastik in unsere Flüsse gelangen. (Ingenieur.de).

Befindet sich Mikroplastik in unserem Trinkwasser?

Ja, eine Untersuchung der University of Minnesota in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Journalistennetzwerk Orb Media analysierte 159 Trinkwasserproben weltweit. 80 Prozent der Wasserproben enthielten Mikroplastik, wobei der Anteil in Deutschland erheblich geringer ist als in anderen Ländern. In einem Liter Wasser schwammen zweieinhalb Partikel in Proben aus Hamburg und Dortmund. Weitere repräsentative Untersuchungen sind dringend erforderlich.

Welche Folgen für die Gesundheit gehen von Mikroplastik im Wasser aus?

Zu dieser Frage hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2019 Stellung bezogen und dafür die Ergebnisse von 50 neueren Studien zusammengetragen. Für wissenschaftliche Standards ist dies eher eine dünne Grundlage. Aus diesem Grund ist das Fazit der WHO, dass „basierend auf den begrenzt verfügbaren Informationen Mikroplastik im Trinkwasser auf dem jetzigen Niveau kein Gesundheitsrisiko darstelle“ (WHO-Expertin Maria Neira) sehr fragwürdig und von vorläufiger Natur.

Zwar geht man davon aus, dass großes Mikroplastik vom Menschen mit der Verdauung ausgeschieden werde, aber Teilchen, die kleiner als 1 Mikrometer sind, könnten in Zellen eindringen. Das kann dann zu entzündlichen Prozessen führen, sagt Professor Werner Kloas vom Leibnitz Institut für Wasserökologie und Binnenfischerei Berlin.3

Mikroplastik als Transportmittel für Keime und Umweltgifte

Mikroplastik als Transportmittel für Keime und Umweltgifte

Sehr wahrscheinlich ist außerdem, dass über Mikroplastik auch andere Schadstoffe zunehmend verbreitet werden. Das liegt an der sogenannten „hydrophoben Eigenschaft der Kunststoffmoleküle“: Umweltgifte wie Dioxin können sich am unpolaren Mikroplastik ebenso anlagern wie Bakterien, die einen Biofilm auf Mikroplastik bilden können und dann weitere Bakterien anziehen. Eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) hat bereits bewiesen, dass „Krankheitserreger Mikroplastik als Transportmittel“ nutzen.4 Diesen Sachverhalt will die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit weiter aufklären, insbesondere die Frage, ob auch krebserregende aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) mit den Mikroplastikpartikeln transportiert werden. Auch die WHO kündigte weitere Forschungen an.5

Sowohl das Bundesinstitut für Risikobewertung als auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit fordern mehr Daten, um in Zukunft einen Grenzwert für Mikroplastik festlegen zu können.6

Was kann man als Einzelner gegen Mikroplastik tun?

Selbstverständlich trägt ein nachhaltigeres Konsumverhalten zur Reduzierung von Plastik bei. So leicht lässt sich aber das allgegenwärtige Plastik nicht vermeiden. Hilfreich ist beispielsweise der Kauf höherwertigerer Kleidung mit teurer hergestellten Polymeren, bei denen weniger Weichmacher eingesetzt werden. Bei Getränken sollte man auf Glasflaschen statt auf Plastik achten. Eine besondere Rolle hat die Kosmetik mit ihren Primärmikroplastikpartikeln. Hier können Verbraucher darauf achten, dass die gewählten Artikel keine Peeling-Kügelchen enthalten.

Insgesamt rät das Verbrauchermagazin Test zu folgenden Maßnahmen:

  • Seltener Autofahren
  • Plastik fachgerecht entsorgen
  • Kosmetika mit Mikroplastik vermeiden; siehe dazu Bund-Einkaufratgeber (7)
  • Höherwertige Kleidung kaufen 
  • Möglichst kurz und kalt waschen
  • Unverpackt Läden bevorzugen; siehe dazu Zerowastemap (8)

Welche Techniken gibt es, um Mikroplastik aus dem Wasser zu filtern?

Wasserfilter können Mikroplastik effektiv aus dem Wasser entfernen. Es gibt verschiedene Wege, das Mikroplastik aus dem Trinkwasser zu holen. Dabei muss man jedoch zwischen der Größe und Beschaffenheit des Mikroplastiks differenzieren und unterscheiden, wo und wie gefiltert wird.

Erfahren Sie mehr in unserem weiterführenden Artikel, wie Mikroplastik aus dem Wasser gefiltert werden kann ...weiterlesen.

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Quellenangaben

  • Sciencemag: "Production, use, and fate of all plastics ever made" WWW: https://advances.sciencemag.org/content/3/7/e1700782.full (19.07.2017)
  • Spiegel: "Wie gefährlich ist Mikroplastik in Trinkwasser?" WWW: https://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/mikroplastik-in-trinkwasser-wie-gefaehrlich-ist-das-who-legt-bericht-vor-a-1283051.html (22.08.2019)
  • IGB-Berlin: "Unterschätzte Gefahr: Mikroplastik auf dem Trockenen" WWW: https://www.igb-berlin.de/news/unterschaetzte-gefahr-mikroplastik-auf-dem-trockenen (05.02.2018)
  • Helmholtz: "Warum ist Mikroplastik schädlich?" WWW: https://www.helmholtz.de/erde_und_umwelt/warum-ist-mikroplastik-schaedlich (16.11.2018)
  • Test.de: https://www.test.de/Mikroplastik-Wie-gefaehrlich-sind-die-winzigen-Kunststoffteilchen-4817845-0/
  • SWR: https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/broadcastcontrib-swr-7460.html
  • Bund: https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meere/meere_mikroplastik_einkaufsfuehrer.pdf
  • Zerowaste Map: https://zerowastemap.org