Chlor

Was hat Chlor im Trinkwasser verloren?

Oft denkt man beim Thema Chlor als Erstes an seine Kindheit: Besuche im Schulschwimmbad und damit verbunden ein unverkennbarer, beißender Geruch, den man nie vergisst. Das Halogen Chlor, eine aggressive Verbindung, war lange Zeit das Mittel der Wahl bei der Wasserdesinfektion. Chlor ist eine vielseitige Chemikalie: In der Industrie ist es ein Grundstoff zur Herstellung zahlreicher organisch-chemischer Verbindungen, zum Beispiel Chloralkane. Chlorgas ist ein tödliches Gift.

Zum Schutz des Wassers wird Chlor von Wasserbetrieben in Deutschland allerdings nur in kleinen Mengen zugesetzt, die nach offiziellem Stand unbedenklich sind. Auch in Schwimmbädern riecht es heutzutage weitaus weniger nach Chlor als vor zwanzig oder dreißig Jahren. Trotzdem gerät das Thema „Chlor im Wasser“ immer wieder in die Diskussion, denn Studien sagen ihm auch in kleinen Mengen möglicherweise schwere gesundheitsgefährdende Wirkungen nach.

Chemisches Element Chlor aus dem Periodensystem mit Ordnungszahl

Chlor und Chlorung des Wassers

Das Halogen Chlor wird in der Trinkwasseraufbereitung eingesetzt, um Bakterien und andere Krankheitserreger sicher abzutöten. Diesen Vorgang nennt man Chlorung. Durch ihn entsteht in Abhängigkeit vom pH-Wert ein Gleichgewicht aus Chlor, hypochloriger Säure und Salzsäure im Wasser. Für die Zuführung von Chlor ins Leitungswasser gelten die strengen Vorschriften der Trinkwasserverordnung (§ 11 TrinkwV). Diese enthält eine Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren, die regelmäßig aktualisiert wird.1

Chlormessstreifen zum Testen vom Wasser

Ergänzt wird diese Regelung durch Vorgaben zu Methodik und Maßnahmen zur Desinfektion im Regelwerk der Wasserversorger, deren Verband DVGW entsprechende Arbeitsblätter herausgegeben hat.2 Dazu gehören auch Maßnahmen, die das Entstehen gefährlicher Verbindungen wie Trihalogenmethan verhindern sollen. Man geht davon aus, dass dank dieser strengen Normen im Regelfall keine Gefahr für den Verbraucher durch Chlor im Leitungswasser entsteht. Dies liegt vor allem am niedrigen Grenzwert von 0,3 Milligramm Chlor pro Liter, den das Regelwerk für Leitungswasser in Deutschland vorgibt. Es gibt jedoch Ausnahmesituationen wie Notfallchlorungen und potenzielle Risiken durch Langzeitbelastungen, ganz besonders wenn Nebenprodukte, sogenannte „Disinfection Byproducts“, zum Verbraucher gelangen.

Außergewöhnliche Situationen – wie kommt Chlor ins Wasser?

Wasserwerke stehen vor allem durch den Klimawandel vor neuen Herausforderungen. Insbesondere Stark- und Sturzregen können zu einer erhöhten Keimbelastung des Wassers führen. Fällt in kurzer Zeit eine enorme Regenmenge, so kann der Boden nicht mehr als natürlicher Filter wirken. Als zum Beispiel im Februar 2012 im Bayerischen Mangfalltal Starkregen zur Verunreinigung des Wassers führte, wurde das Münchner Leitungswasser gechlort. In Rosenheim wurden die Bürger aufgefordert, das gechlorte Leitungswasser abzukochen. Für Wasserbetriebe gilt dabei der Fäkalkeim E. coli als sogenannter „Zeigerkeim“: Er darf sich nicht im Trinkwasser befinden. Taucht er auf, werden Maßnahmen ergriffen, in der Regel eine Chlorung. 

Wasser abkochen mindestens 5 Minuten bei E.Coli Belastung

Ohne Wasserfilter wird empfohlen Leitungswasser bei akuten Verunreinigungen mindestens min. 5 Minuten abzukochen.

Generell hängt es sehr stark von der Bodenbeschaffenheit einer Region ab, ob regelmäßig oder nur in außergewöhnlichen Situationen gechlort werden muss. 80 Prozent der Einwohner Deutschlands beziehen ihr Trinkwasser aus tief gelegenen Grundwasserreservoirs, die gut vor verkeimtem Regenwasser geschützt sind. In München muss man rund einmal im Jahr chloren, wenn der Boden durch Starkregen gesättigt ist. Anders sieht es jedoch in karstigen Regionen wie der Schwäbischen und der Fränkischen Alb aus.3

Chlor wird auch zum Bleichen und für andere Verfahren in industriellen Prozessen eingesetzt. 40 Millionen Tonnen der Chemikalie werden jedes Jahr verwendet. Daher kommt es auch in Abwässern vor, insbesondere im Abwasser von Schlachthöfen und fischverarbeitenden Betrieben. Chlor kann daher prinzipiell auch durch Abwässer ins Trinkwasser gelangen.

Gefahren durch Chlor im Wasser

Da krankmachende Keime im Wasser eine unmittelbare Gefährdung der Bevölkerung darstellen können, überwiegt in der Abwägung immer das Argument, Chlor zur sicheren Desinfektion einzusetzen. Trotz des streng kontrollierten Einsatzes kommt es aber immer wieder zu Diskussionen darüber, welche Folgen Chlor im Trinkwasser, auch in großer Verdünnung, haben kann.

Vor allem Nebenprodukte der Desinfektion mit Chlor stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Außerdem gibt es Stimmen, die von einer Gefahr für Schwangere und ungeborene Kinder durch Chlor im Wasser ausgehen. Denkbar sind hier Folgen einer Langzeitvergiftung, wenn über große Zeiträume hinweg mit Chlor versetztes Trinkwasser konsumiert wird. 

Greenpeace Studio besagt dass Chlor krank macht

Zwar gibt es hierzu keine absolut gesicherten und allgemein anerkannten Forschungsergebnisse, jedoch deutliche Hinweise in Studien und besorgniserregende Befunde aus Ländern, in denen höhere Chlorkonzentrationen im Wasser vorkommen. Auch Folgeprodukte einer Chlorierung können Krankheiten verursachen, insbesondere durch das Duschen und die Benutzung von Schwimmbädern. So begünstigt Chlor im Schwimmbad womöglich Asthmaerkrankungen bei Kindern. In besonderem Verdacht stehen die sogenannten THMS(Trihalogenmethan)-Verbindungen. Ein häufiges THM, das bekannte Chloroform, könnte krebserregend sein. Den THMs wird auch eine Rolle bei Missbildungen und Fehlgeburten zugeschrieben. Die wichtigste Studie zur Gesundheitsgefährdung durch Chlor findet sich in dem Bericht von Greenpeace: „Body of Evidence: The Effects Of Chlorine On Human Health“.4
Ganz besonders wird auf die Gefahr der Inhalation von Chlor-Produkten beim warmen Duschen hingewiesen. Bei deutlich erhöhten Chlorkonzentrationen im Trinkwasser lassen sich auf jeden Fall sehr konkrete Effekte nachweisen: Eine epidemiologische Studie von Health Canada legt nahe, dass 14–16 Prozent der bekannten Blasenkrebsfälle in Ontario auf eine erhöhte Konzentration von Desinfektionsnebenprodukten einer Chlorung zurückzuführen seien.5

Wasserfilter schaffen Abhilfe

Trotz sehr strenger Vorgaben in Deutschland können gesundheitsschädliche Wirkungen von Chlor im Leitungswasser nicht ausgeschlossen werden. Wasserfilter für das Trinkwasser in der Küche und für Dusch- und Badewasser können hier die möglichen Beeinträchtigungen, vor allem für besonders gefährdete Menschen, wirksam unterbinden.

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Quellenangaben

  • https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/trinkwasser/rechtliche-grundlagen-empfehlungen-regelwerk/aufbereitungsstoffe-desinfektionsverfahren-ss-11
  • https://www.dvgw.de/themen/wasser/wasserqualitaet/desinfektion/ 
  • https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/chlor-im-trinkwasser-mit-chemie-gegen-den-dreck-1.1121889-0 
  • https://www.oekorecherche.de/de/chlor-macht-krank
  • http://www.canadianwaterfilter.com/chlorine_dangerous.htm