Silberionen im Wassertank: was ein Silbernetz leistet und was nicht
Silber wirkt gegen Bakterien erst nach Stunden und gegen Biofilm gar nicht. Was ein Silbernetz im Wassertank leistet und was die Verordnung dazu sagt.
Silbernetze werben im Campinghandel mit keimfreiem Wasser über 6 Monate. Am häufigsten wird dazu nach der Gesundheit gefragt. Die Antwort auf die Gesundheitsfrage fällt kurz aus und führt weiter zur Frage nach der Wirkung.
Sind Silberionen im Trinkwasser gesundheitsschädlich?
In den Mengen aus einem Wassertank sind sie unbedenklich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt eine lebenslange orale Aufnahme von rund 10 Gramm Silber als Menge ohne beobachtete schädliche Wirkung. Trinkwasser trägt zu den 10 Gramm nur einen Bruchteil bei.
Die Rechnung dazu ist einfach. Die frühere deutsche Höchstmenge für Silber zur Wasserkonservierung lag bei 0,08 mg/l. Wer davon täglich 2 Liter trinkt, nimmt 0,16 mg am Tag auf. Angenommen, jemand reist 30 Tage im Jahr und trinkt dabei ausschließlich Tankwasser. Das ergibt 4,8 mg jährlich und über 50 Campingjahre rund 0,24 Gramm. Erreicht sind damit 2,4 % der WHO-Menge.
Damit ist die meistgestellte Frage beantwortet. Die interessantere betrifft die Wirkung des Silbers, und dort fällt die Antwort unbequemer aus.
Was Silberionen sind und wie sie wirken sollen
Silberionen sind elektrisch geladene Silberatome mit der Formel Ag+, also Silber mit 1 fehlenden Elektron. Metallisches Silber selbst ist reaktionsträge. Erst wenn es unter oxidierenden Bedingungen Ionen abgibt, entsteht die antimikrobielle Wirkung, auf die sich alle Hersteller berufen.
Silberionen binden an Eiweiße in der Zellwand von Mikroorganismen und stören deren Stoffwechsel. Der Mechanismus ist seit über 100 Jahren bekannt und in der Medizin gut belegt, etwa bei Wundauflagen. Ein Stück Silber im Tank hält deshalb aber noch lange kein ganzes Wasservolumen keimfrei.
Der Unterschied liegt in 3 Größen: Konzentration, Kontaktzeit und Zielorganismus. Über alle 3 schweigen die Produktbeschreibungen im Campinghandel.
Silbernetz, Silberpad, Silberkugel: 4 Produktformen
Im Handel gibt es 4 gängige Formen, die alle nach demselben Prinzip arbeiten. Sie unterscheiden sich in Oberfläche und Handhabung, nicht im Wirkstoff.
- Silbernetz. Ein textiles Gewebe mit versilberten Fäden, das im Frischwassertank liegt. Angeboten wird es nach Tankvolumen gestaffelt, mit Herstellerangaben von meist 6 Monaten Standzeit.
- Silberpad. Eine flache Matte aus demselben Material, gedacht für Tanks ohne große Revisionsöffnung.
- Silberkugel. Ein Kugelelement aus Silber oder mit Silberauflage, das lose im Tank liegt.
- Silberschwamm. Ein poröser Körper, dessen Oberfläche größer ausfällt als bei einem Netz gleicher Masse.
Alle 4 geben Silber ungesteuert ab. Die abgegebene Menge hängt von Wassertemperatur, pH-Wert, Chloridgehalt und Alter des Produkts ab. Eine Freisetzungsrate in mg pro Liter und Tag veröffentlicht die Branche bislang für 0 Produkte. Erst eine solche Angabe würde die Konzentration im Tank berechenbar und prüfbar machen.
Wie schnell Silber Keime abtötet
Die WHO hat 2018 die Studienlage zu Silber als Trinkwasser-Desinfektionsmittel ausgewertet. Die Zahlen aus 3 der ausgewerteten Arbeiten zeigen, worum es geht.
| Studie | Konzentration | Kontaktzeit | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Hwang 2007 | 100 µg/l | 3 Stunden | 7 log10 gegen E. coli, 2,4 log10 gegen Legionellen |
| Huang 2008 | 80 µg/l | 12 Stunden | 5 log10 gegen Pseudomonas aeruginosa |
| Huang 2008 | 80 µg/l | 72 Stunden | 5 log10 gegen Acinetobacter baumannii |
| Silvestry-Rodriguez 2007 | 100 µg/l | 8 bis 9 Stunden bei 24 °C | über 6 log10 |
| Silvestry-Rodriguez 2007 | 100 µg/l | 24 Stunden bei 4 °C | 4,5 log10 |
2 Dinge fallen auf. Erstens braucht Silber Stunden bis Tage. Zweitens liegen die wirksamen Konzentrationen bei 80 bis 100 µg/l, also 0,08 bis 0,1 mg/l. Die WHO hält 0,1 mg/l für gesundheitlich tolerierbar, und die frühere deutsche Höchstmenge lag mit 0,08 mg/l noch darunter.
Anders gesagt: Die Konzentrationen, bei denen Silber in den Studien messbar wirkte, decken sich mit den Werten, die als Obergrenze gelten. Zwischen Wirkschwelle und Obergrenze liegt damit 0 Sicherheitsabstand.
Der Wirkungsbereich ist außerdem schmal. Von den 3 Klassen an Krankheitserregern erfasst Silber nach WHO-Auswertung im Wesentlichen nur die Bakterien, mit Reduktionen zwischen 1,6 und 7,6 log10. Für Viren und Protozoen bleibt die Datenlage bislang zu dünn. Die WHO-Mindestanforderung für Haushaltsgeräte verlangt Wirksamkeit gegen 2 von 3 Erregerklassen, und diese Hürde nimmt Silber damit nicht. 2 silberhaltige Produkte sind im WHO-Bewertungsschema durchgefallen.
Der Befund, der für den Wassertank zählt: Biofilm
1 Ergebnis aus derselben Auswertung wiegt für einen Wohnmobiltank schwerer als alle Abtötungsraten. Silvestry-Rodriguez und Kollegen prüften 2008, ob 100 µg/l Silber die Bildung von Biofilm im Verteilungssystem verhindern. Ergebnis: Silber war unwirksam, es gab keinen Unterschied zur unbehandelten Kontrolle.
Biofilm ist der Belag, der sich an Tankwänden, in Schläuchen und an Dichtungen bildet. Eine Schleimschicht schirmt die darin lebenden Keime ab. Ein Mittel, das nur das freie Wasser behandelt, erreicht diesen Belag nicht.
Ein Silbernetz wirkt damit auf das freie Wasser und lässt den Belag an der Wand unberührt. Wer nach 6 Monaten das Netz wechselt und den Tank nie reinigt, hat einen bewachsenen Tank mit versilbertem Wasser.
Zum selben Thema aus der häuslichen Perspektive: Bakterien im Leitungswasser.
Was die Trinkwasserverordnung zum Wohnmobil sagt
Die Verordnung erfasst den Wassertank im Wohnmobil ausdrücklich. § 2 Nummer 2 Buchstabe d der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) definiert mobile Wasserversorgungsanlagen als bewegliche Anlagen, aus denen Trinkwasser entnommen wird. Der Wortlaut nennt dabei ausdrücklich Anlagen an Bord von Land-, Wasser- und Luftfahrzeugen.
Ein Wohnmobil ist ein Landfahrzeug. Der Frischwassertank samt Pumpe und Leitungen ist damit eine Wasserversorgungsanlage im Sinne der Verordnung, ohne dass es auf eine gewerbliche Nutzung ankäme. Die Definition schließt die Trinkwasserinstallation an Bord ausdrücklich ein.
Die Verordnung erlaubt sogar ausdrücklich, Tankwasser zu desinfizieren. § 18 Nummer 4 nennt als zulässige Aufbereitungszwecke die Desinfektion bei der Verteilung in mobilen Anlagen und bei der Speicherung nicht erwärmten Trinkwassers in Behältern. Zur Debatte steht also weniger das Ob der Desinfektion als das Womit.
Darauf antwortet § 19. Absatz 2 verbietet, andere Stoffe als Aufbereitungsstoffe zuzusetzen. Absatz 3 lässt nur solche Aufbereitungsstoffe zu, die in der Liste nach § 20 stehen. Mehr zur Systematik der Verordnung: Trinkwasserverordnung 2023.
Die Liste des Umweltbundesamts
Silber steht in dieser Liste nicht. Die geltende Fassung ist die Bekanntmachung im Bundesanzeiger vom 13. Januar 2023 (BAnz AT 27.01.2023 B12) mit einer Berichtigung vom 17. Juli 2024, zuletzt bestätigt auf der Seite des Umweltbundesamts am 14. Januar 2026. Eine Volltextprüfung aller 27 Seiten ergibt für Silber 0 Treffer. Die einzigen Fundstellen betreffen Quecksilber als Reinheitsanforderung anderer Stoffe.
Geprüft wurden alle 5 Abschnitte der Liste:
- Teil I a führt Aufbereitungsstoffe als Lösungen und Gase, etwa Flockungsmittel.
- Teil I b führt Feststoffe wie Filtermedien.
- Teil I c führt Stoffe zur Desinfektion, angeführt von Calciumhypochlorit.
- Teil II führt 10 Desinfektionsverfahren, von der Chlordioxid-Dosierung bis zur Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (UV) im Bereich 240 bis 290 nm.
- Teil III führt Stoffe für Bundeswehr, Verteidigungsfall und Katastrophenlagen.
Teil III ist der aufschlussreichste. Dort stehen die Mittel für den Ernstfall, wenn die Wasserversorgung ernsthaft gefährdet ist. Aufgeführt sind Calciumhypochlorit und Natriumdichlorisocyanurat, also Chlorverbindungen. Silber fehlt auch dort.
Die Einleitung der Liste stellt außerdem klar, dass ihr Anwendungsbereich dem Anwendungsbereich der Trinkwasserverordnung entspricht. Zuständig für die Liste ist seit der Novelle das Umweltbundesamt, nicht mehr das Bundesministerium für Gesundheit.
Historisch war das anders. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nannte 2009 eine zugelassene Höchstmenge von 0,08 mg/l für Silber zur Konservierung gespeicherten Wassers in Kleinanlagen. Die WHO führte 0,08 mg/l im Jahr 2018 weiterhin als deutsche Regelung. In der heute geltenden Verordnung und in der Liste kommt Silber nicht mehr vor.
Europäisches Biozidrecht
Neben der Trinkwasserverordnung gilt die EU-Biozidverordnung (EU) Nr. 528/2012. Sie regelt, welche Wirkstoffe in Biozidprodukten überhaupt verwendet werden dürfen, unterteilt in 22 Produktarten. Trinkwasserdesinfektion ist Produktart 5.
Mit Durchführungsbeschluss 2014/227/EU vom 24. April 2014 hat die Kommission Silberchlorid für die Produktarten 3, 4, 5 und 13 nicht genehmigt. Die Begründung im Beschluss ist bemerkenswert: Die Teilnehmer hatten ihre Beteiligung am Prüfprogramm beendet oder keine vollständigen Unterlagen eingereicht.
Festgestellt wurde damit keine Schädlichkeit, sondern eine Nichtgenehmigung mangels Nachweis. Wer Silberchlorid am Markt halten wollte, hätte Wirksamkeit und Unbedenklichkeit belegen müssen und verzichtete darauf.
Elementares Silber ist davon zu trennen. Die Delegierte Verordnung (EU) Nr. 1062/2014 führt es in ihrem Prüfprogramm unter Nummer 401, unter anderem für Produktart 5. Bewertender Mitgliedstaat ist Schweden. Die Nichtgenehmigung von 2014 betrifft ausdrücklich Silberchlorid, nicht das Metall selbst.
Gilt das auch für private Camper?
Ja, jedenfalls was die Aufbereitungsregel angeht. Paragraf 19 Absatz 3 TrinkwV kennt keine Ausnahme für den Eigengebrauch. Die Norm richtet sich an die Aufbereitung als solche, nicht an einen bestimmten Personenkreis. Betreiber der Anlage ist dabei, wer über den Tank verfügt, im Privatfall also der Halter des Fahrzeugs.
Was zwischen privat und gewerblich unterscheidet, sind 4 andere Pflichten:
- Anzeigepflicht nach § 11 Absatz 2, nur bei gewerblicher oder öffentlicher Bereitstellung.
- Aufzeichnungspflicht nach § 25 für verwendete Aufbereitungsstoffe, ebenfalls nur dann.
- Untersuchungspflicht nach § 29 Absatz 2, mindestens jährlich auf Escherichia coli, intestinale Enterokokken, Clostridium perfringens, coliforme Bakterien und Koloniezahl.
- Überwachung durch das Gesundheitsamt nach § 54.
Wer sein Wohnmobil vermietet, ist von allen 4 betroffen. Wer privat reist, von keiner. Was privat fehlt, ist also die Kontrolle, nicht die Norm.
Praktisch heißt das: Es kommt niemand vorbei und prüft das Netz im Tank. Ein Anspruch darauf, dass das Verfahren geeignet ist, folgt daraus nicht.
Eine Zahl aus Anlage 3 der Verordnung rundet das Bild ab. Beim Untersuchungsverfahren nach § 43 Absatz 3 gilt für die Koloniezahl bei 22 °C ein Grenzwert von 100 pro ml. Gemessen wird an der Entnahmestelle des Verbrauchers. Für Wasserspeicher von mobilen Wasserversorgungsanlagen nennt dieselbe Anlage 1.000 pro ml, also das 10-Fache. Der Verordnungsgeber rechnet damit, dass ein Tank an Bord die Werte eines Wasserwerks verfehlt.
Argyrie: ab welcher Menge sich die Haut verfärbt
Argyrie ist die am besten dokumentierte Folge übermäßiger Silberaufnahme beim Menschen. Sie äußert sich als irreversible grau-blaue Verfärbung von Haut und Schleimhäuten und gilt als kosmetisch, nicht als organschädigend. Weitere Wirkungen sind in den vorliegenden Humanstudien nicht in nennenswertem Umfang beschrieben.
Die WHO leitete ihre 10-Gramm-Menge 1993 aus epidemiologischen und pharmakokinetischen Daten ab und hat sie seither nicht revidiert. Der Fachbegriff dafür lautet No Observed Adverse Effect Level (NOAEL), also die höchste Dosis ohne beobachtete schädliche Wirkung. Ein gesundheitsbasierter Richtwert für Silber existiert in den WHO-Leitlinien bis heute nicht, weil die Datenlage zur Toxizität beim Menschen dünn bleibt.
Beim Wert von 0,1 mg/l steht eine Verwechslung, die durch fast alle Ratgeber läuft. Nach ausdrücklicher Darstellung der WHO handelt es sich um ein health advisory und nicht um einen Richtwert. Die WHO merkt an, dass die Unterscheidung zwischen Empfehlung und Richtwert selten gewürdigt wird. Der Wert werde oft fälschlich als Grenzwert oder erlaubte Menge zitiert.
Nanosilber bewertet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gesondert. Es empfahl Herstellern 2009, auf nanoskaliges Silber in Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs zu verzichten, bis eine abschließende Risikobewertung möglich ist. Dieselbe Stellungnahme hält den Einsatz von Silber als Oberflächenbiozid für verzichtbar, weil dadurch kein Nutzen über die üblichen Hygienemaßnahmen hinaus erreicht wird.
Chlor-Silber-Tabletten im Vergleich
Präparate wie Micropur Forte kombinieren nach Herstellerangabe 2 Wirkstoffe: Chlor für die schnelle Abtötung und Silber für die Konservierung danach. Die Aufgabenteilung zwischen beiden Stoffen erklärt, warum Silber in solchen Präparaten eine Rolle spielt.
Chlor steht als Desinfektionsmittel in Teil I c und Teil II der Liste und ist im Gegensatz zu Silber für die Trinkwasserdesinfektion zugelassen. Es zehrt allerdings ab und schützt nicht über Wochen. Silber wirkt langsam, bleibt dafür im Wasser. In der Kombination übernimmt jeder Stoff die Aufgabe, für die er taugt.
Der rechtliche Befund bleibt trotzdem derselbe. Natriumdichlorisocyanurat steht in Teil III der Liste des Umweltbundesamts mit einer maximal zulässigen Zugabe von 26 mg/l freiem Chlor. Der Silberanteil solcher Tabletten steht dort nicht.
Was Chlor im Trinkwasser leistet und wo seine Grenzen liegen, steht unter Chlor im Trinkwasser.
Wasserkonservierung ohne Silber: 6 Schritte
Wasserkonservierung ist der Branchenbegriff für alles, was Wasser im Tank haltbar halten soll. Ohne Chemie funktioniert das über 6 Schritte, die alle an der Ursache ansetzen statt am Symptom.
- Wasser umschlagen statt lagern.
Ein Tank, der auf der Reise regelmäßig leergefahren und neu befüllt wird, kommt ohne Konservierung aus. Die Standzeit ist die entscheidende Größe, und eine allgemeingültige Zahl dafür gibt es nicht: Sie hängt von Temperatur, Tankzustand und Ausgangswasser ab. - Vor der Abreise leer fahren.
Restwasser über Wochen im warmen Fahrzeug ist der Ausgangspunkt fast jeder Verkeimung. Tank und Leitungen komplett entleeren, auch den Boiler. - Tankreinigung mechanisch angehen.
Biofilm löst sich durch Spülen allein nicht. Wo eine Revisionsöffnung vorhanden ist, gehört eine Bürste hinein. Stagnation ist der Treiber. Wasser, das über Wochen steht, baut den Belag auf. Ein Netz erreicht ihn danach nicht mehr. - Wasserschlauch und Anschluss sauber halten.
Der Befüllschlauch liegt oft auf dem Boden und wandert danach in den Tank. Ein eigener, verschlossen gelagerter Trinkwasserschlauch bringt mehr als jedes Netz, im Wohnmobil wie im Wohnwagen. - Tank kühl und dunkel halten.
Licht und Wärme fördern Wachstum. Für Kaltwasser in Gebäuden nennt DIN 1988-200 eine Marke von 25 °C. Auf einen Tank im Fahrzeug lässt sich die Norm zwar nicht anwenden, als Orientierung taugt der Wert trotzdem. Mehr dazu unter Temperatur von Leitungswasser. - Gutes Wasser tanken. Die Trinkwasserqualität am Zapfhahn entscheidet über den Ausgangspunkt. Worauf unterwegs zu achten ist: Wasser tanken mit dem Wohnmobil.
Laufende Kosten entstehen bei keinem der 6 Schritte. Zusammen ersetzen sie das, was ein Silbernetz verspricht, aber nicht hält.
Was ein Wasserfilter leistet und was nicht
Ein Filter am Auslass löst ein anderes Problem als ein Netz im Tank. Er wirkt an der Stelle, an der das Wasser entnommen wird, und nicht im gelagerten Volumen. 3 Punkte gehören zur ehrlichen Antwort.
Erstens: Ein Aktivkohlefilter entfernt Chlor, Geruch und organische Stoffe, aber er ist keine Keimsperre. Aktivkohle kann selbst verkeimen, weshalb das Wechselintervall keine Empfehlung, sondern eine Bedingung ist. Mehr dazu: Aktivkohlefilter für Wasser.
Zweitens: Für Keime braucht es einen Keimfilter mit Membran. Die Nano Filterkartusche von Alb Filter arbeitet mit einer Hohlfasermembran, deren Porengröße der Hersteller mit 0,1 Mikrometer (µm) angibt. Der Wechsel erfolgt spätestens nach 6 Monaten.
Drittens: Auch eine Membran entfernt keine gelösten Ionen. Wer Silber im Tank hat, filtert es am Auslass nicht wieder heraus. Wie sich die Verfahren unterscheiden, steht unter Filtrationstechnologien im Vergleich.
Der praktische Aufbau im Wohnmobil trennt deshalb 2 Stufen: einen Filter beim Befüllen und eine Keimsperre vor der Entnahme. Eine Übersicht über die Varianten gibt Wasseraufbereitung im Wohnmobil.
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Hochleistungs-Aktivkohlefilter aus Edelstahl für die Betankung von außen. Filtert zuverlässig beim Befüllen des Tanks – für sauberes Wasser ohne Silber, ab dem ersten Liter.
Häufige Fragen
Sind Silberionen im Wassertank schädlich?
Bei den Mengen, die aus einem Silbernetz ins Wasser gelangen, ist keine gesundheitliche Wirkung zu erwarten. Die WHO nennt rund 10 Gramm als lebenslange Menge ohne beobachtete schädliche Wirkung. Bei 0,08 mg/l, 2 Litern am Tag und 30 Reisetagen im Jahr werden über 50 Jahre etwa 0,24 Gramm erreicht.
Ist ein Silbernetz im Wassertank verboten?
Die Trinkwasserverordnung lässt in § 19 Absatz 3 nur Aufbereitungsstoffe aus der Liste des Umweltbundesamts zu, und Silber steht dort nicht. Kontrolliert wird das bei privater Nutzung nicht, weil die Anzeige-, Aufzeichnungs- und Untersuchungspflichten eine gewerbliche oder öffentliche Tätigkeit voraussetzen.
Wie lange hält Wasser im Tank mit Silbernetz?
Hersteller nennen meist 6 Monate. Gemeint ist damit die Standzeit des Produkts, nicht die Haltbarkeit des Wassers. Nach der Studienlage der WHO wirkt Silber gegen einen Teil der Bakterien und gegen Biofilm gar nicht. Aus der Produktangabe folgt deshalb 0 Aussage über die Wasserqualität.
Wirkt Silber gegen Viren?
Für Viren und Protozoen reichen die vorliegenden Daten laut WHO nicht aus. Belegt sind Reduktionen im Wesentlichen gegen Bakterien, mit 1,6 bis 7,6 log10 und langen Kontaktzeiten.
Wie schnell wirken Silberionen?
Nach den von der WHO ausgewerteten Studien in Stunden bis Tagen. Bei 100 µg/l und 24 °C waren nach 8 bis 9 Stunden über 6 log10 erreicht. Bei 4 °C dauerte es 24 Stunden für 4,5 log10. Die WHO nennt diese langen Kontaktzeiten als einen der Gründe gegen Silber.
Kann man Silberionen aus dem Wasser filtern?
Gelöstes Silber halten Aktivkohle und Hohlfasermembranen nicht zurück. Membranen mit 0,1 µm trennen Partikel, keine Ionen. Umkehrosmose arbeitet auf Ionenebene, braucht dafür aber Betriebsdruck und erzeugt Konzentrat, was den Einsatz im Wohnmobil aufwendig macht.
Was ist der Unterschied zwischen Silbernetz und Silberpad?
Nur Bauform und Oberfläche. Beide bestehen aus versilbertem Gewebe und geben Silberionen ans Wasser ab. Die abgegebene Menge hängt von Temperatur, pH-Wert und Chloridgehalt ab und wird von keinem Hersteller als Rate angegeben.
Warum wird Silber trotzdem verkauft?
Die Trinkwasserverordnung regelt die Aufbereitung von Wasser, nicht den Verkauf von Produkten. Ein Silbernetz im Regal fällt deshalb nicht unter § 19, sein Einsatz im Tank dagegen schon. Der Vertrieb richtet sich nach dem Biozidrecht, das elementares Silber unter Nummer 401 seines Prüfprogramms führt.
Hilft Silber gegen Legionellen?
In Warmwassersystemen von Krankenhäusern wird Kupfer-Silber-Ionisierung gegen Legionellen eingesetzt, dort mit dauerhafter Dosierung und Überwachung. Die WHO nennt das wirksam und weist zugleich darauf hin, dass solches Warmwasser nicht als Trinkwasser gilt und die langen Verweilzeiten dem Verfahren entgegenkommen. Im Kaltwassertank eines Wohnmobils fehlen diese Voraussetzungen. Was gegen Legionellen hilft, steht unter Legionellenfilter.
Was ist Silberjodid?
Silberjodid hat mit Wasserkonservierung nichts zu tun. Es wird zur Wolkenimpfung eingesetzt, wo es in der Atmosphäre als Eiskeim wirkt und Niederschlag auslösen soll.
Quellen
- Trinkwasserverordnung vom 20. Juni 2023 (BGBl. 2023 I Nr. 159), §§ 2, 18, 19, 20, 22, 29, Anlage 3
- Umweltbundesamt: Bekanntmachung der Liste zulässiger Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 20 der Trinkwasserverordnung, BAnz AT 27.01.2023 B12, mit Berichtigung BAnz AT 27.08.2024 B7
- Weltgesundheitsorganisation: Alternative drinking-water disinfectants: bromine, iodine and silver. Genf 2018
- Durchführungsbeschluss 2014/227/EU der Kommission vom 24. April 2014 über die Nichtgenehmigung bestimmter biozider Wirkstoffe
- Verordnung (EU) Nr. 528/2012 über die Bereitstellung auf dem Markt und die Verwendung von Biozidprodukten
- Delegierte Verordnung (EU) Nr. 1062/2014 der Kommission über das Arbeitsprogramm zur systematischen Prüfung biozider Wirkstoffe, Anhang II Nummer 401
- Bundesinstitut für Risikobewertung: BfR rät von Nanosilber in Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs ab. Stellungnahme Nr. 024/2010 vom 28. Dezember 2009
- Alb Filter: Bedienungsanleitungen Mobil, Travel, Element und Fusion, Version 1.4