Asbest: Gefährlich und noch immer gegenwärtig

Wasserleitungen aus Asbestbeton – eine echte Gefahr?

Todesfälle nach über 40 Jahren und schwere Berufskrankheiten: Der früher gepriesene Werkstoff Asbest ist seit Jahren verboten und hat trotzdem nichts von seinem Schrecken verloren. Noch immer kommt er in der Umwelt vor. Und immer wieder geraten auch alte Trinkwasserleitungen aus Asbestzement in die Schlagzeilen. Ein Hauptproblem ist die Entsorgung alter Leitungen, die nur von Spezialisten ausgeführt werden kann. Wie sieht es aber mit Leitungen aus, die seit Jahrzehnten in Betrieb sind und weiter genutzt werden?

Was ist Asbest?

Asbest ist eine Sammelbezeichnung. Der hitze- und säurebeständige Mineralstoff umfasst sechs verschiedene, faserförmige Silikat-Minerale, die in der Natur im Gestein vorkommen. Vom Menschen wurden sie für Baustoffe, unter anderem Asbestzement, verwendet. Typisch für diesen Stoff sind die winzigen Fasern, die sich über sehr lange Zeit im menschlichen Körper festsetzen können.

Seit dem letzten Jahrhundert weiß man um die hohe Gefährlichkeit von Asbest, doch erst seit 2005 ist dieser Stoff verboten. Er muss unter strengen Arbeitsschutzvorschriften entsorgt werden. Bis 2035 soll Asbest in der EU komplett entfernt sein.

Asbest auf einer Müllhalde unfachmännisch entsorgt

Unfachmännische Entsorgung von Asbest

Warum ist Asbest gefährlich?

Bereits im Jahr 1900 wurde die sogenannte Lungenasbestose, eine tödlich verlaufende Lungenverhärtung , nachgewiesen. Ursache dafür ist das Einatmen feiner Astbestfasern, die über Jahre in der Lunge verbleiben. Die Reizung des Lungengewebes führt zu dessen Verhärtung und gefährdet die Lungenfunktion. Asbest löst zudem Krebs aus. Bestimmte Asbestfasern, wie Krokydolith, gelten sogar als extrem karzinogen. Damit geht von ihnen eine enorme Gesundheitsgefahr aus.

Asbest Fasern in der Nahaufnahme

Asbestfasern bei näherer Betrachtung

Vier durch Asbest verursachte Krankheiten sind anerkannte Berufskrankheiten: Lungenasbestose, Pleuraasbestose, Lungenkrebs und sogenannte Mesotheliome. Dabei handelt es sich um Tumore im Rippen- und Bauchfell, die bereits durch kurze Asbesteinwirkung entstehen können und kaum Überlebenschancen bieten. Asbest steht auch im Verdacht, weitere Krebsarten auszulösen. Aus diesem Grund wird diskutiert, ob die Aufnahme von Asbestfasern durch Trinken oder Essen womöglich Krebs auslösen kann. Diese Frage ist nicht eindeutig geklärt.1

Wie und wo wurde Asbest bei Wasserleitungen verwendet?

Vor allem in den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Asbestzement für die Verlegung von Trinkwasserrohren verwendet. Geschätzt kamen 30.000 km Trinkwasserrohre aus Asbest zum Einsatz, vor allem in Schleswig-Holstein. Heute darf dieses Material nicht mehr verwendet werden.

Welche möglichen Gefahren gibt es?

Um die Frage, ob von Trinkwasserrohren aus Asbestzement aktuelle Gesundheitsgefahren ausgehen, wird immer wieder gestritten. Für eine Gefährdung spricht, dass durch mechanische Wasserberührung und durch gelöste Salze und Säure in weichem Wasser Zement gelöst werden kann.

Dadurch könnten größere Mengen von Asbestfasern das Trinkwasser kontaminieren. Basis dieser Annahme ist eine Trinkwasseruntersuchung durch das Fraunhoferinstitut von 1983, die bis zu 1,57 Millionen frei gelöste Asbestfasern pro Liter im Trinkwasser nachgewiesen hatte (umweltanalytic.com).

Tatsächlich hatte die Studie Folgen: Das Bundesgesundheitsamt entwickelte eine Methode zur Vermeidung von Asbestfasern im Trinkwasser, die von der obersten Umweltbehörde der USA als “best available technique” vorgeschlagen wurde. 2

Asbest welches sich in den Atemwegen abgesetzt hat

Asbest kann sich in den Atemwegen absetzen, ist aber auch beim Herunterschlucken nicht ungefährlich

Zweifel bleiben dennoch. Bis heute ist unklar, ob oral aufgenommene Asbestfasern genauso gefährlich sind wie eingeatmete. Es ist strittig, ob die Asbestfasern vom Magen- und Darmtrakt ausgeschieden werden oder ob sie im Körper wandern. 3

In jedem Fall ist aber die Neuverlegung von Asbestzementrohren seit dem 01. Januar 1995 verboten. Ältere Leitungen dürfen weiter betrieben werden. 4

Bis heute sind die WHO und das Bundesgesundheitsamt der Auffassung, dass der Betrieb von Asbestzementrohren kein Risiko darstellt, wenn das “transportierte Wasser der Trinkwasserverordnung entspricht”. Deshalb darf Wasser nicht zu “weich” sein.

Die Trinkwasserverordnung fordert, dass der pH-Wert des Wassers am Wasserwerksausgang einen Wert größer 7,7 aufweist. Ein möglichst hoher pH-Wert soll die Kalklöslichkeit (Calcitlösekapazität) so gering wie möglich halten. So vertraut man darauf, das Risiko der Freisetzung von Asbestfasern zu minimieren. 4

Im Unterschied zu Deutschland gibt es in den USA durch die Umweltbehörde EPA festgeschriebene Grenzwerte für Asbest im Wasser, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.  

Gefahr beim Duschen

Sollte es tatsächlich eine Konzentration von Asbestfasern im Wasser geben, könnte eine Gefahr auch durch das Einatmen von Asbestfasern bestehen: Die amerikanische Umweltbehörde (EPA) stuft das Duschen mit asbestbelastetem Wasser als stark gesundheitsschädigend ein. Asbestfasern könnten in der Raumluft schweben (Quelle: umweltanalytic.com).

Vorsicht bei verstopften Abflüssen!

Kritisch kann es werden, wenn im häuslichen Bereich Leitungen aus Asbestzement verwendet wurden. Sollte es hier zu Schäden kommen, zum Beispiel durch ein verstopftes Abflussrohr, muss unbedingt eine Spezialfirma beauftragt werden. Diese kennt sich für den Fall, dass Rohre geschnitten werden müssen, mit den strengen Arbeitsschutzvorschriften einer Asbestsanierung aus. 6

Wo finde ich Hilfe?

Über das Vorhandensein von Wasserleitungen aus Asbestzement kann der örtliche Wasserversorger Auskunft geben. Wenn Immobilieneigentümer oder Betriebe sich genauer über den Umgang mit dem Gefahrstoff Asbestzement in Trinkwasserleitungen informieren wollen, finden Sie Hilfe beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (dvgw), der Empfehlungen zum Umgang mit Trinkwasserrohren aus Asbestzement in einem Merkblatt 2011 zusammengestellt hat.

Was schützt vor Asbest?

Asbestfasern im Trinkwasser können durch Nanofiltration zurückgehalten werden. Aktivkohlefilter schützen ebenfalls vor möglichen Asbestfasern im Wasser. In Gebieten, in denen es ältere Trinkwasserleitungen aus Asbestzement gibt, kann daher der Einsatz eines Aktivkohlefilters sinnvoll sein. Auch Umkehrosmose kann zum Entfernen von Asbestfasern eingesetzt werden.

Fazit

Asbest in Zementrohren gilt als weitgehend unbedenklich, solange die Rohre intakt sind und nicht durch mechanische Einflüsse oder kalklösendes Wasser zersetzt werden. Über die Gefährlichkeit von Asbestfasern im Wasser herrschen unterschiedliche Meinungen. Filtration, zum Beispiel durch Aktivkohlefilter, kann Asbestfasern aus dem Wasser entfernen.

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Quellenangaben

  • Endbericht zum Forschungsvorhaben Umgang mit Asbestzementrohren, IKT Institut für Unterirdische Infrastruktur, https://www.ikt.de/website/down/f0078langbericht.pdf
  • Deutscher Bundestag, Drucksache http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/11/056/1105604.pdf
  • Der Spiegel, 1989, https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13495344.html
  • lfu Bayern, https://www.lfu.bayern.de/wasser/merkblattsammlung/teil1_grundwasserwirtschaft/doc/nr_187.pdf
  • Deutsche Welle, https://www.dw.com/de/asbest-krebsgefahr-kann-in-jeder-wand-lauern/a-45484320