Woher kommt unser Trinkwasser? Herkunft, Aufbereitung, Qualität
67,6 % des deutschen Trinkwassers stammen aus Grundwasser. Woher der Rest kommt, wie aufbereitet wird und wo die Werte für das eigene Wasser stehen.
67,6 % des deutschen Trinkwassers stammen aus Grundwasser. Weitere 15,9 % kommen aus Oberflächenwasser, 8,7 % aus künstlich angereichertem Grundwasser und 7,8 % aus Uferfiltrat. So weist es der Bericht des Umweltbundesamts (UBA) über die Trinkwasserqualität in Deutschland für das Berichtsjahr 2022 aus. Regenwasser wird in der öffentlichen Versorgung nicht zu Trinkwasser aufbereitet.
Zwischen Herkunft und Hahn liegen vier Stationen: Gewinnung, Aufbereitung, Verteilnetz, Hausinstallation. Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) legt die Grenzwerte auf das Ende dieser Strecke fest, nämlich auf den Austritt aus der Entnahmestelle. Wer wissen will, was im eigenen Wasser steckt, findet die Werte auf der Website des zuständigen Versorgers, weil die Verordnung ihn zur Veröffentlichung verpflichtet.
Woher kommt unser Trinkwasser?
Vier Rohwasserquellen tragen die deutsche Trinkwasserversorgung. Der UBA-Bericht für 2022 erfasst 2.507 Gebiete der Wasserversorgung. Erfasst wird ein Gebiet, sobald dort mehr als 1.000 m³ Trinkwasser pro Tag verteilt oder mehr als 5.000 Personen versorgt werden. Darin leben 74,1 Mio. Menschen, also 88,6 % der Bevölkerung.
| Quelle des Rohwassers | Anteil 2022 | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| Grundwasser | 67,6 % | Wasser aus Poren und Klüften im Untergrund, gefördert über Brunnen |
| Oberflächenwasser | 15,9 % | Wasser aus Seen, Talsperren, Flüssen |
| künstlich angereichertes Grundwasser | 8,7 % | Oberflächenwasser, das gezielt versickert und als Grundwasser wieder entnommen wird |
| Uferfiltrat | 7,8 % | Flusswasser, das auf dem Weg zum Brunnen die Uferzone durchläuft |
Regional verschiebt sich das Bild stark. Bremen, Hamburg, das Saarland und Schleswig-Holstein arbeiten zu 100 % mit Grundwasser. Brandenburg liegt bei 93,4 %, Berlin bei 32,0 %. Thüringen deckt 67,0 % über Seen und Talsperren, Sachsen 46,0 % und Sachsen-Anhalt 33,5 %. Berlin bezieht 56,0 % aus Uferfiltrat, Nordrhein-Westfalen 31,0 % über die Anreicherung von Grundwasser. Wer nach der Herkunft seines eigenen Wassers fragt, bekommt die Antwort also erst auf Ebene des Versorgers.
Wie Grundwasser entsteht
Grundwasser bildet sich aus Niederschlag. Regen und Schmelzwasser sickern durch Boden und Gesteinsschichten nach unten, bis eine wasserundurchlässige Schicht den Weg stoppt. Auf dem Weg dorthin wirkt der Untergrund als Filter: Partikel bleiben hängen, Mikroorganismen werden abgebaut, gelöste Stoffe werden teilweise zurückgehalten. Je länger der Weg nach unten dauert, desto besser geschützt ist das Wasser.
Die Filterwirkung erklärt die Kernlogik der deutschen Wasserversorgung. Grundwasser braucht oft nur wenig Aufbereitung, weil der Untergrund die Arbeit vorweg erledigt hat. Genau deshalb ist es die bevorzugte Ressource. Quellwasser ist derselbe Vorgang mit anderem Ausgang: Dort tritt Grundwasser von allein an die Oberfläche.
Warum zwei Statistiken zwei Grundwasser-Anteile nennen
62,5 % gegen 67,6 %: Zwei Behörden nennen zwei Zahlen, und beide sind korrekt. Das Statistische Bundesamt (Destatis) weist für 2022 einen Grundwasseranteil von 62,5 % aus, das UBA 67,6 %. Der Unterschied liegt in der Bezugsgröße.
Destatis zählt die gesamte öffentliche Wassergewinnung nach Wasserart: über 5,32 Mrd. m³ aus der Natur, davon rund 3,33 Mrd. m³ Grundwasser (62,5 %). Dazu kommen 657 Mio. m³ aus Seen und Talsperren (12,3 %), 429 Mio. m³ Quellwasser (8,1 %) und etwa 66 Mio. m³ Flusswasser (1,2 %). Das UBA zählt dagegen die Ressourcen für das Rohwasser, aus dem in den erfassten Gebieten tatsächlich Trinkwasser verteilt wird. Beide Zahlen zusammen sind aussagekräftiger als eine allein.
Was Trinkwasser rechtlich ist
Trinkwasser ist nach § 2 TrinkwV Wasser für den menschlichen Gebrauch, im ursprünglichen Zustand oder nach Aufbereitung. Die Verordnung nennt fünf Verwendungen: Trinken, Kochen, Zubereiten von Speisen und Getränken. Dazu kommen Körperpflege und Reinigung sowie die Reinigung von Gegenständen mit Lebensmittel- oder dauerhaftem Körperkontakt. Der Aggregatzustand und der Transportweg spielen dabei keine Rolle.
Eine zentrale Anlage der Wasserversorgung beginnt bei 10 m³ Trinkwasser pro Tag. Unterhalb der Schwelle greifen andere Regeln, etwa für Gebäude- und Kleinanlagen. Die eigentliche Anforderung steht im Infektionsschutzgesetz (IfSG). § 5 TrinkwV erklärt § 37 Abs. 1 IfSG für erfüllt, wenn drei Bedingungen zusammenkommen. Die allgemein anerkannten Regeln der Technik werden eingehalten, die Anforderungen der §§ 6 bis 9 sind erfüllt, und das Wasser ist rein und genusstauglich.
Wie aus Rohwasser Trinkwasser wird
Die Aufbereitung folgt einer abschließenden Liste erlaubter Zwecke. § 18 TrinkwV nennt vier: Entfernung von Stoffen und Partikeln aus dem Rohwasser, Entfernung von Feststoffen in der Trinkwasserinstallation, Veränderung der physikochemischen Zusammensetzung, Desinfektion. Was auf der Liste fehlt, ist unzulässig.
Der dritte Zweck ist der unauffälligste und praktisch der wichtigste. Er erlaubt vier Eingriffe: die Einhaltung der Anforderungen bis zur Entnahmestelle sichern, korrosionschemische Eigenschaften einstellen, Leckagen suchen sowie den Calcium- und Magnesiumgehalt einstellen. Damit wird Wasser auch dann behandelt, wenn es bereits alle Grenzwerte hält. Der Grund ist das Rohr: Aggressives Wasser löst Metalle aus dem Material, und Korrosion kostet Netzsubstanz.
Drei Regeln begrenzen das Verfahren zusätzlich. § 19 Abs. 2 formuliert die erste knapp. Wörtlich: "Andere Stoffe als Aufbereitungsstoffe dürfen dem Rohwasser und dem Trinkwasser nicht zugesetzt werden."
Erlaubt sind nur Stoffe und Verfahren zur Desinfektion von der Liste des UBA nach § 20. Nach § 19 Abs. 6 sind Aufbereitungsstoffe am Ende vollständig zu entfernen, sofern sie nicht ausdrücklich im Wasser verbleiben sollen.
Unvermeidbare Reste müssen drei Bedingungen erfüllen. Sie müssen technologisch unwirksam und in ihrer Menge gesundheitlich unbedenklich sein. Färbung, Geruch und Geschmack dürfen darunter nicht leiden. Setzt ein Versorger einen neuen Aufbereitungsstoff ein, muss er das nach § 26 den Verbrauchern schriftlich mitteilen, samt Konzentration im Trinkwasser. Bei zentralen Anlagen genügt dafür die Bekanntgabe in örtlichen Tageszeitungen, weshalb solche Mitteilungen leicht übersehen werden.
Zur Chlorung lohnt eine Einordnung. Desinfektion ist einer der vier zulässigen Zwecke, aber kein Standard: Wo das Rohwasser gut geschützt ist, arbeiten Wasserwerke ohne sie. Details dazu stehen im Ratgeber Chlor im Trinkwasser.
Vom Wasserwerk bis zum Hahn
5.599 Wasserversorger sicherten 2022 die Versorgung. 4.155 davon gewannen das Wasser selbst und betrieben dafür über 15.200 Anlagen zur Wassergewinnung. Das Verteilnetz dahinter hat laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rund 544.000 km Länge (Stand 2020). An die Endverbraucher gingen 2022 rund 4,67 Mrd. m³, davon 81,5 % an Haushalte und Kleingewerbe.
Entscheidend ist, wo die Grenzwerte gelten. § 10 TrinkwV verlangt die Einhaltung "am Austritt aus den Entnahmestellen für Trinkwasser", also am Hahn und nicht am Ausgang des Wasserwerks. Damit umfasst die Anforderung ausdrücklich die letzten Meter durch das Gebäude.
Ab dem Hausanschluss haftet der Eigentümer, nicht der Versorger. Die Trinkwasserinstallation im Haus gehört zum Verantwortungsbereich des Anschlussnehmers. Dort entscheiden drei Faktoren über die Qualität: das Rohrmaterial, das Alter der Leitungen und die Standzeit des Wassers. Blei ist seit dem 12. Januar 2026 nach § 17 TrinkwV vollständig verboten. Verzinkte Stahlrohre und alte Kupferleitungen bleiben ein Thema. Wasser, das über Nacht in der Leitung stand, nimmt aus dem Material mehr auf als frisch nachgelaufenes. Dazu kommt die Temperatur. Legionellen finden zwischen 25 und 45 Grad Celsius die besten Bedingungen. § 31 TrinkwV sieht deshalb eigene Untersuchungspflichten für Legionella spec. vor.
Ein Filter an der Entnahmestelle setzt genau an dem Abschnitt an, den kein Versorger erreichen kann. Welche Kartusche welche Aufgabe erfüllt, steht in der Übersicht der Trinkwasserfilter. Für das Netz davor bleibt der Versorger zuständig, und dessen Werte sind öffentlich.
Warum das Wasser sauber ankommt
Mindestens einmal im Jahr muss der Betreiber die Schutzzonen seiner Anlage besichtigen. § 27 TrinkwV verlangt dabei die Prüfung auf Umstände, die ihm bislang unbekannt waren und die Qualität beeinträchtigen können. Fällt etwas auf, folgen angepasste Untersuchungen des Rohwassers. Die Ergebnisse sind schriftlich zu dokumentieren und zehn Jahre verfügbar zu halten. Gibt es keine festgesetzten Schutzzonen, gilt die Pflicht für die Umgebung der Wasserfassung.
Seit der Fassung von 2023 kommt ein zweites Instrument hinzu. § 34 TrinkwV verpflichtet Betreiber zentraler Anlagen zu einem kontinuierlichen Risikomanagement über die ganze Kette. Zwei Fristen gelten dafür: bis zum 12. Januar 2029 für Anlagen mit mehr als 100 m³ pro Tag oder mehr als 500 versorgten Personen, bis zum 12. Januar 2033 für die kleineren ab 10 m³ oder 50 Personen. Danach ist das Risikomanagement in Abständen von höchstens sechs Jahren zu überprüfen.
Beide Pflichten erklären die hohe Qualität besser als Stichproben allein. Kontrolliert wird nicht nur der Messwert am Hahn, sondern auch das Einzugsgebiet davor.
Wie gut ist die Trinkwasserqualität?
Über 99 % der untersuchten Proben halten die gesetzlichen Anforderungen ein, und zwar bei nahezu allen mikrobiologischen und chemischen Qualitätsparametern. So fasst es der UBA-Bericht für den Zeitraum 2020 bis 2022 zusammen. Die Bewertung bezieht sich auf die berichtspflichtigen Versorgungsgebiete, also auf 88,6 % der Bevölkerung.
Bei den Pflanzenschutzmittel- und Biozidwirkstoffen wird der Bericht konkret. Von 349 untersuchten Wirkstoffen und Metaboliten überschreiten 14 in bis zu 1 % der darauf untersuchten Proben den Grenzwert von 0,00010 mg/l. Der Bericht ordnet ein, dass daraus keine Gesundheitsgefahr resultiert, weil der Grenzwert aus Gründen der Vorsorge weit unterhalb der toxikologisch abgeleiteten Konzentration liegt.
Zur Quote gehören zwei Einschränkungen. Kleine Gebiete unter der Berichtsschwelle fehlen in der Statistik, ebenso Hausinstallationen als eigene Fehlerquelle. Und eine Quote von über 99 % bedeutet nicht null: Einzelne Überschreitungen gibt es, und für sie greifen die Melde- und Handlungspflichten weiter unten.
Was die Trinkwasserverordnung tatsächlich regelt
Die Anlagen 1 bis 3 der TrinkwV enthalten 59 Parameter mit Grenzwert oder Anforderung: 3 mikrobiologische, 34 chemische und 22 Indikatorparameter. Anlage 4 regelt zusätzlich die radiologischen Anforderungen. Pestizide stehen dabei ausdrücklich in Anlage 2, mit 0,00010 mg/l je Einzelsubstanz und 0,00050 mg/l für die Summe. Für Aldrin, Dieldrin, Heptachlor und Heptachlorepoxid gilt ein strengerer Wert von 0,000030 mg/l.
Wie die Verordnung nachgezogen hat, zeigen zwei Parameter. Für Bisphenol A gilt seit dem 12. Januar 2024 ein Grenzwert von 0,0025 mg/l. Für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) gelten zwei Summenwerte. Sie liegen bei 0,00010 mg/l für 20 Stoffe und bei 0,000020 mg/l für vier besonders relevante. Die Verfahren zur Untersuchung legt § 43 TrinkwV auf genormte Methoden fest. Mit den somatischen Coliphagen hat die Fassung von 2023 zusätzlich einen Virus-Indikator aufgenommen. Was die Verordnung im Detail vorschreibt, steht im Ratgeber Trinkwasserverordnung.
Was der Versorger veröffentlichen und melden muss
Sieben Punkte muss der Betreiber einer zentralen Anlage nach § 46 TrinkwV auf einer Internetseite bereitstellen. Damit wird die eigene Wasserqualität zur Adressfrage statt zur Recherchefrage.
| Was veröffentlicht werden muss | Wofür es gebraucht wird |
|---|---|
| Betreiber, Versorgungsgebiet, Anzahl versorgter Personen, Verfahren der Gewinnung und Aufbereitung samt eingesetzter Stoffe | Herkunft und Behandlung des Wassers |
| aktuelle und repräsentative Messwerte mit Grenzwert, nicht älter als ein Jahr | der Abgleich der eigenen Werte mit dem Grenzwert |
| Wasserhärte plus Calcium, Magnesium und Kalium in mmol/l und mg/l | Dosierung von Waschmittel, Kaffee, Spülmaschine |
| weitere Parameter für die Auswahl von Werkstoffen | Materialwahl bei Sanierung der Leitungen |
| Gesundheits- und Gebrauchshinweise nach Mitteilung des Gesundheitsamts | akute Warnungen |
| Information über das Risikomanagement der Anlage | Umgang des Versorgers mit Gefahren |
| Empfehlungen zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser | eigener Verbrauch |
Der dritte Punkt beantwortet nebenbei die häufigste Praxisfrage. Wer wissen will, ob sein Wasser hart oder weich ist, findet den Wert dort statt im Teststreifen. Was hartes Wasser praktisch bedeutet, steht im Ratgeber Kalk im Wasser.
Trinkwasserwarnung und Abkochgebot
Ordnet das Gesundheitsamt Maßnahmen zur Gefahrenabwehr an, greift § 52 TrinkwV mit fünf Pflichten für den Versorger. Er muss die betroffenen Verbraucher unverzüglich über das Risiko, dessen Ursache und die getroffenen Maßnahmen informieren, einschließlich Verwendungsverboten. Er muss Ratschläge zum Trinkwasserkonsum geben, ausdrücklich auch zur Vermeidung von Stagnationswasser.
Drei weitere Pflichten kommen hinzu. Besonders betroffene Verbrauchergruppen sind gesondert zu informieren und auf Eigenschutz hinzuweisen. Ist das Risiko nachweislich beseitigt, muss der Versorger auch die Wiederaufnahme des Normalbetriebs bekannt geben. Und andere Versorger, die Wasser aus der betroffenen Anlage übernehmen, sind ebenfalls zu unterrichten. Ein Abkochgebot ist damit kein informeller Hinweis, sondern die Folge einer behördlichen Anordnung mit dokumentierter Ursache.
Was im Trinkwasser steckt
22 Indikatorparameter überwacht die Verordnung an Stoffen, die im Wasser gelöst sind. Trinkwasser ist keine reine Verbindung aus zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom. Gelöst enthält es Mineralstoffe aus dem durchflossenen Gestein, vor allem Calcium und Magnesium, die zusammen die Wasserhärte bilden. Dazu kommen Natrium, Kalium, Sulfat und Chlorid.
Zu den Stoffen mit der häufigsten Nachfrage gibt es jeweils einen eigenen Ratgeber. Die Gesamtübersicht steht in Inhaltsstoffe im Leitungswasser. Zum Grenzwert von 50 mg/l und zur Lage im Grundwasser führt Nitrat im Grund- und Trinkwasser.
Vier weitere Stoffgruppen haben eigene Seiten mit Grenzwert und Messlage: Pestizide und Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle, Bakterien und Arzneimittelrückstände. Wie solche Werte überhaupt ermittelt werden, erklärt Wie man Wasserqualität misst.
Ob das Wasser aus der Leitung damit gesund ist, behandelt der Ratgeber Ist Leitungswasser gesund mit den Zahlen zu Symptomen und Beschwerden.
Wie viel Wasser wir nutzen
126 Liter je Einwohner und Tag betrug die Wasserabgabe 2022. Der Wert ist eine Abgabemenge der Versorger je Einwohner, kein am Wasserhahn gemessener Haushaltsverbrauch. Er sinkt langfristig: 1991 lag er bei 144 Litern, 2010 und 2013 bei 121, 2016 bei 123 und 2019 bei 128 Litern.
An das öffentliche Netz angeschlossen waren 2022 99,5 % der Haushalte und Kleingewerbe, gegenüber 97,9 % im Jahr 1991. Von den rund 4,67 Mrd. m³ abgegebenem Wasser gingen 3,80 Mrd. m³ an Haushalte und Kleingewerbe, 862 Mio. m³ an gewerbliche Großabnehmer. Der Anteil, der wirklich getrunken wird, liegt bei wenigen Litern pro Person und Tag.
Fazit: Herkunft klar, Verantwortung geteilt
Zwei Drittel des deutschen Trinkwassers kommen aus Grundwasser, der Rest aus Seen und Talsperren, angereichertem Grundwasser und Uferfiltrat. Die Aufbereitung ist auf vier Zwecke und eine Positivliste begrenzt. Über 99 % der Proben halten die Anforderungen ein, gemessen in Gebieten mit 88,6 % der Bevölkerung.
Die Verantwortung teilt sich an einer klaren Linie. Bis zum Hausanschluss liegt sie beim Versorger, der seine Werte nach § 46 TrinkwV veröffentlichen muss. Ab dem Hausanschluss liegt sie beim Eigentümer, während der Grenzwert nach § 10 TrinkwV trotzdem erst am Hahn gilt. Wer die eigenen Zahlen kennen will, beginnt beim Versorger und schaut dann auf Material, Alter und Standzeit der eigenen Leitungen.
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Häufige Fragen
Woher kommt das Trinkwasser in Deutschland?
Aus vier Quellen. Nach dem UBA-Bericht für 2022 stammen 67,6 % aus Grundwasser und 15,9 % aus Oberflächenwasser wie Seen und Talsperren. Weitere 8,7 % kommen aus künstlich angereichertem Grundwasser, 7,8 % aus Uferfiltrat. Das Statistische Bundesamt weist für die gesamte öffentliche Wassergewinnung 62,5 % Grundwasser aus, weil es eine andere Bezugsgröße zählt.
Wo kommt mein Leitungswasser her, wenn ich in der Stadt wohne?
Herkunft und Anteile hängen vom Bundesland und vom Versorger ab. Berlin bezieht 56,0 % aus Uferfiltrat und nur 32,0 % aus Grundwasser, Hamburg dagegen 100 % aus Grundwasser. Nordrhein-Westfalen deckt 31,0 % über künstlich angereichertes Grundwasser. Der genaue Wert steht nach § 46 TrinkwV auf der Website des zuständigen Versorgers.
Wird Regenwasser zu Trinkwasser aufbereitet?
Nein. Der UBA-Bericht formuliert das eindeutig. Wörtlich: "Regenwasser wird in der zentralen öffentlichen Wasserversorgung Deutschlands nicht zu Trinkwasser aufbereitet." Regen liefert das Trinkwasser indirekt, indem er versickert und Grundwasser bildet.
Was gilt rechtlich als Trinkwasser?
Nach § 2 TrinkwV ist Trinkwasser Wasser für den menschlichen Gebrauch, im ursprünglichen Zustand oder nach Aufbereitung. Erfasst sind Trinken, Kochen, die Zubereitung von Speisen und Getränken, Körperpflege und -reinigung sowie die Reinigung von Gegenständen mit Lebensmittel- oder Körperkontakt. Eine zentrale Wasserversorgungsanlage beginnt bei 10 m³ pro Tag.
Wie sauber ist unser Leitungswasser?
Bei nahezu allen mikrobiologischen und chemischen Parametern halten über 99 % der Proben die Anforderungen ein. Bei Pflanzenschutzmitteln überschreiten 14 von 349 untersuchten Wirkstoffen und Metaboliten in bis zu 1 % der Proben den Grenzwert von 0,00010 mg/l. Die Statistik erfasst Versorgungsgebiete mit 88,6 % der Bevölkerung.
Wo finde ich die Werte für mein eigenes Wasser?
Auf der Website des Versorgers. § 46 TrinkwV verpflichtet Betreiber zentraler Anlagen, Untersuchungsergebnisse mit Grenzwerten zu veröffentlichen, jeweils nicht älter als ein Jahr. Dazu kommen Wasserhärte sowie Calcium-, Magnesium- und Kaliumgehalt in Millimol und Milligramm pro Liter.
Was bedeutet ein Abkochgebot?
Ein Abkochgebot folgt aus einer behördlichen Anordnung. Ordnet das Gesundheitsamt Maßnahmen zur Gefahrenabwehr an, muss der Versorger nach § 52 TrinkwV unverzüglich über Risiko, Ursache und Verwendungsverbote informieren. Er muss auch bekannt geben, wann der Normalbetrieb wieder aufgenommen wird.
Wie viel Trinkwasser nutzt eine Person am Tag?
126 Liter im Jahr 2022, gemessen als Wasserabgabe je Einwohner und Tag. Der Wert ist seit 1991 gesunken, damals lag er bei 144 Litern. Getrunken wird davon nur ein kleiner Teil, der größte Anteil geht an Toilette, Dusche und Waschmaschine.
Quellen
- Umweltbundesamt und Bundesministerium für Gesundheit: Bericht über die Trinkwasserqualität in Deutschland 2020 bis 2022, Reihe Umwelt und Gesundheit 03/2025
- Statistisches Bundesamt: Öffentliche Wasserversorgung 2022, Pressemitteilung Nr. 304 vom 8. August 2024
- Statistisches Bundesamt: Anschlussgrad sowie Wasserabgabe je Einwohner und Tag, 1991 bis 2022
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV), §§ 2, 5, 10, 17, 18, 19, 20, 26, 43, 46, 52 sowie Anlagen 1 bis 4
- Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: Trinkwassernetz in Deutschland, Presseinformation vom 22. Juni 2020