Header-Bild zum Ratgeber Was ist Aktivkohle: poröser Kohlenstoff mit bis zu 1.500 Quadratmetern innerer Oberfläche je Gramm.
RatgeberWasserfilter

Was ist Aktivkohle: Aufbau, Herstellung und Kennzahlen

Aktivkohle ist poröser Kohlenstoff mit bis zu 1.500 m² Oberfläche je Gramm. Herstellung, Porenklassen, Jodzahl und Einsatz im Trinkwasser im Überblick.

Aktivkohle ist poröser Kohlenstoff mit sehr großer innerer Oberfläche. Datenblätter nennen je nach Sorte 500 bis 1.500 m² je Gramm. Der Stoff trägt die Nummer 7440-44-0 im Chemical Abstracts Service (CAS). Im Europäischen Altstoffverzeichnis (EINECS) steht er unter 231-153-3. Die Liste des Umweltbundesamtes nennt 2 Formen: Korn nach DIN EN 12915-1 und Pulver nach DIN EN 12903. Deutschland führte 2024 83.897 Tonnen ein und 53.041 Tonnen aus.

Der Ratgeber erklärt Aufbau, Rohstoffe und die 2 Schritte der Herstellung. Dazu die 3 Porenklassen nach dem Bericht von 2015 und die Werte, die auf einem Datenblatt stehen. Am Ende steht, wo Behörden den Einsatz regeln.

Aktivkohle aus Bambus-Rohstoff: Datenblätter geben je nach Sorte 500 bis 1.500 Quadratmeter innere Oberfläche pro Gramm an.

Kohlenstoff mit 1.500 m² je Gramm

Aktivkohle besteht fast ganz aus Kohlenstoff, dem Element mit der Ordnungszahl 6 und dem Zeichen C. Eine feste Summenformel fehlt, denn der Kohlenstoff liegt amorph vor. Amorph heißt: die Atome bilden ein loses Gerüst statt eines Kristallgitters. Im Gerüst sitzt ein Labyrinth aus feinsten Hohlräumen. Die Hohlräume schaffen die Fläche, an der sich Stoffe anlagern.

Ein Fußballfeld misst 105 mal 68 Meter, also 7.140 m². Fünf Gramm Aktivkohle mit je 1.500 m² kommen auf 7.500 m². So groß ist die Fläche in einem Teelöffel Pulver.

Für denselben Stoff kursieren 5 Namen. In technischen Papieren steht Aktivkohlenstoff oder A-Kohle. Auf Arznei-Packungen steht medizinische Kohle oder Carbo medicinalis. Pflanzenkohle meint die Variante aus pflanzlichem Rohstoff. Sie ist als Farbe E 153 für Lebensmittel zugelassen. Die EU fordert dafür mindestens 95 % Kohlenstoff, bezogen auf die trockene, aschefreie Masse.

Rohstoffe von Steinkohle bis Kokosnuss

Als Ausgangsstoff taugt fast jedes Material mit Kohlenstoff. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt für Pflanzenkohle 5 Gruppen. Dazu zählen Holz aus Kiefer und Eiche, Kokosnuss-Schalen, Bambus, Torf und Holzpellets. Für technische Ware kommen Steinkohle, Braunkohle und Nussschalen hinzu. Alb Filter gewinnt die Kohle aus dem nachwachsenden Rohstoff Lignin. Lignin steckt in verholzten Pflanzenzellen.

Der Rohstoff prägt den Namen der fertigen Ware. Aus der Tradition stammen 3 Begriffe, die bis heute im Handel auftauchen.

NameAusgangsstoffHeutiger Zweck
PflanzenkohleHolz, Schalen, BambusFarbe E 153, Hilfsstoff im Boden
BlutkohleBlut vom Tierfrüher in der Zucker-Fabrik
Zuckerkohleverkohlter ZuckerLabor

Bei der Wahl zählen 2 Größen: Herkunft und Ausbeute. Kokosnuss und Lignin wachsen nach. Steinkohle bleibt ein fossiler Rohstoff. Die Ausbeute liegt bei jedem Weg klar unter dem Einsatzgewicht. Der Grund: bei Hitze entweicht ein Teil des Kohlenstoffs als Gas.

Verkohlung bei 450 bis 1.300 Grad

Zwei Schritte führen vom Rohstoff zur Aktivkohle. Im ersten verkohlt das Material unter Ausschluss von Sauerstoff. Fachlich heißt der Schritt Pyrolyse. Die EFSA nennt dafür je nach Rohstoff 450 bis 1.300 °C. Übrig bleibt ein Gerüst aus fast reinem Kohlenstoff statt Asche.

Der zweite Schritt gibt dem Stoff den Namen. Bei der Aktivierung öffnet Hitze das Gerüst und legt die Poren frei. Zwei Wege stehen zur Wahl.

WegMittelBeleg aus der EFSA-FassungWas passiert
GasDampf, Kohlendioxidüber 800 °C, 1 bis mehrere Stundenein Teil des Kohlenstoffs vergast, Poren bleiben
ChemiePhosphorsäureals Alternative zur Dampf-Aktivierung genanntdie Säure trocknet das Gerüst aus, danach folgt Dampf

Nach der Aktivierung wäscht Salzsäure das Material. Es folgen eine Neutralisation mit Wasser oder Natronlauge, eine Trocknung und das Mahlen. Bei Pflanzenkohle für Lebensmittel liegt die mittlere Korngröße danach bei 154 bis 673 nm.

Poren unter 2 nm tragen die Wirkung

Die Internationale Union für reine und angewandte Chemie (IUPAC) teilt Poren nach ihrer Weite in 3 Klassen. Der maßgebliche Bericht erschien 2015 in Pure and Applied Chemistry, Band 87, Seite 1051 bis 1069.

KlasseWeiteRolle
Mikroporenbis etwa 2 nmHauptspeicher, der Porenraum füllt sich
davon engunter 0,7 nmengster Bereich, für kleine Moleküle
davon weit0,7 bis 2 nmÜbergang
Mesoporen2 bis 50 nmTransportweg, Anlagerung an der Wand
Makroporenüber 50 nmZugang ins Korn, rascher Transport

Ältere Ratgeber nennen andere Grenzen, etwa 1 nm und 25 nm. Maßgeblich bleibt die Fassung der IUPAC von 2015. Wer 2 Datenblätter vergleicht, prüft daher zuerst die Basis der Angabe.

Die Verteilung der Poren entscheidet über die Wirkung. Eine Kohle mit hohem Anteil an Mikroporen bindet kleine Moleküle gut. Große Moleküle brauchen Mesoporen. Fehlen die, bleiben sie vor dem Eingang stehen.

Adsorption bindet Stoffe an der Fläche

Adsorption meint die Anlagerung fremder Stoffe an eine Fläche. Absorption meint die Aufnahme in einen Körper hinein, so wie ein Schwamm Wasser aufsaugt. Beide Wörter gehen auf das lateinische sorbere für saugen zurück. Aktivkohle arbeitet über Adsorption. Gelöste Stoffe haften an der Wand der Poren und reichern sich dort an.

Im Arbeitsblatt W 239 legt der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) 22 Begriffe fest. Fünf davon beschreiben, wie lange eine Kohle arbeitet.

Grafik zur Adsorption: Gelöste Stoffe im Wasser haften an der inneren Porenoberfläche der Aktivkohle und reichern sich dort an.
BegriffBedeutung
BeladungMasse an gebundenem Stoff je Masse Kohle
KapazitätMenge, die eine Kohle im Gleichgewicht aufnimmt
DurchbruchskurveVerlauf der Konzentration im Ablauf über die Zeit
Konkurrenz2 oder mehr Stoffe belegen dieselben Plätze
Verweilzeit (EBCT)Volumen des Betts geteilt durch den Strom

Die Kapazität einer Kohle ist endlich. Ist die Fläche belegt, steigt der Wert im Ablauf. Der Filter erreicht dann den Durchbruch. Im Haushalt heißt das: die Kartusche ist fällig. Wie oft der Wechsel ansteht, steht im Ratgeber zu Wasserfilter-Kartuschen.

Alb Filter Kartusche Active mit Aktivkohle-Füllung: adsorbiert laut Hersteller Chlor, Pestizide und Arzneimittelrückstände bei 10 Mikrometer Porengröße.

Die Jodzahl misst 1 Gramm gegen 0,02 Mol

Die Jodzahl ist der häufigste Wert auf einem Datenblatt. DIN EN 12902 legt sie fest als Masse an Jod in mg, die 1 Gramm Kohle aus Lösung bindet. Der Bezug: im Filtrat bleiben 0,02 Mol je Liter zurück. Bei 0,02 Mol liegt rechnerisch eine Schicht aus einer Lage Moleküle auf der Kohle. Die Jodzahl gilt daher als Hinweis auf die Fläche je Gramm.

Die Werte in der Tabelle stammen aus einer Ausschreibung der Stadtwerke Düsseldorf vom 28.05.2025. Sie zeigen, was ein Versorger tatsächlich fordert.

WertWas er misstNormVorgabe
JodzahlAufnahme von Jod je GrammDIN EN 12902ab 200 mg/g zur Annahme, ab 750 mg/g nach dem Ofen
KörnungBereich der KorngrößeDIN EN 12915-18 x 30 mesh, also 0,6 bis 2,36 mm
UnterkornAnteil zu feiner KörnerDIN EN 12915-1bis 5 %
ÜberkornAnteil zu grober KörnerDIN EN 12915-1bis 15 %
KugelhärteAbrieb im BettDIN EN 12915-1über 90
RütteldichteMasse je Volumen, verdichtetDIN EN 12902rund 530 kg/m³
SchüttdichteMasse je Volumen, loseDIN EN 12902rund 460 kg/m³
AscheRest aus MineralienDIN EN 12902bis 15 %
WasserFeuchte bei AnlieferungDIN EN 12902bis 5 %
BET-FlächeFläche je Gramm nach Brunauer, Emmett und Teller (BET)DVGW W 239, Punkt 3.9Angabe des Herstellers

Ein Vorbehalt gehört zur Jodzahl dazu. Der Lehrstuhl für Wassertechnik der Universität Duisburg-Essen hält dazu einen Befund fest. Zwischen den Analysen der Labore treten Abweichungen im zweistelligen Bereich auf, obwohl das Verfahren genormt ist. Wer 2 Kohlen vergleicht, holt die Werte daher aus demselben Labor.

37 Kohlen im Test: die Jodzahl erklärt wenig

Ein Screening von 2025 zeigt, wie weit Datenblatt und Praxis auseinanderliegen. Roman Wiget und 2 Fachleute von Membratec prüften 37 Pulveraktivkohlen aus Holz, Steinkohle und Kokosnuss. Erschienen ist die Arbeit am 05.12.2025 in Aqua & Gas. Die Jodzahl erklärte die gemessene Entfernung eines Spurenstoffs nur zu einem Bruchteil, das Bestimmtheitsmaß lag bei 0,08. Für die BET-Fläche fanden die Autoren einen umgekehrten Zusammenhang mit einem Bestimmtheitsmaß von 0,36. Zwischen der besten und der schwächsten Kohle lag ein Abstand von über 80 %.

Bei schwer bindbaren Stoffen stößt die Jodzahl damit an ihre Grenze. Anhang A des Arbeitsblatts W 239 beschreibt zusätzlich die Isotherme und die Nitrobenzolzahl. Beide messen die Aufnahme am tatsächlichen Stoff statt an Jod.

Loses Aktivkohle-Granulat: Korn ist eine von mehreren Bauformen der Aktivkohle, die für den Einsatz im Trinkwasser genormt sind.

Pulver, Korn und Block folgen 3 Normen

Vier Bauformen kommen in den Handel. Für Trinkwasser sind 3 davon genormt.

BauformKorngrößeNormTypischer Ort
PulverFeinstpulverDIN EN 12903Dosierung ins Wasser, Kläranlage, Lebensmittel
Korn, frisch0,6 bis 2,36 mmDIN EN 12915-1Bett im Wasserwerk
Korn, aus dem Ofen0,6 bis 2,36 mmDIN EN 12915-2Bett nach der Aufbereitung
Block, gepresst oder gesintertfester KörperAngabe des HerstellersKartusche im Haushalt

Loses Korn in der Tischkanne umspült das Wasser, statt hindurchzufließen. Ein gepresster Block zwingt das Wasser durch feine Kanäle. Er hält deshalb mehr zurück. Die Bauformen für den Haushalt vergleicht der Ratgeber Aktivkohlefilter für Wasser im Detail. Warum Tischkannen ein eigenes Thema bei der Hygiene mitbringen, steht im Beitrag zum Verkeimungsrisiko bei Kannenfiltern. Eine Übersicht der festen Bauformen steht unter Trinkwasserfilter.

Grillkohle braucht 75 %, E 153 schon 95 %

Der Unterschied zwischen Kohle und Aktivkohle liegt in einem einzigen Schritt. Holzkohle durchläuft die Verkohlung. Aktivkohle durchläuft zusätzlich die Aktivierung. Erst dabei entsteht das System der Poren. Die Zahlen der jeweiligen Norm machen den Abstand sichtbar.

StoffHerstellungRegelwerkAnteil Kohlenstoff
Grill-HolzkohleVerkohlungDIN EN 1860-2:2023ab 75 %, mit DINplus 80 %
Grill-BrikettsVerkohlung, gepresstDIN EN 1860-2:2023ab 60 %, mit DINplus 65 %
Pflanzenkohle E 153Verkohlung, AktivierungVorgabe der EUab 95 % der trockenen, aschefreien Masse
Aktivkohle fürs TrinkwasserVerkohlung, AktivierungDIN EN 12915-1, DIN EN 12903ab 90%, Asche bis 10 %

Grillkohle bindet daher wenig aus Wasser oder Luft. Ihre Fläche bleibt weit unter der einer aktivierten Kohle. Pflanzenkohle im Boden dient wieder einem anderen Zweck. Sie speichert dort Wasser und Nährstoffe.

§ 20 der Trinkwasserverordnung nennt 2 Formen

Wer Trinkwasser aufbereitet, darf nur gelistete Stoffe einsetzen. Die Liste führt das Umweltbundesamt. Sie erschien im Bundesanzeiger am 27.01.2023, korrigiert am 27.08.2024. In Teil I b steht Aktivkohle als Korn auf Platz 1 und als Pulver auf Platz 2.

AngabeKornPulver
Platz in Teil I b12
Nummer im CAS7440-44-07440-44-0
Nummer im EINECS231-153-3231-153-3
ZweckAdsorption, Chlor und Ozon binden, biologische Filtration, Partikel bindenAdsorption
ReinheitDIN EN 12915-1, Tabellen 1 und 2DIN EN 12903, Tabellen 1 und 2
Grenze der Zugabefreifrei
Aktivkohle-Granulat und ein Glas Wasser

Wie ein Wasserwerk die Kohle einsetzt, regelt das Arbeitsblatt W 239 in der Fassung vom Oktober 2021. Es löst die Ausgabe vom März 2011 ab. Behandelt sind Planung, Betrieb, Ofen, Einkauf und Prüfung. Erarbeitet hat es der Projektkreis Sorption im Ausschuss von DIN und DVGW.

Im Wasserwerk hält die Kohle vor allem Stoffe aus dem Bereich der Organik zurück. Dazu zählen Halogen-Kohlenwasserstoffe und Reste von Pestiziden. Auch Chlor und Ozon bindet sie. Auch Stoffe, die Geruch, Geschmack und Farbe prägen, bleiben hängen. Kalk bleibt dagegen im Wasser. Calcium und Magnesium liegen als Ionen vor und binden an Kohle schlecht. Was das am Hahn bedeutet, steht im Beitrag zu Kalk im Wasser. Welche Stoffe der Gesetzgeber begrenzt, listet der Ratgeber zur Trinkwasserverordnung.

Kläranlagen ab 150.000 Einwohnern rüsten nach

Die Richtlinie der EU zum Abwasser der Kommunen fordert eine 4. Stufe der Reinigung. Sie zielt auf Spuren von Stoffen, die 3 Stufen passieren. Das Umweltbundesamt fasst den Stand am 25.02.2026 zusammen. Für die Stufe stehen 2 Verfahren im Vordergrund: Aktivkohle und Ozon.

RegelInhalt
Artikel 8 Absatz 1Pflicht für alle Anlagen ab 150.000 Einwohnerwerten (EW)
Artikel 8 Absatz 2Pflicht ab 10.000 EW in Gebieten mit Risiko
Liste der Gebietebis Ende 2030, erste Aktualisierung 2033, dann alle 6 Jahre
Artikel 9ab 80 % der Kosten tragen Pharma und Kosmetik
Grund92 % der Schädlichkeit der gemessenen Spurenstoffe stammen aus diesen 2 Branchen

Der Ausbau trifft genau die Stoffe, die 3 Stufen passieren. Reste von Arznei zählen dazu, ebenso Reste aus Kosmetik. Welche Wirkstoffe im deutschen Leitungswasser messbar sind, zeigt der Beitrag zu Arzneimittelrückständen. Zur zweiten großen Gruppe der Debatte führt der Ratgeber zu per- und polyfluorierten Chemikalien.

WHO-Liste 2025, Lebensmittelfarbe E 153

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt Aktivkohle in ihrer Liste der unentbehrlichen Arznei. Die 24. Ausgabe erschien im September 2025. Sie nennt den Stoff in Punkt 4.1 als Gegenmittel bei Vergiftung. Die Kohle bindet Gift im Darm, bevor der Körper es aufnimmt.

In Lebensmitteln trägt Pflanzenkohle die Nummer E 153. Am 28.01.2026 legte die EFSA dazu eine Bewertung vor, im EFSA Journal Band 24, Heft 1. Geltende Grenze und Rat der Behörde stehen darin nebeneinander.

GrößeGeltende GrenzeRat der EFSA
Kohlenstoffab 95 %bestätigt
Aschebis 4,0 %bestätigt
Wasserbis 12 %bestätigt
Bleibis 2 mg/kgsenken
Arsenbis 3 mg/kgsenken
Quecksilberbis 1 mg/kgsenken
Cadmiumbis 1 mg/kgsenken
Benzo[a]pyrenunter 50 µg/kgsenken, gemessen bis 37,1 µg/kg

Zwei weitere Befunde betreffen die Größe der Partikel. In allen Proben lagen 40 bis 87 % der Partikel unter 250 nm. Der Anteil unter 100 nm lag bei 4 bis 24 %. Die EFSA fordert dafür eine eigene Angabe in der Spezifikation. Sie rät außerdem zu einem Summenwert für 4 polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Im Ofen reichen 600 Grad statt 900

Erschöpfte Aktivkohle landet im Ofen statt im Abfall. Bei der Reaktivierung verdampfen und zersetzen sich die gebundenen Stoffe. Die Poren öffnen sich erneut. Das Projekt Opt-Aktiv-C mit dem Kennzeichen AiF 20617N prüfte den Vorgang von März 2019 bis Mai 2022. Beteiligt waren der DVGW und die Universität Duisburg-Essen.

BefundWert
Versuche im Drehrohrofen52 gesamt, 26 je Art
Kohle aus dem Wasserwerketwa 600 °C reichen
Kohle aus der Kläranlage900 °C fast ausreichend
Größter EinflussRate und Dauer des Aufheizens
Kleiner EinflussAnteil von Dampf und Kohlendioxid

Die Güte des Ergebnisses prüft wieder die Jodzahl. Für Ware aus dem Ofen gilt DIN EN 12915-2 als Produktnorm. Die Ausschreibung aus Düsseldorf fordert danach 750 mg je Gramm. Kohle mit einer Jodzahl unter 200 mg je Gramm lehnt der Betrieb bei der Annahme ab.

Über die Mengen gibt der Handel Auskunft. In der Datenbank Comtrade der Vereinten Nationen liegt Aktivkohle unter der Nummer 3802 10. Deutschland führte 2024 83.897 Tonnen ein und 53.041 Tonnen aus. 2017 lag die Einfuhr bei 74.180 Tonnen. Die Einfuhr wuchs also in 7 Jahren um rund 13 %.

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Häufige Fragen

Für was ist Aktivkohle gut?

Als Mittel zum Filtern und Reinigen deckt Aktivkohle 3 Felder ab. Im Wasserwerk bindet sie Stoffe aus der Organik, Chlor und Reste von Pestiziden. In der Medizin führt die WHO sie seit der 24. Ausgabe von 2025 als Gegenmittel bei Vergiftung. In der Luft steckt sie in Filtern für Kabinen und Hauben.

Woraus besteht Aktivkohle?

Der Hauptbestandteil ist amorpher Kohlenstoff. Für Pflanzenkohle als Farbe E 153 fordert die EU mindestens 95 % Kohlenstoff, bezogen auf die trockene, aschefreie Masse. Als Rohstoff dienen Holz, Kokosnuss-Schalen, Bambus, Torf, Steinkohle und Lignin.

Was ist der Unterschied zwischen Kohle und Aktivkohle?

Der Unterschied liegt im zweiten Schritt der Herstellung. Beide Stoffe durchlaufen die Verkohlung. Nur Aktivkohle durchläuft zusätzlich die Aktivierung mit Dampf oder Chemie. Erst dabei entsteht das System der Poren. Grill-Holzkohle nach DIN EN 1860-2 braucht ab 75 % Kohlenstoff, Pflanzenkohle E 153 dagegen 95 %.

Wie groß ist die Oberfläche von Aktivkohle?

Ein Gramm erreicht je nach Sorte 500 bis 1.500 m² innere Fläche. Fünf Gramm mit je 1.500 m² ergeben 7.500 m². Ein Fußballfeld misst 105 mal 68 Meter und damit 7.140 m².

Was sagt die Jodzahl aus?

Die Jodzahl gibt an, wie viel mg Jod 1 Gramm Kohle aus einer Lösung bindet. Der Bezug: im Filtrat bleiben 0,02 Mol je Liter zurück. Sie gilt als Hinweis auf die Fläche je Gramm. Kohle aus dem Ofen muss für Trinkwasser 750 mg je Gramm erreichen.

Wie groß sind die Poren von Aktivkohle?

Die IUPAC teilt Poren seit ihrem Bericht von 2015 in 3 Klassen. Mikroporen messen bis etwa 2 nm, Mesoporen 2 bis 50 nm und Makroporen über 50 nm. Ältere Quellen nennen 1 nm und 25 nm als Grenzen.

Ist Aktivkohle schädlich?

In Medizin und Lebensmitteln gilt der Stoff als reizarm. In Lebensmitteln bindet sie allerdings auch Vitamine und Mineralstoffe. Die EFSA riet am 28.01.2026 dazu, die Grenzen für Blei, Arsen, Quecksilber, Cadmium und Benzo[a]pyren zu senken.

Ist Aktivkohle brennbar?

Ja. Aktivkohle besteht fast ganz aus Kohlenstoff und ist brennbar. Im Betrieb als Filter bleibt sie feucht oder kühl. Dort besteht daher Sicherheit.

Kann Aktivkohle Gerüche entfernen?

Ja. Stoffe, die riechen, sind meist Moleküle aus der Organik. Genau die bindet Aktivkohle gut. Das Arbeitsblatt W 239 nennt bessere Werte bei Geruch, Geschmack und Farbe als ersten Zweck im Wasserwerk.

Was ist gesinterte Aktivkohle?

Gesinterte Aktivkohle ist eine unter Hitze und Druck verdichtete Form. Das Sintern erhöht die Zahl der Poren und damit die Kapazität. Ein Block aus gesinterter Kohle hält mehr zurück als loses Korn. Mineralstoffe bleiben dabei im Wasser.

Wie oft muss Aktivkohle gewechselt werden?

Die Standzeit hängt von der Beladung ab. Ist die Fläche belegt, erreicht der Filter den Durchbruch. Der Wert im Ablauf steigt dann an. Im Haushalt geben Hersteller ein Intervall in Litern oder Monaten vor. Im Wasserwerk steuert die Durchbruchskurve den Wechsel.

Quellen

  1. Liste zulässiger Aufbereitungsstoffe nach § 20 TrinkwV, Umweltbundesamt — Bundesanzeiger vom 27.01.2023 mit Korrektur vom 27.08.2024, Teil I b Platz 1 und 2
  2. DVGW-Arbeitsblatt W 239 (A) vom Oktober 2021 — zum Einsatz von Aktivkohle im Wasserwerk, mit 22 Begriffen in Punkt 3
  3. Physisorption of gases, IUPAC Technical Report 2015 — in Pure and Applied Chemistry 87, Seite 1051 bis 1069, mit den Grenzen 2 nm und 50 nm
  4. Charakterisierung von Aktivkohle anhand der Iodzahl, Universität Duisburg-Essen — zur Definition nach DIN EN 12902 und zu Abweichungen der Labore
  5. Qualifizierungssystem Aktivkohle, Stadtwerke Düsseldorf, 28.05.2025 — mit Jodzahl, Körnung, Härte, Dichte und Asche
  6. Projekt Opt-Aktiv-C, AiF 20617N, 2019 bis 2022, DVGW — mit 52 Versuchen bei 600 und 900 Grad
  7. Bewertung der Spezifikation von Pflanzenkohle E 153, EFSA, 28.01.2026 — im EFSA Journal Band 24 Heft 1, mit Grenzen und Größe der Partikel
  8. WHO Model List of Essential Medicines, 24. Ausgabe, September 2025 — mit Aktivkohle in Punkt 4.1 als Gegenmittel
  9. DIN EN 1860-2:2023 zu Grill-Holzkohle und Briketts — mit 75 % und 60 % Kohlenstoff
  10. DIN EN 12915-1:2009 zu frischer Kohle als Korn — sowie Teil 2 zur Ware aus dem Ofen
  11. Pulveraktivkohle-Screening für die Trinkwasserreinigung, Aqua & Gas, 05.12.2025 — mit 37 geprüften Kohlen und Bestimmtheitsmaßen von 0,08 und 0,36
  12. Comtrade der Vereinten Nationen, Warennummer 3802 10, Deutschland 2024 — mit 83.897 Tonnen Einfuhr und 53.041 Tonnen Ausfuhr

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