Header-Bild zum Ratgeber Bakterien im Leitungswasser: Legionellen, E. coli und Enterokokken sowie Filter, die Keime zurückhalten.
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Bakterien im Trinkwasser: Arten, Symptome und Grenzwerte

Legionellen, E. coli und Enterokokken im Trinkwasser: welche Symptome sie auslösen, welche Grenzwerte gelten und welcher Filter Bakterien zurückhält.

Bakterien im Trinkwasser sind in Deutschland die Ausnahme, aber keine Seltenheit. Legionellen, E. coli, coliforme Bakterien, Enterokokken und Pseudomonas aeruginosa weist man regelmäßig im Leitungswasser nach. Für die wichtigsten dieser Erreger erlaubt die Trinkwasserverordnung 0 Kolonien je 100 Milliliter. Ob eine Belastung krank macht, hängt von drei Faktoren ab: der Erregerart, der Menge und dem Immunsystem.

Keime und Bakterien im Trinkwasser: Für Legionellen, E. coli und weitere Erreger gilt laut Trinkwasserverordnung ein Grenzwert von 0 Kolonien je 100 ml.

Was ist der Unterschied zwischen Keimen und Bakterien?

Keime sind der Oberbegriff, Bakterien eine Untergruppe davon. Ein Keim ist jeder Mikroorganismus, der krank macht: Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Jedes krankmachende Bakterium ist damit ein Keim. Umgekehrt ist längst nicht jeder Keim ein Bakterium.

Keime sind winzig klein und in der Natur weit verbreitet. Sie leben auf Flächen und in Lebewesen, also in Menschen, Tieren und Pflanzen. Die meisten Keime schaden dem Menschen überhaupt nicht. Manche helfen sogar bei der Verdauung. Andere lösen Krankheiten aus, etwa Grippe oder Magen-Darm-Infekte.

Bakterien unterscheiden sich von den anderen Keimgruppen durch ihren Bau. Ein Bakterium ist eine eigene Zelle und vermehrt sich selbst. Ein Virus braucht dafür eine fremde Wirtszelle. Für die Wasserhygiene zählt vor allem die Größe. Eine Membran mit 0,1 Mikrometer Porengröße hält Bakterien mechanisch zurück. Viren sind deutlich kleiner.

Im Wasser spielen alle vier Keimgruppen eine Rolle. Bakterien bilden dabei die mit Abstand größte Gruppe. Deshalb stehen sie im Zentrum der Trinkwasserverordnung.

Welche Symptome lösen Bakterien im Trinkwasser aus?

Bakterien im Trinkwasser lösen meist Magen-Darm-Beschwerden aus. Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen sind die vier häufigsten Symptome. Legionellen bilden die Ausnahme. Sie greifen die Lunge an, denn ihr Weg führt über die Atemluft statt über das Trinken.

Erreger im Wasser werden also auf zwei Wegen gefährlich. Meist infiziert man sich durch das Trinken, etwa bei E. coli, coliformen Bakterien oder Pseudomonas aeruginosa. Legionellen dagegen reisen im Wasserdampf, zum Beispiel in der Dusche.

Frau mit Bauchschmerzen: Bakterien im Trinkwasser lösen meist Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Erbrechen und Übelkeit aus.
ErregerÜbertragungswegTypische Symptome
LegionellenEinatmen von AerosolenPontiac-Fieber (grippeähnlich), Legionärskrankheit (schwere Lungenentzündung)
E. coli und coliforme BakterienTrinkenDurchfall, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, in schweren Fällen Nierenversagen
EnterokokkenTrinkenHarnwegsinfekte, Blasenentzündung, Eileiterentzündung, Wundinfektionen, Abszesse
Pseudomonas aeruginosaTrinken, KontaktLungenentzündung, Wundinfektionen, Blutvergiftung, Entzündung des Gehörgangs
NorovirenTrinkenSchwallartiges Erbrechen, starke Durchfälle, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen
Kryptosporidien und GiardienTrinkenHeftige, langanhaltende Durchfälle

Coliforme Bakterien greifen auch Blinddarm und Bauchfell an. Wie schwer eine Infektion verläuft, hängt von drei Dingen ab: der Erregerart, der Menge und dem Zustand des Körpers. Am meisten gefährdet sind Säuglinge, Kranke und alte Menschen, etwa in Pflegeheimen.

Die Symptome sind allerdings unspezifisch. Durchfall nach einem Glas Wasser beweist noch keine Keimbelastung. Dieselben Beschwerden kommen auch über Essen oder von Mensch zu Mensch. Sicherheit liefert nur eine Wasseranalyse oder eine Meldung des Gesundheitsamts.

Leitungswasserproben für die Laboranalyse auf Bakterien und Keime wie Legionellen und E. coli.

Welche Bakterien und Keime kommen im Trinkwasser vor?

Sieben Erregergruppen weist man regelmäßig im deutschen Leitungswasser nach: Legionellen, E. coli und coliforme Bakterien, Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa, multiresistente Keime, Parasiten und Viren. Am häufigsten sind Legionellen, E. coli und Enterokokken. Zwei Gruppen davon zeigen Fäkalien im Wasser an, nämlich E. coli und Enterokokken. Legionellen und Pseudomonas aeruginosa dagegen wachsen erst im warmen Rohr. Die folgenden Abschnitte gehen jede Gruppe einzeln durch.

Legionellen

Legionellen brauchen Sauerstoff. Sie leben vor allem in Süßwasser und in warmen Rohren. Als Nasskeime vermehren sie sich bei passenden Bedingungen rasend schnell. Am besten gedeihen sie bei 20 bis 50 Grad Celsius. Erst ab etwa 60 Grad sterben sie ab.

Anders als die meisten Erreger lösen Legionellen beim Trinken keine Infektion aus. Gefährlich werden sie erst beim Einatmen. Die Quellen dafür sind Wasserdampf beim Duschen, Aerosole in Schwimm- und Dampfbädern, Klimaanlagen oder Kühltürme. In der Lunge lösen sie zwei Krankheiten aus: das grippeähnliche Pontiac-Fieber und die Legionärskrankheit. Letztere ist eine schwere Lungenentzündung und endet in etwa 5 bis 10 % der Fälle tödlich.

Für 2018 meldete das Robert Koch-Institut 1,7 Legionellose-Erkrankungen je 100.000 Einwohner. Die echte Zahl liegt höher. Das RKI schätzt 18 bis 36 Fälle je 100.000 Einwohner außerhalb von Kliniken, denn längst nicht jede Lungenentzündung wird auf Legionellen getestet. 2011 nahm das RKI Legionellen in die Gruppe der 26 wichtigsten Erreger in Deutschland auf. Welcher Filter an Dusche und Wasserhahn greift, zeigt der Ratgeber zum Legionellenfilter.

E. coli und coliforme Bakterien

E. coli und coliforme Bakterien, umgangssprachlich Kolibakterien genannt, zeigen Fäkalien im Wasser an. Escherichia coli lebt normalerweise im Darm von Mensch und Tier. Die meisten Stämme sind harmlos. Drei schwere Folgen haben die übrigen: Durchfall, Fieber und Nierenversagen.

Kolibakterien treten häufig in den Alpen und Mittelgebirgen auf. Dort bleiben Fäkalkeime oft auch nach der Kläranlage im Wasser nachweisbar. Im Sommer verschärft trockener Boden das Problem. Durch Risse im Boden überwinden Keime aus Fäkalien "die wichtigste Filterschicht [den Humus]". So hielt es das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bereits 2006 fest.

Flaschenwasser bietet dabei keinen automatischen Schutz. Dasselbe Landesamt fand auch in Mineral- und Tafelwasser vielfach Keime. Betroffen waren bis zu 13 % der Tafelwasser und bis zu 3 % der Mineralwasserflaschen, jeweils mit coliformen Fäkalkeimen.

Enterokokken im Trinkwasser

Enterokokken zählen zu den Milchsäurebakterien und leben in kleinen Mengen natürlich im Körper. Auch beim Reifen von Käse und Wurst spielen sie eine Rolle. Einige Arten haben jedoch schwere Folgen. Wie E. coli zeigen sie Fäkalien im Wasser an.

Ins Grundwasser kommen sie über Dünger oder Kot von Nutztieren. Starker Regen spült beides in den Boden. Auch Pannen in der Kläranlage oder Reparaturen am Leitungsnetz schwemmen Enterokokken ins Wasser.

Bei schwachem Immunsystem lösen Enterokokken Infektionen aus, vor allem an den Harnwegen, seltener am Bauchraum und am Herzen. Bei Frauen entzünden sich mitunter die Eileiter oder die Blase. Auch Wunden und Abszesse gehören zu den Folgen. Die Behandlung ist teils schwierig, denn manche Stämme trotzen Antibiotika.

Pseudomonas aeruginosa

Pseudomonas aeruginosa ist der weitaus gefährlichere Keim im Wasser. Er lebt fast überall und gehört natürlich zum Grundwasser. Weil er so anspruchslos ist, trotzt er vielen Antibiotika und Desinfektionsmitteln. Bekannt ist er vor allem als Krankenhauskeim mit Mehrfachresistenz. Rund 10 % aller Infektionen in deutschen Kliniken gehen auf ihn zurück.

Über den Hausanschluss erreicht Pseudomonas aeruginosa das Kaltwassernetz und vermehrt sich dort im Biofilm, vor allem in Totleitungen oder bei langer Stagnation. Sitzt der Keim erst im Rohr, hilft nur noch eine aufwendige Chlorspülung.

Beim Menschen löst der Keim Infektionen und Eiter aus. Bei schwachem Immunsystem drohen Lungenentzündung, infizierte Wunden und Blutvergiftung. Wer gesund ist, bekommt meist nur Probleme an Haut, Nägeln, Haarwurzeln oder im Gehörgang. Weist ein Labor Pseudomonas aeruginosa nach, greifen sofort Maßnahmen bis hin zur Sperrung der Leitung. Im schlimmsten Fall befällt der Keim das ganze Netz.

Multiresistente Keime

Multiresistente Keime trotzen gleich mehreren Antibiotika. Diese Abwehr geben sie an die nächste Generation weiter, das Medikament wirkt dann nicht mehr. Schuld ist der Umgang mit den Mitteln: Sie kommen zu oft, zu unnötig oder falsch zum Einsatz.

Über das Abwasser kommen die Keime in die Umwelt. Sie überstehen die Kläranlage und fließen mit dem geklärten Wasser in Flüsse. Auch Antibiotika im Stall tragen sie über Gülle auf die Felder und von dort in Bäche und Seen. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) recherchierte 2018, es sei "weitgehend unbekannt", "wie stark Gewässer belastet sind, da es bislang keine systematischen Kontrollen auf solche Erreger gibt". Dr. Tim Eckmanns vom Robert Koch-Institut nannte die Funde "wirklich alarmierend".

Aus Flüssen und Seen erreichen multiresistente Keime das Trinkwasser aber nur über einen Umweg. Sie müssen zuvor ins Grundwasser oder ins Uferfiltrat übergehen. Das passiert selten.

Parasiten

Parasiten im Wasser sind Zoonosen, springen also vom Tier auf den Menschen. Die zwei wichtigsten heißen Cryptosporidium parvum und Giardia lamblia. Ihr Weg führt vom Kot in den Mund. Beide gibt es auch in Deutschland. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg fand sie in bis zu 50 % der Flüsse, Seen und Karstgewässer, wenn auch in geringer Zahl.

In seltenen Fällen lösen Parasiten Epidemien aus. In Milwaukee in den USA erkrankten mehr als 400.000 Menschen an heftigem Durchfall, obwohl das Wasser gechlort war. Mehr als 100 von ihnen starben. Bei schwachem Immunsystem endet solch ein Durchfall im Extremfall tödlich.

Viren

Vier Virentypen schaffen es bis zum Wasserhahn: Noroviren, Rotaviren, Hepatitis-A-Viren und Echoviren. Sie durchbrechen die Barrieren der Aufbereitung und reisen durch das Rohr bis in die Küche. Das gelingt nur einem kleinen Bruchteil aller Viren. In den Kreislauf kommen sie über Abwasser oder über Gülle und Mist kranker Tiere.

Noroviren stehen dabei im Fokus. Sie sind hoch ansteckend, schon eine winzige Menge genügt. Sie lösen eine plötzliche Magen-Darm-Grippe aus, mit schwallartigem Erbrechen und starkem Durchfall. Oft kommen Bauchweh, Übelkeit, Kopfweh und Erschöpfung dazu. Fieber bleibt meist aus.

Welche Grenzwerte gelten für Bakterien im Trinkwasser?

Die Trinkwasserverordnung erlaubt für die wichtigsten Fäkalkeime keine einzige Kolonie. E. coli und intestinale Enterokokken dürfen in 100 Millilitern Wasser nicht auffindbar sein. Für coliforme Bakterien gilt derselbe Wert als Indikator.

ParameterGrenzwertFundstelle in der TrinkwV
Escherichia coli0/100 mlAnlage 1 Teil I
Intestinale Enterokokken0/100 mlAnlage 1 Teil I
Coliforme Bakterien0/100 mlAnlage 3 Teil I (Indikatorparameter)
Clostridium perfringens0/100 mlAnlage 3 Teil I (nur bei Oberflächenwasser als Rohwasser)
Legionella spec.100 KBE/100 ml (technischer Maßnahmenwert)Anlage 3 Teil II
Pseudomonas aeruginosa0/250 ml (abgefülltes Wasser)Anlage 1 Teil II

KBE steht für koloniebildende Einheiten, also die Zahl lebender Zellen in einer Probe. Für Pseudomonas aeruginosa im Netz nennt das Umweltbundesamt (UBA) den strengen Wert von 0 KBE je 100 ml. Bei Legionellen gilt eine andere Logik. Ihre 100 KBE je 100 ml sind ein technischer Maßnahmenwert. Erreicht eine Anlage ihn, muss der Betreiber sofort die Ursache klären und vor Ort prüfen.

Die Koloniezahl bei 22 und 36 Grad Celsius, umgangssprachlich Gesamtkeimzahl, trägt dagegen keinen festen Wert. Anlage 3 verlangt hier nur, dass das Wasser "ohne anormale Veränderung" bleibt. Ein sprunghafter Anstieg gilt also als Warnsignal, aber nicht als Verstoß.

Für Viren nennt die Trinkwasserverordnung keine eigenen Zahlen. Stattdessen gilt eine allgemeine Regel:

> Im Trinkwasser dürfen Krankheitserreger im Sinne des § 2 Nummer 1 des Infektionsschutzgesetzes, die durch Wasser übertragen werden können, nicht in Konzentrationen enthalten sein, die eine Schädigung der menschlichen Gesundheit besorgen lassen.

Dieselben Grenzwerte gelten für Brunnenwasser, sobald es als Trinkwasser dient. Wer einen Hausbrunnen nutzt, muss es regelmäßig auf E. coli, Enterokokken und coliforme Bakterien prüfen lassen. Anders als im öffentlichen Netz kontrolliert hier kein Versorger.

Wie gelangen Bakterien und Keime ins Trinkwasser?

Bakterien nehmen vier Wege ins Trinkwasser: die verschmutzte Quelle, eine schlechte Aufbereitung, die Leitung selbst und falsche Lagerung. Hinter dem Hausanschluss endet die Zuständigkeit des Versorgers. Ab dort haftet der Eigentümer.

  • Verschmutzte Quelle: Ist der See oder Fluss hinter dem Wasserwerk belastet, gehen die Keime ins Wasser über. Auslöser sind Abwasser, Abfälle vom Hof oder Fäkalien.
  • Schlechte Aufbereitung: Im Wasserwerk verschmutzt eine defekte oder schlecht geputzte Anlage das Wasser.
  • Alte Leitungen: Lecks, Risse und andere Schwachstellen im Netz lassen Keime ins Wasser.
  • Falsche Lagerung: In schmutzigen Kanistern oder bei Wärme vermehren sich Keime im gelagerten Wasser.

Unwetter verschärfen die Lage schlagartig. Im Sommer 2021 spülte Hochwasser in vielen Regionen Bakterien aus Flüssen und Seen in öffentliche Brunnen. Hunderttausende mussten ihr Wasser abkochen.

Bis zu 200.000 Keime stecken in einem Milliliter Leitungswasser. Das ist kein Alarm, sondern der Normalfall. Das Umweltbundesamt hält fest: "Trinkwasser ist nicht keimfrei. Auch nach sachgerechter Aufbereitung enthält es noch Mikroorganismen. (...) Trinkwasser darf laut Deutscher Trinkwasserverordnung jedoch keine Krankheitserreger in Konzentrationen enthalten, die die menschliche Gesundheit gefährden können."

Grafik zu den vier Wegen von Bakterien ins Trinkwasser: verschmutzte Quelle, schlechte Aufbereitung, alte Leitungen und falsche Lagerung.

Biofilm in der Wasserleitung

Ein Biofilm ist eine Schleimschicht aus Bakterien, Pilzen und Algen. Er wächst auf Oberflächen und schützt in der Leitung die Keime, die in ihm sitzen. Dort wachsen sie ungestört und gehen von dort ins Wasser über.

Zwei Dinge fördern den Biofilm im Haus: Stagnation und Totleitungen. Stagnation heißt, das Wasser steht über Stunden oder Tage im Rohr, etwa nach einem Urlaub. Eine Totleitung ist ein abgetrenntes Stück Rohr ohne Durchfluss, zum Beispiel nach einem Umbau. Beides schafft genau die Ruhe, die Keime zum Wachsen brauchen. Die Ursache einer Belastung liegt deshalb oft nicht im Wasserwerk, sondern in den letzten Metern vor dem Hahn.

Destillationsgerät: Legionellen sterben ab etwa 60 Grad Celsius, andere Keime im Wasser erst ab rund 90 Grad Celsius.

Ab welcher Temperatur sterben Bakterien im Wasser?

Legionellen sterben ab etwa 60 Grad Celsius ab. Andere Keime halten mehr aus und sterben erst ab rund 90 Grad. Eine Zahl für alle gibt es nicht, denn jede Art bringt ihre eigene Hitzegrenze mit.

Legionellen gedeihen am besten bei 20 bis 50 Grad Celsius. Genau so warm ist es in schlecht gestellten Boilern. Auch aufgewärmte Kaltwasserrohre bieten ihnen dieses Klima. Wer den Boiler dauerhaft über 60 Grad hält, nimmt ihnen die Grundlage.

Darauf beruht auch jedes Abkochgebot: Hitze tötet die Keime, bevor das Wasser in den Körper kommt. Zwei Grenzen hat die Methode. Sie wirkt nur auf das Wasser im Topf, aber nicht auf das aus Dusche oder Waschbecken. Und sie wirkt nur einmal, denn frisches Wasser bringt neue Keime mit. Auf Dauer hilft deshalb eher ein Filter mit einer Membran.

Woran lässt sich eine aktuelle Keimbelastung im Leitungswasser erkennen?

Zwei Stellen melden eine aktuelle Keimbelastung: das Gesundheitsamt und der Wasserversorger deiner Gemeinde. Beide geben Abkochgebote und Chlorungen kurzfristig bekannt. Bakterien im Wasser sieht, schmeckt und riecht man nämlich nicht. Kein Sinn ersetzt die amtliche Meldung oder eine Probe im Labor.

Die Lage ist dabei besser als ihr Ruf. Das Umweltbundesamt wertete für 2020 bis 2022 bis zu 120.000 Messungen je Parameter und Jahr aus. In mehr als 99 % der Fälle hielt das deutsche Wasser die mikrobiologischen Vorgaben ein. Meldungen über Keime betreffen also einzelne Orte, aber nicht das Netz insgesamt.

Kochendes Wasser im Topf auf dem Herd
Datum und OrtMeldung
14.06.2023, TunauAbkochgebot für das Trinkwasser
04.05.2023, RegglisweilerAbkochgebot wegen E.-coli-Bakterien im Trinkwasser
03.04.2023, Eschweiler und StolbergErneut Kolibakterien im Trinkwasser
12.12.2022, PegnitzAbkochanordnung wegen Keimbelastung
09.12.2022, BalingenEnterokokken im Leitungswasser
15.11.2022, LaufenVerkeimung durch Enterokokken
28.09.2022, WolterdingenKolibakterien in den Leitungen

Deutsche Kläranlagen halten längst nicht jeden Keim zurück. Deshalb ordnen Ämter zeitweise Chlorungen oder Abkochgebote an, sobald coliforme Bakterien, Enterokokken oder Pseudomonas aeruginosa auftauchen.

Ein Restrisiko deckt aber keine dieser Meldungen ab: die eigene Hausinstallation. Der Versorger prüft nur bis zum Hausanschluss. Was dahinter im Rohr passiert, zeigt allein eine Probe in einem akkreditierten Labor. Sinnvoll ist das vor allem im Altbau, nach einem Rohrbruch und nach langer Stagnation.

Vergleich der Filtermöglichkeiten gegen Bakterien: Ultrafiltration und Umkehrosmose halten Keime zuverlässig zurück, lose Aktivkohle allein nicht.

Welcher Wasserfilter hält Bakterien zurück?

Zwei Verfahren halten Bakterien zuverlässig aus dem Trinkwasser: Ultrafiltration und Umkehrosmose. Aktivkohle allein schafft das nicht. Loses Granulat, wie es in Tischkannen steckt, taugt für Keime ausdrücklich nicht.

Vier Methoden stehen im Haushalt zur Wahl. Sie unterscheiden sich stark in Aufwand, Wasserverbrauch und in dem, was sie im Wasser zurücklassen.

Destillation

Destillation tötet Keime durch Abkochen. Das Wasser verdampft, die Schadstoffe bleiben am Boden. Der Dampf schlägt sich oben nieder und tropft in ein Gefäß. Zwei Nachteile hat das Verfahren. Das Gefäß braucht gründliche Pflege, und mit dem Dampf gehen auch wertvolle Mineralien verloren.

Umkehrosmose

Umkehrosmose presst das Wasser durch eine sehr feine Membran und hält so coliforme Bakterien und andere Keime zurück. Ihre Poren sind noch enger als die der Ultrafiltration. Deshalb nimmt sie dem Wasser auch mehr Mineralien als ein Aktivkohlefilter. Dazu braucht sie viel Wasser, denn ein Teil des Zulaufs geht als Konzentrat in den Abfluss.

Aktivkohle

Aktivkohle hält Keime nur zum Teil zurück. Es kommt auf ihre Form und auf den Bau des Filters an. Loses Granulat in der Tischkanne stoppt keine Bakterien. Bei seltenem Wechsel verkeimt es sogar selbst, wie der Beitrag zum Verkeimungsrisiko bei Kannenfiltern zeigt. Ihre Stärke hat Aktivkohle bei Chlor, Schwermetallen und Resten aus der Natur. Grundlagen dazu liefern die Ratgeber Was ist Aktivkohle und Aktivkohlefilter für Wasser. Was sonst noch im Leitungswasser steckt, zeigt der Überblick zu Schwermetallen im Leitungswasser.

Ultrafiltration

Ultrafiltration siebt Bakterien rein mechanisch aus. Die Poren der Membran messen 0,1 Mikrometer, also 0,001 Millimeter. Bakterien sind größer und passen schlicht nicht hindurch. Die Rückhalterate liegt bei 99,99 %. Weil Aktivkohle allein zu wenig gegen Keime ausrichtet, kombiniert man beides: Die Kohle bindet Chlor und Schadstoffe, die Membran stoppt die Keime. Genau diese Kombination steckt in der Filterkartusche NANO von Alb Filter. Sie greift bei akuter Keimbelastung im Rohr.

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Häufige Fragen

Können im Leitungswasser Bakterien sein?

Ja, unter Umständen stecken Bakterien und andere Keime im Leitungswasser. Dazu zählen Legionellen, E. coli, coliforme Bakterien, Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa, multiresistente Keime, Parasiten und Viren. Auch im streng geprüften deutschen Wasser gibt es immer wieder Funde.

Was ist der Unterschied zwischen Keimen und Bakterien?

Keime sind der Oberbegriff für alle Erreger, also Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Bakterien sind eine Untergruppe davon. Jedes krankmachende Bakterium ist ein Keim, aber nicht jeder Keim ist ein Bakterium.

Welche Symptome verursachen Enterokokken im Trinkwasser?

Enterokokken treffen vor allem die Harnwege, etwa als Blasenentzündung. Möglich sind auch Infekte im Bauchraum und am Herzen, bei Frauen an den Eileitern, dazu Abszesse und Wunden. Betroffen sind meist Menschen mit schwachem Immunsystem.

Wie erkenne ich Bakterien im Wasser?

Bakterien im Wasser sieht man mit bloßem Auge nicht. Sie ändern weder Farbe noch Geruch oder Geschmack. Sicherheit liefert nur eine Probe in einem akkreditierten Labor oder eine Meldung vom Gesundheitsamt.

Ab wie viel Grad sterben Bakterien im Wasser?

Die Grenze hängt von der Art des Keims ab. Legionellen sterben bei etwa 60 Grad Celsius ab. Andere Keime halten mehr aus und sterben erst ab rund 90 Grad. Eine Zahl für alle Bakterien gibt es nicht.

Wie gelangen Bakterien ins Wasser?

Bakterien nehmen vier Wege ins Trinkwasser: eine verschmutzte Quelle, eine schlechte Aufbereitung, alte Leitungen und falsche Lagerung. Im Haushalt wachsen sie am liebsten im Biofilm der eigenen Rohre.

Wie hoch ist der Grenzwert für coliforme Bakterien im Trinkwasser?

Der Grenzwert für coliforme Bakterien liegt bei 0 je 100 Milliliter. Die Trinkwasserverordnung führt sie in Anlage 3 Teil I als Indikator. Derselbe Wert von 0 je 100 ml gilt für E. coli und intestinale Enterokokken nach Anlage 1 Teil I.

Filtert ein Aktivkohlefilter Bakterien aus dem Wasser?

Ein Aktivkohlefilter allein schützt zu wenig vor Bakterien. Loses Granulat in der Tischkanne hält Keime nicht zurück. Erst zusammen mit einer Membran aus der Ultrafiltration und ihren 0,1 Mikrometer kleinen Poren stoppt er 99,99 % der Keime.

Quellen

  1. Anlage 1 TrinkwV, Mikrobiologische Parameter — mit den Grenzwerten für E. coli und intestinale Enterokokken
  2. Anlage 3 TrinkwV, Indikatorparameter — mit coliformen Bakterien, Clostridium perfringens und dem technischen Maßnahmenwert für Legionellen
  3. RKI-Ratgeber Legionellose, Robert Koch-Institut — zu Meldeinzidenz, Untererfassung und Krankheitsverlauf
  4. Mikrobiologie, Umweltbundesamt — zur Keimfreiheit von Trinkwasser
  5. Bericht über die Qualität von Trinkwasser in Deutschland 2020 bis 2022, Umweltbundesamt und Bundesministerium für Gesundheit — mit bis zu 120.000 Messungen je Parameter und Jahr und der Einhaltungsquote von über 99 %
  6. UBA-Empfehlung zu coliformen Bakterien im Trinkwasser — zur Bewertung und zum Vorgehen bei einem Nachweis
  7. Empfehlungen und Stellungnahmen zu Trinkwasser, Umweltbundesamt — unter anderem mit der Empfehlung zu Pseudomonas aeruginosa
  8. Trinkwasser nach einem Hochwasser, Umweltbundesamt — zum Eintrag von Keimen bei Überschwemmungen
  9. Klimaveränderung in Bayern, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit — zur Belastung von Trinkwasser und Flaschenwasser mit Fäkalkeimen
  10. Multiresistente Keime in vielen deutschen Gewässern, PTAheute — mit den Ergebnissen der NDR-Recherche von 2018 und der Einschätzung von Dr. Tim Eckmanns
  11. Escherichia coli bei Wikipedia — mit Überblick zu Stämmen, Vorkommen und Krankheitsbildern
  12. Enterokokken bei Wikipedia — zu Systematik, Vorkommen und Antibiotikaresistenzen
  13. Ultrafiltration bei Wikipedia — zu Porengrößen und Funktionsweise der Membranfilterung

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