Unser Leitungswasser

Was kommt aus Deutschlands Wasserhähnen?

Das Trinkwasser in Deutschland gilt als streng kontrolliert. Doch wie sieht die Realität aus? Ein kurzer Exkurs in Deutchlands Wasserleitungen.

Trinkwasser – Situation in Deutschland

Das deutsche Trinkwasser gilt als das am besten überwachte Lebensmittel und unterliegt strengen gesetzlichen Kontrollen. Und auf den ersten Blick ist das Trinkwasser in Deutschland auch recht gut. Die Qualität beruht auf Grenzwerten für Schadstoff-Konzentrationen, die in der Trinkwasserverordnung festgelegt wurden. Darin sind etwa 50 chemische, mikrobiologische und radiologische Schadstoffwerte als Grenzwerte definiert, die von den Wasserversorgern kontrolliert und eingehalten werden müssen. Doch das bedeutet nicht, dass anschließend keine Schadstoffe mehr enthalten sind, denn die Trinkwasserverordnung deckt nur einen Bruchteil aller möglichen Verunreinigungen ab, viele Schadstoffe sind in dieser Verordnung gar nicht berücksichtigt.

Trinkwasseraufbereitung durch öffentliche Wasserversorger ist immer ein Kompromiss aus technischen Möglichkeiten, Kostenaspekten und gesundheitlicher Verträglichkeit sowie politischer Interessen. Dazu kommt in vielen Städten ein marodes, in die Jahre gekommenes Trinkwassernetz sowie sanierungsbedürftige Wasserleitungen in Wohnanlagen und Altbauten, welche die Trinkwasserqualität ebenfalls durch viele Unbekannte beeinflussen.

Für die meisten Verbraucher ist der Weg ihres Trinkwassers in Wahrheit eine „Black Box“ und die Wasserqualität beruht oft mehr auf Hoffnung als auf Wissen.

Was macht gesundes Wasser aus?

Öffentliche Wasserversorger müssen die Trinkwasserqualität für alle Verbraucher sicherstellen. Die Belastung unseres Trinkwassers durch negative Umwelteinflüsse steigt stetig. Gleichzeitig verursachen Keime und Gifte im Wasser schwere Krankheiten und Veränderungen an uns Menschen. Fehlende Grenzwerte bzw. eine lasche und zu langsame Gesetzgebung verschlimmern die Situation noch.

Der Gesetzgeber überwacht neben der Keimbelastung des Trinkwassers auch den Anteil an Pflanzenschutzmitteln und Schwermetallen. Nicht überwacht werden bisher hormonähnlich wirkende Substanzen, Arzneimittelrückstände sowie Parasiten.

Noch immer sind gesundheitsschädliche Stoffe im Trinkwasser enthalten. Wasserwerke müssten laufend aufgerüstet werden, doch meist sind sie unzureichend ausgestattet. Aufgrund fehlender oder veralteter Aufbereitungstechnik liefern sie noch immer zeitweise keimbelastetes Wasser an Verbraucher. Studien zeigen, dass in Deutschland von bis zu 50% der kleineren Trinkwasserversorgungen regelmäßig die Grenzwerte für Fäkalkeime überschritten werden.

Umweltgesetze sind nicht streng genug

Allgemein gilt: Leitungswasser muss so beschaffen sein, dass eine Schädigung der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt nicht zu befürchten ist. Es muss frei von Verunreinigungen und Schadstoffen sein. Um diese im Leitungswasser so gering wie möglich zu halten, wurden in Deutschland durch die Trinkwasserverordnung Grenzwerte für die bekanntesten Inhaltsstoffe festgelegt.

Diese Grenzwerte werden regelmäßig überarbeitet, sobald ein neuer Schadstoff im Trinkwasser auftritt oder neue Erkenntnisse über negative Auswirkungen eines bestehenden Inhaltsstoffes festgestellt werden. Die Aussage des Umweltbundesamtes ist nicht falsch, wenn sie behaupten, dass unser Trinkwasser alle Richtlinien erfüllt, da die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung eingehalten werden. Aber reicht das wirklich aus?
Mittlerweile gibt es Grenzwerte für circa 50 verschiedene Stoffe. Zu den nicht gelisteten Inhaltsstoffen zählen Medikamentenrückstände, Mikroplastik und Pestizide, obwohl eine schädliche Auswirkung dieser Stoffe ab einer bestimmten Konzentration oder Kombination mit anderen Stoffen bekannt ist.

Unzeitgemäße Analyseverfahrenerfahren

Die unvollständige Überwachung von Schadstoffen ist eigentlich schon bedenklich genug, doch dazu kommt oft auch noch eine unzeitgemäße Analyse. Gemäß Trinkwasserverordnung müssen Keime im Trinkwasser noch immer nur mittels der mittlerweile über 100 Jahre alten Ausstrichmethode ermittelt werden. Man weiß jedoch, dass nur 0,1 – 1% der im Trinkwasser vorhandenen Bakterien zur Bildung von Kolonien neigen, die dann auf einem Ausstrich überhaupt zählbar sind.

Moderne, hochauflösende Analysemethoden wie die Durchflusszytometrie haben jedoch gezeigt, dass die Konzentration von Keimen im Leitungswasser wesentlich höher ist, als lange Zeit angenommen. So haben beispielsweise Untersuchungen in München ergeben, dass durch die Trinkwasserversorgung der Stadt zwischen 8.000 und 100.000 Keime pro ml in Gebäude eingespült werden. Insgesamt eine Mixtur aus unschädlichen Bakterien, aber auch Krankheitserregern wie Legionellen, Pseudomonaden und Organismen wie Amöben. In Verbindung mit im Wasser enthaltenen Nährstoffen, wie Nitraten, Phosphaten oder gelösten organischen Bestandteilen kann das zu einer starken Vermehrung von Keimen und Krankheitserregern in den Leitungsnetzen der Gebäude führen.

Keime vermehren sich auf dem Weg ins Gebäude

Selbst wenn die die Messwerte beim Wasserversorger noch innerhalb der Grenzwerte liegen, ist zu bedenken, dass sich Keime auf dem Weg zum Gebäude des Verbrauchers in den Rohrleitungen und dann später im Gebäude weiter vermehren. Je älter das Haus oder die Einrichtung und je länger eine Grundsanierung zurückliegt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die meisten Verunreinigungen im Trinkwasser aus den Rohrleitungen selbst kommen. Alte Kupferrohre, verzinkte Bleirohre, beschädigte Dichtungen oder auch inaktive Leitungsstränge: Alle stellen eine konkrete Gefahr für die Wasserqualität und die Gesundheit des Menschen dar. Sei es durch die stark erhöhte Abgabe von Inhaltsstoffen oder verbesserte Wachstumsbedingungen für Bakterien.

Das führt häufig zu einer massiven Keimbelastung in Gebäuden. Daher ist ein Schutz vor Bakterien und Keimen für die eigene Gesundheit äußerst wichtig. Für die optimale Trinkwasserqualität muss man selbst sorgen.

Neue Trinkwasserregeln des europäischen Parlaments

Im Oktober 2018 hat es einen europäischen Parlamentsbeschluss für Maßnahmen gegeben, die das Vertrauen der Verbraucher in Leitungswasser stärken sollten. Demnach sollen die Grenzwerte bestimmter Schadstoffe wie Blei und die für schädliche Bakterien, hormonwirksame Stoffe (endokrine Disruptoren) sowie die Überwachung des Gehalts an Mikroplastik verschärft werden. Doch gibt es zahlreiche Schadstoffe, die noch immer nicht berücksichtigt werden. Die Umsetzung der neuen Werte in den Wasserwerken lassen sich jedoch nur schwer kontrollieren.

Zumindest Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen wie Chlorgeruch und Chlorgeschmack, hoher Kalkanteil sowie Schmutzpartikel, Rost und Trübungen lassen sich erkennen und zeigen, dass unser Leitungswasser in Bad und Küche – gerade in Altbauten – teilweise Qualitätsmängel hat.

Der Wasserkreislauf: Wie gelangen die Inhaltsstoffe in unser Wasser?

Nährstoffe wie auch Schadstoffe gelangen teilweise auf natürliche Weise in unsere Trinkwasser-Versorgungskette. Mineralien lösen sich im Boden. Regenwasser kann Rückstände von Industrieabgasen oder Tierausscheidungen enthalten und im Grundwasser finden sich Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln.
Weitere Verunreinigungen entstehen durch alte Rohrleitungen im eigenen Haus, die nicht von den Wasserwerken überprüft werden können.

Nährstoffe in unserem Trinkwasser

Der Körper benötigt Nährstoffe, um seine verschiedensten Funktionen aufrecht zu erhalten und zu unterstützen. Dies beinhaltet unter anderem den Gewebe- und Zellaufbau, Stärkung der Knochen und Gelenke oder auch die Unterstützung des Nervensystems.
Nährstoffe werden in diesem Kontext in Makromineralien und Spurenelemente unterschieden. Makromineralien (z.B. Natrium) sind Elektrolyte, die der menschliche Körper in größeren Mengen von bis zu fünf Gramm oder auch mehr benötigt. Spurenelemente (z.B. Kupfer) werden in deutlich geringeren Mengen benötigt.

Im Normalfall reicht die im Trinkwasser enthaltene Menge an Nährstoffen nicht aus, um den Bedarf des menschlichen Körpers abzudecken. Bei manchen Nährstoffen ist dies auch nicht notwendig, da sie auch durch die Nahrungsmittelaufnahme dem Körper zugeführt werden.

Wissenswert: Eine zu hohe Aufnahme von Nährstoffen – wie beispielsweise Kupfer – kann zu schädlichen Nebenwirkungen führen oder auch Schäden an Organen anrichten. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind hiervon betroffen. Die Trinkwasserverordnung gibt hier Aufschluss über die gesetzten Grenzwerte.

Welche Verunreinigungen können im Wasser enthalten sein?

Sauberes Wasser ist leider nicht selbstverständlich. Auch öffentliche Wasserversorger können nicht immer optimale Wasserqualität gewährleisten – die Gründe haben wir oben beschrieben. Das kann zu Gesundheitsgefährdungen aus dem Trinkwasser führen. Vor allem in Anbetracht der großen Menge an Wasser, die wir während unseres Lebens zu uns nehmen, können selbst kleinste Mengen mancher Substanzen in unserem Körper bereits wesentliche Wirkungen erzielen.

Trinkwasser in Deutschland

Alle Stoffe welche im Wasser negative Auswirkungen für Tiere, Pflanzen und Menschen haben gelten als Verunreinigungen und sollten wenn überhaupt nur in begrenzter Mengen enthalten sein. Bezugnehmend auf den gesetzlichen Rahmen kann man analog zu den Richtlinien der Trinkwasserverordnung die Verunreinigung des heimischen Leitungswassers in chemische und mikrobiologische Parameter einteilen.

Unser Trinkwasser bringt also nicht nur gesundheitsfördernde Nährstoffe mit sich, sondern leider auch eine große Auswahl an Schadstoffen. Darunter zählen mitunter Mikroorganismen, Schwermetalle, Arzneimittelrückstände, Pflanzenschutzmittel oder auch Mikroplastik. Diese Stoffe sollten nach Möglichkeit überhaupt nicht in den Körper des Menschen gelangen.

In der Trinkwasserverordnung sind lediglich Grenzwerte für Schadstoffe hinterlegt, deren Kurz- und Langzeitwirkung auf den menschlichen Körper erforscht wurden. Beispielsweise gibt es für Arzneimittelrückstände oder auch Mikroplastik aktuell keine gesetzlich festgelegten Grenzwerte, wodurch auch keine explizite Filterung dieser Stoffe durch die Wasserwerke erfolgt. Wenn man diese besonderen Schadstoffe filtern möchte, empfiehlt sich ein separater Aktivkohlefilter.

Weichmacher

Weichmacher (Phtalate) kommen laut Studien der WHO in geringen Konzentrationen sowohl im Regen-, Fluss- und Grundwasser als auch in Mineralwasser in Flaschen vor – im Wesentlichen aus den Dichtungskappen der Verschlüsse. Bisher gibt es hierzu noch kaum wissenschaftlich belastbare Daten. In Tierexperimenten mit Ratten und Mäusen wurden insbesondere Wirkungen an den Organen Leber, Niere und Hoden sowie ein vermindertes Körpergewicht festgestellt. Auch das Geburtsgewicht sowie die Anzahl der Nachkommen reduzierte sich, teilweise traten auch Missbildungen auf.

Kalk

Der gelöste Kalk in Leitungswasser hat keinen direkten negativen Einfluss auf die menschliche Gesundheit. So führt er nicht zu „Verkalkung“ der Arterien. Doch Kalk hat störende Nebeneffekte. Denn er verändert den Geschmack von Wasser, auch die Qualität von Tee oder Kaffee wird davon beeinträchtigt. Kalkrückstände verschmutzen Oberflächen von Armaturen, Fließen und Sanitärkeramik. Dies ist nicht nur ein optisches, sondern auch hygienisches Problem, da Kalkablagerungen ein optimaler Untergrund sind für die Bildung eines Biofilms, dem Nährboden für Bakterien wie z.B. Legionellen. Das Risiko einer Kontamination des Wasserleitungsnetzes steigt mit zunehmender Verkalkung.
Nicht zuletzt kostet die Verkalkung z.B. des Wärmetauschers unnötig Energie, weil dessen Effizienz sinkt.