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Arzneimittelrückstände im Trinkwasser: Belastung und Filterung

Im Trinkwasser stecken Arzneimittelrückstände im Nanogramm-Bereich. Welche Wirkstoffe nachgewiesen sind und welcher Wasserfilter sie wirklich entfernt.

Arzneimittelrückstände sind im deutschen Trinkwasser nachweisbar. Die Mengen liegen bei wenigen Nanogramm pro Liter. Ein Nanogramm ist 1 Milliardstel Gramm. Das Umweltbundesamt sieht darin für keine Altersgruppe ein Risiko. Einen Grenzwert für Arzneistoffe nennt die Trinkwasserverordnung bis heute nicht. Wer die Restmenge im Haushalt senken will, filtert sie mit Aktivkohle.

Leitungswasser im Vergleich zu Mineralwasser: enthält regelmäßig Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium und Sulfat innerhalb der TrinkwV-Grenzwerte.

Sind Arzneimittelrückstände im Leitungswasser gefährlich?

Arzneimittelrückstände im Leitungswasser bleiben weit unter jeder wirksamen Dosis, unerwünscht sind sie trotzdem. Die gemessenen Mengen liegen bei wenigen Nanogramm pro Liter und damit weit unter dem Vorsorgewert von 0,1 µg/l. Das Umweltbundesamt (UBA) sieht beim Genuss von Trinkwasser für keine Altersgruppe ein Risiko. Mit Stand 18. Dezember 2024 nennt es selbst niedrige Konzentrationen im Trinkwasser trotzdem unerwünscht. Es beruft sich dabei auf das Minimierungsgebot und auf das Leitbild eines reinen Trinkwassers.

Nachweisbar sind die Rückstände trotzdem fast überall. Die chemische Spurenanalytik erfasst heute kleinste Mengen. Vor Jahrzehnten lagen diese Mengen unter der Nachweisgrenze. Am stärksten belastet sind Flüsse, Seen und Böden. Im Grund- und Trinkwasser tauchen Arzneistoffe seltener auf, und in geringerer Menge. Mit jedem neuen Fund wächst die Sorge. Das Kundenbarometer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigt: 40 % von 1.000 befragten Haushalten machen sich Gedanken über Medikamentenrückstände im Wasser.

Für die Bewertung nutzt das UBA den gesundheitlichen Orientierungswert (GOW). Der Vorsorgewert liegt bei 0,1 µg/l, also 100 Nanogramm pro Liter, und gilt je Einzelstoff. Ein GOW ist kein Grenzwert. Er schließt die Lücke zwischen dem Nachweis eines Stoffs und seiner vollen toxikologischen Bewertung.

Rechenbeispiel Carbamazepin: Die minimale Tagesdosis des Antiepileptikums Carbamazepin beträgt 0,4 g, also 400.000 µg. Bei 2 Litern Leitungswasser täglich und einer Konzentration von 0,1 µg/l nimmt ein Erwachsener 0,2 µg pro Tag auf, im Jahr rund 73 µg. Um eine einzige Tagesdosis zu erreichen, müsste er dieses Wasser 5.479 Jahre lang trinken.

Welche weiteren Stoffe im Leitungswasser stecken, steht im Überblick zu Schwermetallen im Leitungswasser.

Welche Arzneimittel im Trinkwasser nachgewiesen wurden

Bis 2021 wiesen Labore 414 Arzneimittelwirkstoffe im Wasser nach. In Deutschland sind rund 3.000 Wirkstoffe zugelassen, verteilt auf mehr als 9.000 Präparate. Sie stammen aus Human- und Veterinärmedizin. Gefunden wird ein breites Spektrum, quer durch alle Anwendungsgebiete.

WirkstoffIndikationsgruppe
Diclofenac, IbuprofenAnalgetika, Antirheumatika
BezafibratLipidsenker
Metoprolol, SotalolBetablocker
MetforminAntidiabetika
Carbamazepin, PrimidonAntikonvulsiva, Antiepileptika
SulfamethoxazolAntibiotika
DiazepamPsychopharmaka
Amidotrizoesäure, IopamidolRöntgenkontrastmittel

Am häufigsten diskutiert wird Diclofenac. Hoch dosiert ist der Wirkstoff verschreibungspflichtig. In kleinen Dosen steckt er frei verkäuflich in Salben. Nachgewiesen wurde Diclofenac bereits in Klärschlamm, Oberflächenwasser, Grundwasser und Trinkwasser. Fachleute führen auch das Geiersterben in Indien und Pakistan in den 1990er Jahren darauf zurück. Ebenso gehen Nierenschäden bei Regenbogenforellen auf diesen Eintrag zurück.

Ibuprofen baut sich besser ab und schadet der Umwelt weniger. Der Verbrauch stieg zuletzt jedoch stark an. Deshalb taucht Ibuprofen heute punktuell im Trinkwasser auf, bisher in Spuren. Antibiotika wie Sulfamethoxazol landen aus der Humanmedizin und aus der Tierhaltung im Wasserkreislauf. Dazu kommen Hormone wie das Ethinylestradiol der Anti-Baby-Pille, über die natürliche Ausscheidung.

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Arzneimittelrückstände aus dem Trinkwasser filtern

Arzneimittelrückstände lassen sich mit Aktivkohle aus dem Trinkwasser filtern. Ein Aktivkohle-Blockfilter bindet die gelösten Wirkstoffmoleküle über Adsorption an seiner porösen Oberfläche. Ein einziges Gramm hochwertiger Aktivkohle bietet dafür rund 1.500 Quadratmeter innere Oberfläche.

Adsorption bezeichnet die Anlagerung fremder Stoffe an eine Oberfläche. Das Wasser nimmt im Filter einen langen Weg durch ein Labyrinth aus Poren. Gelöste Moleküle bleiben unterwegs an den Wänden haften und sammeln sich dort. Bei Arzneistoffen greift dieser Effekt besonders gut. Denn die meisten Wirkstoffe sind organisch aufgebaut und binden sich gern an Kohlenstoff. Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Natrium und Kalium bleiben dagegen im Wasser. Wie das Material aufgebaut ist, erklärt der Beitrag Was ist Aktivkohle?.

Entscheidend ist die Bauform. Loses Aktivkohlegranulat lässt das Wasser um die Körner herumfließen. Es bindet deshalb nur einen kleinen Teil der Rückstände. Ein Aktivkohle-Blockfilter presst die Kohle zu einem festen Block. Durch dessen feine Kanäle muss das Wasser hindurch. Am meisten bindet gesinterte Aktivkohle. Sie wurde unter Hitze und Druck zusätzlich verdichtet. Alle Bauformen im Vergleich stehen im Ratgeber Aktivkohlefilter für Wasser.

Für den Haushalt setzt Alb Filter die Aktivkohle-Kartusche ACTIVE+ ein. Sie arbeitet mechanisch, adsorptiv und katalytisch. Laut Hersteller senkt sie Arzneimittelrückstände, Hormone, Pestizide, Blei und Kupfer. Ihre Poren messen 0,7 µm und halten zusätzlich Mikroplastik zurück. Die Kartusche liefert 3.000 bis 5.000 Liter oder rund 4 Monate. Danach ist sie erschöpft.

Welche Wasserfilter gegen Medikamentenrückstände wirken

Gegen Medikamentenrückstände wirken 2 Verfahren: Aktivkohle-Blockfilter und Umkehrosmose. Ultrafiltration, UV-Desinfektion und Abkochen entfernen die Wirkstoffe nicht. Wer gezielt Arzneistoffe aus dem Leitungswasser holen will, braucht ein Verfahren, das gelöste organische Moleküle bindet oder zurückhält. UV steht dabei für ultraviolettes Licht.

VerfahrenWirkung gegen ArzneimittelrückständeEinordnung
Aktivkohle-Blockfilterhochbindet gelöste Wirkstoffe adsorptiv, Mineralstoffe bleiben erhalten
Gesinterte Aktivkohlesehr hochverdichteter Block mit größerer innerer Oberfläche
Aktivkohlegranulat (Tischkannenfilter)geringWasser fließt um die Körner herum
Umkehrosmosesehr hochhält auch Mineralstoffe zurück, erzeugt Abwasser
UltrafiltrationkeinePoren zu grob für Wirkstoffmoleküle, wirkt gegen Bakterien
UV-Desinfektionkeineinaktiviert Mikroorganismen, baut keine Moleküle ab
Abkochenkeinetötet Keime, Wirkstoffe bleiben im Wasser

Eine UV-Behandlung entfernt keine Arzneimittel aus dem Wasser. Die UV-Desinfektion ist laut DVGW das einzige in Deutschland zugelassene physikalische Desinfektionsverfahren in der öffentlichen Wasseraufbereitung. UV-C-Strahlung schädigt das Erbgut von Bakterien und Viren und schaltet sie so aus. Arzneistoffe bleiben davon unberührt. Die üblichen Dosen bauen ihre Moleküle nicht ab. Erst eine erweiterte Oxidation greift Spurenstoffe an. Dabei kommt UV-Licht mit einem Oxidationsmittel zusammen. Solche Anlagen stehen in Wasserwerken, nicht in Privathaushalten.

Ähnlich verhält es sich mit der Ultrafiltration (Membranfilterung). Die Kartusche NANO hält mit ihrer Membran Bakterien, Keime und Legionellen zurück. Der Ratgeber zu Bakterien im Leitungswasser beschreibt das im Detail. Gegen gelöste Arzneistoffe hilft eine solche Membran nicht. Ihre Poren sind zu grob, denn die Moleküle sind kleiner. Tischkannenfilter mit losem Granulat verbessern Geschmack und Geruch. Gegen Medikamentenrückstände leisten sie wenig, und es droht ein Verkeimungsrisiko bei Kannenfiltern. Eine Übersicht aller Systeme bietet die Seite Trinkwasserfilter.

Wie Arzneimittelrückstände ins Trinkwasser gelangen

Arzneimittelrückstände gelangen über 2 Hauptwege in den Wasserkreislauf. Der erste Weg ist das Abwasser aus Haushalten und Kliniken. Der zweite Weg führt über Gülle und Dünger aus der Landwirtschaft. Der Eintrag erfolgt punktuell an einzelnen Einleitstellen und diffus über große Flächen. Beide Wege enden in Gewässern und im Grundwasser.

Arzneistoffe aus der Humanmedizin

Entzündungshemmer, Asthmamittel und Mittel gegen psychische Leiden zählen zu den am häufigsten verschriebenen Humanarzneimitteln. Ihre Rückstände erreichen den Wasserkreislauf vor allem über das Abwasser. Der Körper baut einen Teil der Wirkstoffe nur unvollständig ab. Er scheidet sie danach zum Teil unverändert aus, zusammen mit ihren Abbauprodukten. Salben und Cremes waschen sich beim Duschen ab. Dazu kommen falsche Entsorgung über Toilette und Spüle, Abwässer aus der Arzneimittelherstellung sowie Krankenhausabwasser.

Arzneistoffe aus der Veterinärmedizin

Antibiotika, Mittel gegen Parasiten, Entzündungshemmer und hormonell wirksame Stoffe prägen die Veterinärmedizin. Diese Tierarzneimittel erreichen Grund- und Oberflächenwasser über Gülle, Weidehaltung und Aquakulturen. Der Weg führt meist über Versickerung und Regen. Dazu kommen verschleppte Reste im Stall, falsche Lagerung und Gärprodukte aus Biogasanlagen. In der Fischzucht gelangen Arzneimittel über das Futter direkt ins Wasser. Denselben Weg über den Boden nehmen auch Pestizide und Pflanzenschutzmittel.

Welche Folgen Arzneistoffe für Gewässer und Umwelt haben

Ob ein Arzneistoff der Umwelt schadet, hängt vom einzelnen Wirkstoff ab. Problematisch sind Stoffe mit 3 Eigenschaften zugleich: persistent, mobil und toxisch. Persistent heißt schwer abbaubar. Mobil heißt im Wasser verschleppbar. Toxisch heißt giftig für Mensch, Tier oder Umwelt.

WirkstoffNachgewiesene Auswirkung
Ethinylestradiol (Anti-Baby-Pille)beeinträchtigt die Reproduktion von Fischen
Diclofenacschädigt Leber und Niere von Fischen
Antibiotikahemmen das Wachstum von Algen und Pflanzen, fördern antibiotikaresistente Organismen
Antiparasitikaschädigen Insekten wie Bienen, vermindern den Abbau von Dung

Seit 2006 durchläuft jedes neu zugelassene Arzneimittel eine Umweltrisikobewertung. Sie prüft genau 3 Faktoren: Abbaubarkeit, Verlagerung und Toxizität. Zu Altwirkstoffen von vor 2006 liegen dagegen kaum Daten vor. Auch Mischeffekte sind wenig erforscht. Damit ist das Zusammenspiel mehrerer Arzneistoffe im selben Gewässer gemeint. Ein Teil der Umweltwirkungen bleibt deshalb bis heute unbekannt.

Wie Kläranlagen Arzneimittelrückstände zurückhalten

Konventionelle Kläranlagen halten Arzneimittelrückstände nur teilweise zurück. Ihre 3 Reinigungsstufen sind dafür nicht ausgelegt. Ibuprofen entfernen sie zu 60 bis 80 %. Beim Röntgenkontrastmittel Iomeprol sinkt der Wert auf 40 bis 50 %. Der Rest passiert das Klärwerk und fließt in den Vorfluter.

Abhilfe schafft eine vierte Reinigungsstufe. Dabei kommen Ozonung und Aktivkohle zum Einsatz, teils zusammen. Solche Verfahren entfernen bis zu 90 % der Spurenstoffe. Bisher betreiben nur einzelne Anlagen eine solche Stufe.

Die EU-Kommunalabwasserrichtlinie ändert das (Richtlinie (EU) 2024/3019). Sie trat am 1. Januar 2025 in Kraft. Alle Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten brauchen bis 2045 eine vierte Reinigungsstufe. In Risikogebieten gilt die Pflicht schon ab 10.000 Einwohnerwerten. Nach dem Verursacherprinzip tragen Hersteller von Arzneimitteln und Kosmetika mindestens 80 % der Kosten. Die EU-Länder müssen die Richtlinie bis zum 31. Juli 2027 in nationales Recht umsetzen.

Ein zweites Problem bleibt auch mit vierter Stufe bestehen. Klärschlamm dient häufig als Dünger. Landet er auf dem Feld, wandern die gebundenen Medikamentenrückstände über den Boden ins Grundwasser. Von dort erreichen sie das Trinkwasser.

Warum die Belastung bis 2045 steigt

Der Verbrauch von Humanarzneimitteln in Deutschland wächst bis 2045 um rund 70 %. Diese Prognose stammt aus einer Studie von civity Management Consultants im Auftrag des BDEW aus dem Jahr 2017. Treiber ist der demografische Wandel, also die alternde Gesellschaft. Denn der Verbrauch pro Kopf steigt mit dem Alter deutlich an.

Heute gilt die Menge an Medikamenten im Leitungswasser als ungefährlich. Bei einem Plus von 70 % verschiebt sich diese Rechnung jedoch. Das gilt, sofern Kläranlagen und Verschreibungspraxis gleich bleiben. Genau darauf zielen die vierte Reinigungsstufe und die erweiterte Herstellerverantwortung der EU ab.

Grafik zum steigenden Arzneimittelverbrauch: Laut BDEW-Studie wächst der Verbrauch von Humanarzneimitteln in Deutschland bis 2045 um rund 70 %.

Was sich selbst gegen Medikamentenrückstände tun lässt

4 Hebel liegen beim Verbraucher: die richtige Entsorgung von Altmedikamenten, ein maßvoller Umgang mit Selbstmedikation, der Verzicht auf Vorratskäufe und ein Trinkwasserfilter im Haushalt. Der Filter senkt die Belastung am Wasserhahn. Die anderen 3 senken den Eintrag ins Abwasser.

Altmedikamente gehören keinesfalls in Toilette oder Spüle. Von dort gelangen die Wirkstoffe direkt in die Kläranlage. Sie hält nur einen Teil davon zurück. Richtig entsorgt werden alte Medikamente über den Restmüll, über Apotheken auf freiwilliger Basis, über Schadstoffmobile, Sammelstellen oder Recyclinghöfe.

Neben den Verbrauchern sind 3 weitere Akteure gefragt. Politik und Wasserwirtschaft können Krankenhausabwasser separat behandeln, Kläranlagen um die vierte Reinigungsstufe erweitern und Grenzwerte für Arzneimittelrückstände im Wasser setzen. Das Gesundheitswesen kann die Umwelt schon bei der Entwicklung mitdenken, die Verschreibungspraxis anpassen und andere Therapien fördern. Die Landwirtschaft kann Dünger bodennah und passend zum Wetter ausbringen, weniger Gülle nutzen und sorgsam mit Tierarzneimitteln umgehen.

Active Plus Filterkartusche. Polymer Kartusche mit Aufnahmen aus Biopolymeren

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Häufige Fragen

Sind im Leitungswasser Medikamentenrückstände?

Ja, im Leitungswasser sind Medikamentenrückstände nachweisbar. Die Konzentration liegt bei wenigen Nanogramm pro Liter. Das Umweltbundesamt sieht darin für keine Altersgruppe ein Gesundheitsrisiko, weil diese Mengen weit unter jeder therapeutisch wirksamen Dosis liegen. Mit Stand 18. Dezember 2024 nennt es selbst diese niedrigen Konzentrationen im Trinkwasser trotzdem unerwünscht.

Kann man Medikamentenrückstände aus dem Leitungswasser filtern?

Ja. Ein Aktivkohle-Blockfilter bindet die gelösten Wirkstoffmoleküle über Adsorption an seiner porösen Oberfläche. In Kläranlagen übernehmen das Ozonung und Aktivkohle in einer vierten Reinigungsstufe, die bis zu 90 % der Spurenstoffe entfernt.

Welcher Wasserfilter entfernt Medikamentenrückstände?

Aktivkohle-Blockfilter und Umkehrosmose entfernen Medikamentenrückstände. Am wirksamsten arbeitet gesinterte Aktivkohle, weil ihre verdichtete Struktur die größte innere Oberfläche bietet. Loses Aktivkohlegranulat im Tischkannenfilter bindet dagegen nur einen kleinen Teil der Wirkstoffe.

Entfernt eine UV-Behandlung Arzneimittel aus dem Wasser?

Nein. Eine UV-Behandlung desinfiziert das Wasser und inaktiviert Bakterien und Viren. Arzneistoffmoleküle baut UV-C-Strahlung in der üblichen Desinfektionsdosis nicht ab. Dafür braucht es eine erweiterte Oxidation aus UV-Licht und Oxidationsmittel, wie sie in Wasserwerken zum Einsatz kommt.

Gibt es einen Grenzwert für Arzneimittelrückstände im Trinkwasser?

Nein. Die Trinkwasserverordnung nennt auch nach der Novelle von 2023 keinen Grenzwert für Arzneimittelrückstände. Zur Orientierung dient der gesundheitliche Orientierungswert des Umweltbundesamtes mit einem allgemeinen Vorsorgewert von 0,1 µg/l je Einzelstoff.

Sind Östrogene im Leitungswasser?

Ja, Östrogene und andere Hormone finden ihren Weg ins Trinkwasser. Hauptursachen sind die natürliche Ausscheidung von Wirkstoffen wie dem Ethinylestradiol der Anti-Baby-Pille, eine falsche Entsorgung von Medikamenten und Industrieabfälle.

Sind Antibiotika im Trinkwasser?

Ja, Antibiotika wie Sulfamethoxazol zählen zu den 414 Wirkstoffen, die bis 2021 im Wasser nachgewiesen wurden. Sie stammen aus der Humanmedizin und aus der Tierhaltung. In Gewässern hemmen Antibiotika das Wachstum von Algen und begünstigen Antibiotikaresistenzen.

Wie entsorge ich alte Medikamente richtig?

Alte Medikamente gehören in den Restmüll, zu einem Schadstoffmobil, zu einer Schadstoffsammelstelle, auf den Recyclinghof oder in eine Apotheke, die sie freiwillig annimmt. Über Toilette und Spüle entsorgte Arzneimittel gelangen direkt in den Wasserkreislauf.

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Gesundheitlicher Orientierungswert (GOW) — zum Vorsorgewert von 0,1 µg/l für nicht abschließend bewertete Stoffe
  2. Umweltbundesamt: Umweltwirkungen von Arzneistoffen — Stand 18.12.2024, zum Minimierungsgebot und zur Einordnung niedriger Konzentrationen als unerwünscht
  3. Umweltbundesamt: FAQ zur Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) — zur Pflicht der vierten Reinigungsstufe und den Fristen
  4. Richtlinie (EU) 2024/3019 über die Behandlung von kommunalem Abwasser — als Rechtstext zu Spurenstoffelimination und Herstellerverantwortung
  5. BDEW: Erweiterte Herstellerverantwortung in der Kommunalabwasserrichtlinie — zur 80-%-Kostenbeteiligung von Arzneimittel- und Kosmetikherstellern
  6. DVGW: Arzneimittelrückstände im Wasserkreislauf (Wasserinfo Nr. 54) — mit Eintragswegen und Wirkungsgraden der Abwasserreinigung
  7. DVGW: Medikamentenrückstände — zur Position der Wasserwirtschaft beim Ressourcenschutz
  8. DVGW: UV-Desinfektion in der Wasserversorgung — zur Einordnung der UV-Behandlung als Desinfektionsverfahren
  9. Trinkwasserverordnung (TrinkwV) — als Rechtsgrundlage der überwachten Grenzwerte im deutschen Trinkwasser

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