Biokunststoffe: Arten, Beispiele, Nachteile und Entsorgung
Biokunststoffe im Überblick: 9 Arten, die 4 pflanzlichen Grundstoffe, Marktzahlen von Dezember 2025 und die Regeln zur Entsorgung seit Mai 2025.
Biokunststoffe decken rund 0,5 % allen Plastiks der Welt, also 431 Mio. Tonnen im Jahr. Der Verband European Bioplastics nennt für Dezember 2025 eine Kapazität von 2,31 Mio. Tonnen. Bis 2030 soll sich der Wert auf 4,69 Mio. Tonnen verdoppeln. Hinter dem Sammelwort stehen 9 Arten mit sehr eigenen Merkmalen. Ein Teil stammt aus Pflanzen und bleibt trotzdem fest. Ein anderer Teil zerfällt und stammt trotzdem aus Erdöl. Der Ratgeber ordnet die Arten, zeigt Beispiele, benennt Nachteile und erklärt die Regeln zur Entsorgung, die seit dem 01.05.2025 gelten.
Was ein Biokunststoff ist
Ein Biokunststoff ist ein Kunststoff, der aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, biologisch abbaubar ist oder beides zugleich erfüllt. Die Vorsilbe deckt also 2 Merkmale zugleich ab, und beide treten für sich auf. Genau darin liegt die häufigste Verwechslung.
Die Internationale Union für reine und angewandte Chemie (IUPAC) empfiehlt statt Bioplastik den Begriff biobasierte Polymere. Der Verband setzt dabei eine Hürde. Als überlegen gilt ein Polymer erst, wenn der ganze Lebenszyklus das belegt. Ein Rohstoff aus Pflanzen allein taugt also als Beleg wenig.
Der Knowledge Graph von Google führt den Eintrag als bio-basierter Kunststoff. Auch dort steht die Trennung von Herkunft und Abbau am Anfang. Sie zieht sich durch das ganze Thema.
Biobasiert oder abbaubar: die entscheidende Trennung
3 Gruppen entstehen aus der Kombination von Herkunft und Lebensende. Die folgende Tabelle zeigt sie mit je einem Beispiel:
| Gruppe | Rohstoff | Abbau | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Biobasiert und abbaubar | Pflanzen | zerfällt bei Hitze und Feuchte | PLA aus Mais |
| Biobasiert und beständig | Pflanzen | hält so lange wie Plastik aus Erdöl | biobasiertes Polyethylen (Bio-PE) aus Zuckerrohr |
| Aus Erdöl und abbaubar | Erdöl | zerfällt bei Hitze und Feuchte | PBAT |
Ein biobasierter Kunststoff ist über die Herkunft des Rohstoffs definiert. Manche davon sind chemisch identisch mit ihrem fossilen Vorbild. Die Branche nennt sie Drop-ins, weil sie in bestehende Linien passen. Bio-PE und biobasiertes Polyethylenterephthalat (Bio-PET) gehören dazu.
Ein biologisch abbaubarer Kunststoff ist dagegen über das Lebensende definiert. Mikroorganismen zersetzen ihn zu Wasser, Kohlendioxid (CO2) und Biomasse. Ob das gelingt, hängt von Temperatur, Feuchtigkeit und Mikroorganismen ab. Unter Laborwerten zerfällt ein Material also womöglich in 12 Wochen, im Gartenkompost über Jahre.
Eine weitere Unschärfe benennt das Umweltbundesamt (UBA) in seiner Kurzposition von September 2017. Prüfsiegel nach ISO 16620 oder EN 16785 weisen einen Anteil von 20 %, 50 % oder 85 % aus. Das Wort biobasiert allein verrät also wenig über die reale Höhe.
Die 9 wichtigsten Arten im Überblick
9 Arten decken den Markt fast ganz ab. Die Tabelle nennt Kürzel, Rohstoff, Abbau und Einsatz:
| Kurzzeichen | Voller Name | Rohstoff | Abbaubar / Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| PLA | Polymilchsäure | Mais, Zuckerrohr | ja, in der Anlage Becher, Folien, 3D-Druck |
| PHA | Polyhydroxyalkanoate | Zucker über Bakterien | ja, auch im Boden Medizin, Verpackung |
| TPS | thermoplastische Stärke | Kartoffeln, Weizen, Mais | ja, in der Anlage Pflanztöpfe, Taschen |
| PBAT | Polybutylenadipat-Terephthalat | Erdöl | ja, in der Anlage Mulchfolie, Beutel |
| Bio-PE | biobasiertes Polyethylen | Zuckerrohr | nein Flaschen, Folien |
| Bio-PET | teils biobasiertes PET | Zuckerrohr | nein Flaschen |
| Bio-PP | biobasiertes Polypropylen | Pflanzenöl, Reste | nein Autoteile, Textil |
| Cellulosehydrat | Zellglas | Holz, Baumwolle | ja Folie, Sichtfenster |
| Lignin-Blend | Lignin plus Fasern | Holz über Zellstoff | teils Formteile, Möbel |
Polymilchsäure ist der bekannteste Vertreter, weil sie beide Merkmale vereint. Sie stammt aus Pflanzen und zerfällt unter industriellen Bedingungen. Ihre Schwäche liegt bei Wärme und Feuchte: Ab rund 60 Grad Celsius verformt sich das Material.
Polyhydroxyalkanoate entstehen anders als alle übrigen. Bakterien lagern sie als Energiespeicher in ihren Zellen ein, ähnlich wie ein Mensch Fett anlegt. Der Verband European Bioplastics zählt sie zu den 2 Materialgruppen mit dem stärksten erwarteten Wachstum bis 2030.
Woraus Biokunststoffe bestehen
4 pflanzliche Grundstoffe bilden die Basis: Zucker, Stärke, Cellulose und Lignin. Die Pflanzen dahinter sind Mais, Zuckerrohr, Zuckerrüben, Kartoffeln, Weizen und Bambus. Dazu kommen pflanzliche Öle, Sägespäne und Stroh.
Zucker liefert über Fermentation die Milchsäure für Polymilchsäure und ernährt die Bakterien für Polyhydroxyalkanoate. Stärke wird thermoplastisch aufgeschlossen und dann direkt verarbeitet. Cellulose stammt aus Holz und Baumwolle und trägt die ältesten Vertreter der Familie.
Beim Rohstoff trennt das UBA nach Fläche. Karge Pflanzen auf Böden abseits der Nahrungsproduktion gelten als taugliche Wahl. Zuckerrohr auf gutem Acker steht dagegen im direkten Kampf mit dem Anbau von Nahrung.
Wie Biokunststoffe hergestellt werden
4 Schritte führen vom Feld zur Ware: Ernte, Aufschluss zum Monomer, Bau des Polymers und Formgebung. Als Granulat geht der Stoff dann in den Handel.
Bei Polymilchsäure läuft der Weg über Fermentation. Bakterien wandeln Zucker aus Mais oder Zuckerrohr in Milchsäure um. Aus der Milchsäure entsteht über eine Ringöffnung das Polymer. Am Ende steht ein Granulat aus Körnern von wenigen Millimetern.
Thermoplastische Stärke überspringt den Schritt der Polymerisation. Stärke wird unter Hitze, Druck und mit Weichmachern aufgeschlossen, bis sie fließfähig wird. Reine thermoplastische Stärke bleibt aber anfällig für Wasser. In der Praxis wird sie daher mit anderen Polymeren gemischt, meist mit Polybutylenadipat-Terephthalat.
Als Compound verlässt das Granulat das Werk. Gemeint ist eine fertig gemischte Rezeptur aus Polymer, Füllstoff, Farbe und Zusätzen. Genau der Schritt zählt für die Bewertung der Gesundheit. Endprodukte tragen laut Studien klar mehr Chemie als das Rohgranulat.
Ligninbasierte Biokunststoffe
Lignin ist nach Cellulose das zweithäufigste Biopolymer der Erde und macht 20 bis 30 % der Trockenmasse von Holz aus. Die Papierindustrie trennt es beim Zellstoffaufschluss ab und verbrennt den größten Teil zur Energiegewinnung. Als Rohstoffquelle für Kunststoffe ist Lignin damit ein Reststoff statt ein Anbauprodukt.
Verarbeitet wird Lignin fast immer als Blend, also als Mischung mit Fasern aus Natur oder mit anderen Polymeren. Daraus entstehen Formteile, Gehäuse, Teile für Möbel und Spielzeug. Der Stoff riecht schwach nach Holz und lässt sich färben.
Der Vorteil gegenüber Mais oder Zuckerrohr liegt in der Flächenfrage. Lignin fällt ohnehin an, nach Schätzungen 50 bis 100 Mio. Tonnen im Jahr weltweit. Eine eigene Anbaufläche entfällt damit, und die Flächenkonkurrenz zur Nahrung ebenfalls. Zur stofflich genutzten Menge liegen belastbare Zahlen bislang aus.
Beispiele und Produkte
7 Produktgruppen dominieren die Anwendung.
Die Tabelle ordnet ihnen das jeweils übliche Material zu:
| Produktgruppe | Typisches Material | Warum dieses Material |
|---|---|---|
| Einweggeschirr, Becher | PLA, Cellulose | formstabil bei 20 Grad, in der Anlage abbaubar |
| Taschen und Beutel | TPS mit PBAT | reißfest bei dünner Wand |
| Verpackung für Essen | PLA, Zellglas | klar, siegelfähig |
| Flaschen | Bio-PET, Bio-PE | gleich zum Vorbild aus Erdöl, recycelbar |
| Mulchfolie auf dem Acker | PBAT | bleibt liegen und zerfällt dort |
| Auto und Transport | Bio-PP, Naturfaser | weniger Gewicht, Ersatz für Erdöl |
| Medizintechnik | PHA, PLA | im Körper abbaubar, etwa als Naht |
Einen echten Nutzen der Abbaubarkeit sieht das UBA bei Mulchfolien und in der Medizintechnik. In beiden Fällen bleibt das Material dort, wo es zerfallen soll. Bei Verpackungen für den Haushalt fällt die Bewertung anders aus, weil eine geordnete Sammlung existiert.
Die Marktzahlen von Dezember 2025
Der Verband European Bioplastics legt jedes Jahr im Dezember Marktdaten vor. Die Ausgabe 2025 nennt folgende Werte:
| Kennzahl | Wert 2025 | Wert 2030 |
|---|---|---|
| Kapazität weltweit | 2,31 Mio. Tonnen | 4,69 Mio. Tonnen |
| Reale Produktion | 1,67 Mio. Tonnen | offen |
| Auslastung | 72 % | offen |
| Anteil an allem Plastik | rund 0,5 % | offen |
| Verpackung als größtes Feld | 41,3 % (0,95 Mio. Tonnen) | Anteil sinkt |
| Auto und Transport | 10,3 % (0,24 Mio. Tonnen) | Anteil steigt |
Die Auslastung von 72 % schwankt je nach Polymer zwischen 28 und 100 %. In Europa liegt sie bei 73 %. Der Bezugswert stammt von Plastics Europe und nennt für 2024 eine Weltproduktion von 431 Mio. Tonnen.
Die Richtung ist neu. Verpackung bleibt das größte Feld, verliert aber Anteile. Auto und Transport legen zu. Das Wachstum wandert damit von kurzem zu langem Gebrauch.
In Deutschland endet die amtliche Reihe der Marktanteile im Jahr 2009. Die letzte harte Angabe stammt aus einer Studie des UBA. Sie nennt für 2009 einen Anteil von höchstens 0,5 % am Markt für Hüllen. Der Verbrauch lag damals bei 2,645 Mio. Tonnen.
Die Geschichte der Biokunststoffe
Der Werkstoff ist älter als Kunststoff aus Erdöl. Die Produktion von Celluloid begann 1869, also 38 Jahre vor der Erfindung des Bakelits. Celluloid beruht auf Cellulose, einem Rohstoff aus Pflanzen. Die Geschichte des Kinos ist eng damit verknüpft: Bis ins digitale Zeitalter bestanden Kinofilme aus diesem Material.
Ab 1923 kam Cellophan in großen Mengen hinzu. Der Stoff lieferte transparente Folien und prägte die Verpackung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auch Galalith aus Milcheiweiß zählt dazu und lieferte ab 1897 Knöpfe und Schmuck.
Erst die billige Erdölchemie ab den 1950er Jahren verdrängte diese frühen Vertreter. Der Rohstoffpreis entschied, die Qualität war zweitrangig. Die heutige Rückkehr der Biokunststoffe folgt damit einem Kreis, der sich nach rund 70 Jahren schließt.
Die 6 Nachteile im Einzelnen
6 Punkte tauchen in der Bewertung durch Behörden und Forschung oft auf:
| Nachteil | Was dahintersteht |
|---|---|
| Kampf um Fläche | Anbau für Rohstoffe verdrängt Nahrung |
| Dünger und Pestizide | harter Anbau belastet Boden und Wasser |
| Mikroplastik | Zerfall in Partikel, lange vor dem Abbau |
| Störung im Recycling | abbaubare Reste verkleben die Waschstufe |
| Verwechslung | sieht aus wie Plastik aus Erdöl |
| Falsches Signal beim Littering | Abbau senkt die Hemmung zum Wegwerfen |
Der Punkt mit dem größten Gewicht ist das Mikroplastik. Das UBA beschreibt den Vorgang präzise: Vor dem Abbau steht der Zerfall in kleine Partikel. Der Zerfall trägt Kunststofffragmente in Böden und Gewässer ein. Wie lange der weitere Abbau dauert, hängt von den Umweltbedingungen ab und reicht von Monaten bis zu Jahren. Wie Kunststoff in Gewässer gelangt, ordnet der Ratgeber zu den Ursachen der Wasserverschmutzung ein. Mehr dazu steht im Ratgeber Mikroplastik im Trinkwasser.
Beim Recycling wirkt ein technisches Detail. Abbaubare Kunststoffe halten den etablierten Waschschritten schlecht stand und bilden eine zähe Masse. Die Masse stört anschließend auch das Recycling der übrigen Kunststoffe. Ein kleiner Fehlwurf schadet damit einer großen Charge.
Was die Ökobilanzen zeigen
Insgesamt 85 Ökobilanzen, Studien und Fachartikel wertete das UBA aus und legte das Ergebnis am 08.10.2012 vor. Der Befund fällt klar aus. Hüllen aus abbaubarem Kunststoff und Hüllen aus Erdöl liegen in der Summe gleichauf.
Die Bilanz verschiebt sich, statt sich zu verbessern. Bei Herstellung, Nutzung und Entsorgung entsteht weniger CO2, und der Erdölverbrauch sinkt. Im Gegenzug steigen Versauerung und Überdüngung von Böden und Gewässern, ausgelöst durch den Düngemitteleinsatz beim Rohstoffanbau. Fachlich heißt der zweite Effekt Eutrophierung.
Auch die Kurzposition von September 2017 kommt zu dem Schluss. Plastik aus Erdöl setzt beim Bau mehr CO2 frei. Pflanzen als Rohstoff bringen dafür ein hohes Maß an Überdüngung mit. Ein klarer Nutzen für die Umwelt fehlt in beiden Auswertungen.
Kompostierbar nach EN 13432
Die Norm EN 13432 setzt 4 Kriterien für den Abbau in der Anlage. Ein Stoff besteht die Prüfung nur, wenn er alle 4 erfüllt:
| Kriterium | Anforderung |
|---|---|
| Abbau | 90 % des Kohlenstoffs in 6 Monaten zu CO2 |
| Zerfall | nach 12 Wochen höchstens 10 % Rückstand im Sieb über 2 Millimeter |
| Schadstoffe | Grenzwerte für Blei, Kupfer und Quecksilber |
| Güte des Komposts | Test am Wachstum von Pflanzen |
Alle 4 Werte gelten für eine Anlage, also für rund 60 Grad bei fester Feuchte und geregelter Luft. Ein Haufen im Garten erreicht so viel Hitze selten. Das Wort kompostierbar auf einer Hülle meint daher fast immer eine Anlage. Für den Garten gibt es eine eigene Prüfung.
Ein zweiter Punkt bleibt oft ungenannt. Die Anlagen in Deutschland arbeiten meist mit 2 bis 6 Wochen Verweilzeit. Die Norm räumt dem Stoff 12 Wochen ein. Ein Beutel nach EN 13432 übersteht den realen Durchlauf damit oft. Am Sieb landet er dann im Restmüll.
Warum Biokunststoffe in den Restmüll gehören
Seit dem 01.05.2025 gilt eine novellierte Bioabfallverordnung. § 2a legt Kontrollwerte für Fremdstoffe im Bioabfall fest, und die Werte sind eng:
| Material | Kontrollwert | Bezug |
|---|---|---|
| Kunststoff gesamt aus der Biotonne | 1,0 % | Frischmasse |
| Kunststoff im Siebdurchgang über 20 mm | 0,5 % | Frischmasse |
| Fremdstoffe gesamt aus Haushalten | 3 % | Frischmasse, löst Rücknahme aus |
Entscheidend ist eine Auslassung. Die Verordnung spricht von Kunststoff gesamt und schließt biologisch abbaubare Sorten damit ein. Ein zertifiziert kompostierbarer Beutel zählt damit rechtlich genauso als Fremdstoff wie eine Plastiktüte.
Als ökologisch nachteilig bewertet das UBA den Weg über die Bioabfallsammlung schon länger. Der Grund liegt im Stoff. Die Anlage lässt die Merkmale des Kunststoffs ungenutzt. Auch der Kompost bleibt durch das abgebaute Material unverändert. Der Weg über die Biotonne vernichtet damit Wert.
Die richtige Zuordnung fällt danach einfach aus. Verpackungen mit Grünem Punkt gehören in die gelbe Tonne oder den gelben Sack, unabhängig vom Material. Alles Übrige gehört in den Restmüll und damit in die thermische Verwertung. Der Gartenkompost scheidet aus, weil er die Bedingungen der Norm verfehlt.
Was ab dem 12.08.2026 rechtlich gilt
Die europäische Verpackungsverordnung (EU) 2025/40 trat am 11.02.2025 in Kraft. Sie gilt ab dem 12.08.2026 direkt in allen Ländern der EU. In Deutschland tritt am selben Tag das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz daneben.
Artikel 9 regelt kompostierbare Verpackungen und dreht die bisherige Logik um. Ab dem 12.02.2028 müssen 3 Verpackungsarten industriell kompostierbar sein: Teebeutel, Einzelportionseinheiten für Kaffee- und Teesysteme sowie Aufkleber auf Obst und Gemüse. Für alle übrigen Verpackungen bleibt Kompostierbarkeit die Ausnahme und verlangt einen nachweisbaren Nutzen für Umwelt oder Gesundheit.
Der Gesetzgeber folgt damit der Linie der Behörden. Der Abbau wird dort verlangt, wo die Hülle ohnehin mit Bioabfall zusammen anfällt. Eine Trennung von Hand scheidet dort aus. Ein Teebeutel im Kaffeesatz ist der Musterfall.
Gesundheitliche Bewertung: die Studienlage
Die belastbarste Studie stammt von einem Team um Lisa Zimmermann, damals an der Goethe-Universität Frankfurt. Die Arbeit erschien am 17.09.2020 in der Fachzeitschrift Environment International unter der Objektkennung (DOI) 10.1016/j.envint.2020.106066. Untersucht wurden 43 Alltagsprodukte aus 9 Arten sowie die zugehörigen Rohgranulate.
| Befund | Anteil der Proben |
|---|---|
| Basistoxizität in der Zellkultur | 67 % |
| Oxidativer Stress | 42 % |
| Wirkung gegen Androgene | 23 % |
| Östrogene Wirkung | 1 von 43 Proben |
| Proben mit über 1.000 Merkmalen | 80 % |
Insgesamt 41.395 chemische Merkmale kamen zusammen, je Probe zwischen 186 und 20.965. Davon ließen sich 343 Stoffe vorläufig benennen. Das stärkste Gift zeigten ausgerechnet die Proben aus Cellulose und Stärke. Im Handel gelten genau die 2 Gruppen als besonders naturnah.
Ein Ergebnis wird häufig falsch wiedergegeben. Die Studie stellt beide Materialgruppen gleich: Biokunststoffe und Plastik aus Erdöl erwiesen sich als ähnlich toxisch. Die Vorsilbe Bio lässt den Befund also unverändert. Für eine Verschlechterung fehlt der Beleg ebenso wie für eine Verbesserung.
Ein zweiter Befund trifft die Fertigung. Die Endprodukte trugen mehr Chemie und mehr Gift als das Rohgranulat, aus dem sie stammen. Beim Verarbeiten kommen also Stoffe hinzu oder entstehen neu. Ähnliches zeigt der Ratgeber zu Weichmachern in Wasserflaschen.
Biokunststoffe im Trinkwasserkontakt
Für Stoffe mit Wasserkontakt gilt eigenes Recht. Es ist enger gefasst als das Recht für Essen. § 14 der Trinkwasserverordnung setzt die Regeln zur Hygiene. Auf Basis von § 15 gibt das UBA dazu Bewertungsgrundlagen heraus, eine davon für Kunststoffe. Sie führt Positivlisten der erlaubten Ausgangsstoffe. Was am Ende im Wasser ankommt, zeigt der Ratgeber zu den Inhaltsstoffen im Leitungswasser.
Ab dem 31.12.2026 löst ein europäischer Rahmen die nationale Regelung ab. Der Durchführungsbeschluss (EU) 2024/367 vom 23.01.2024 legt die europäischen Positivlisten fest, unter anderem für Ausgangsstoffe organischer Materialien. Ausgangsstoffe, die zwischen dem 13.07.2021 und dem 31.12.2026 national genehmigt wurden, dürfen national noch bis zum 31.12.2032 weiterverwendet werden.
Der Zeitplan hat eine Konsequenz, die in der Materialdiskussion untergeht. Die Delegierte Verordnung (EU) 2024/369 regelt, wie neue Ausgangsstoffe über die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) auf die Liste gelangen. Wer einen neuen Stoff einbringen wollte, musste seine Absicht nach Artikel 2 bis zum 31.12.2025 mitteilen. Ein Stoff braucht für Trinkwasser also zweierlei: den Eintrag in der Liste oder die fristgerechte Anmeldung. Die Ökobilanz bleibt dabei außen vor.
Ob einzelne Biokunststoffe wie Polymilchsäure oder Polyhydroxyalkanoate auf den europäischen Positivlisten stehen, bleibt öffentlich undokumentiert. Der Ratgeber nennt daher Rechtslage und Fristen und lässt die Listung eines einzelnen Stoffes offen.
Warum Alb Filter auf Biokunststoffe verzichtet
Eine Filterkartusche stellt 3 Bedingungen zugleich. Sie muss dauerhaft im Wasser stehen. Sie muss über Monate halten. Und sie muss für Trinkwasser taugen. Biokunststoffe erfüllen alle 3 nur zum Teil, und im nassen Dauerlauf verschärfen sich die Schwächen.
Alb Filter hat Biokunststoffe daher aus den Filterkartuschen genommen. 3 Gründe gaben den Ausschlag. Erstens quellen Stoffe aus Stärke und Cellulose im Dauerkontakt mit Wasser. Zweitens zeigten laut der Studie von 2020 genau diese 2 Gruppen das stärkste Gift in der Zellkultur. Drittens verlangt der Weg zur Zulassung für Wasserkontakt einen Eintrag in der Positivliste.
Bei einem Produkt mit täglichem Trinkwasserkontakt schlägt Sicherheit den Vorteil beim Rohstoff. Ein Stoff, der 12 Monate im Wasser steht, muss über diese Zeit stabil bleiben. Welche Rolle das Filtermedium dabei spielt, erklärt der Ratgeber Was ist Aktivkohle. Für Einwegverpackungen mit einer Nutzungsdauer von Minuten gilt eine völlig andere Rechnung. Wie ein Wasserfilter aufgebaut ist, zeigt die Übersicht der Filtrationstechnologien.
Einordnung
Biokunststoffe sind eine Teillösung für einen abgegrenzten Anwendungsbereich. Ihre Umweltbilanz hängt von 3 Faktoren ab: der Rezeptur, dem Weg der Entsorgung und den Bedingungen beim Anbau. Alle 3 bleiben am fertigen Produkt unsichtbar.
Gute Gründe sprechen für kurzlebige Anwendungen mit organischer Verschmutzung, allen voran Mulchfolien, Teebeutel und Kaffeepads. Genau dort setzt der europäische Gesetzgeber ab 2028 an. Für langlebige Produkte mit Wasser- oder Lebensmittelkontakt bleibt der Nachweis dagegen offen. Die Zulassung für Trinkwasser verengt den Weg zusätzlich.
Der Verbrauch fossiler Rohstoffe sinkt durch Biokunststoffe messbar. Ob die Gesamtbilanz besser ausfällt, entscheidet der Einzelfall. Zum heutigen Stand gibt das UBA einen klaren Befund. In 85 geprüften Ökobilanzen blieb ein pauschaler Vorteil für die Umwelt unbelegt. Wer den eigenen Kunststoffverbrauch senken will, erreicht mit einem Trinkwasserfilter statt Flaschenwasser mehr als mit einem Materialwechsel. Den Vergleich beider Wege führt der Ratgeber Leitungswasser oder Mineralwasser.
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Häufige Fragen
Woraus bestehen Biokunststoffe?
Vier Grundstoffe aus Pflanzen tragen alle Biokunststoffe: Zucker, Stärke, Cellulose und Lignin. Die Pflanzen dahinter sind Mais, Zuckerrohr, Rüben, Kartoffeln, Weizen und Bambus. Dazu kommen Öle, Sägespäne und Stroh. Daraus entstehen Geschirr, Müllbeutel, Hüllen, Teile fürs Auto und Möbel.
Welche Arten von Biokunststoffen gibt es?
9 Arten decken den Markt ab. 4 davon zerfallen: Polymilchsäure (PLA), Polyhydroxyalkanoate (PHA), thermoplastische Stärke (TPS) und Polybutylenadipat-Terephthalat (PBAT). 3 bleiben fest: Bio-PE, Bio-PET und biobasiertes Polypropylen (Bio-PP). Dazu kommen Cellulosehydrat und Blends mit Lignin.
Was ist der Unterschied zwischen biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen?
Biobasierte Kunststoffe sind über die Herkunft des Rohstoffs definiert, biologisch abbaubare über das Verhalten am Lebensende. Beide Merkmale treten für sich auf. Bio-PE aus Zuckerrohr ist biobasiert und trotzdem beständig. PBAT stammt aus Erdöl und zerfällt trotzdem.
Sind Biokunststoffe immer biologisch abbaubar?
Ein Teil von ihnen ist es. Die Eigenschaft biobasiert beschreibt allein den Rohstoff. Bio-PE aus Pflanzen zerfällt so langsam wie herkömmliches Polyethylen. Über die Abbaubarkeit entscheidet allein die chemische Struktur des Polymers.
Welche Nachteile haben Biokunststoffe?
6 Nachteile stehen vorn. Der Anbau nimmt Fläche für Nahrung. Dünger belastet Boden und Wasser. Beim Zerfall entsteht Mikroplastik. Das Recycling gerät ins Stocken. Die Ware sieht aus wie Plastik aus Erdöl. Und der Abbau lädt zum Wegwerfen ein.
Dürfen Biokunststoffe in die Biotonne?
Seit dem 01.05.2025 gilt für Bioabfall aus getrennter Haushaltsammlung ein Kontrollwert von 1,0 % Kunststoff gesamt. § 2a der Bioabfallverordnung schließt biologisch abbaubare Sorten ausdrücklich ein. Zertifiziert kompostierbare Beutel zählen damit als Fremdstoff und gehören in den Restmüll.
Was bedeutet kompostierbar nach EN 13432?
Die Norm verlangt 4 Nachweise. Mindestens 90 % des organischen Kohlenstoffs müssen sich in 6 Monaten zu CO2 umsetzen. Nach 12 Wochen darf höchstens 10 % Rückstand im Sieb über 2 Millimeter verbleiben. Dazu kommen Grenzwerte für Schwermetalle und ein Pflanzenwachstumstest.
Zerfallen Biokunststoffe im Gartenkompost?
Die Prüfung nach EN 13432 gilt für Anlagen bei rund 60 Grad, fester Feuchte und geregelter Luft. Ein Haufen im Garten erreicht so viel Hitze selten. Für den Garten gibt es eine eigene Prüfung, und nur wenige Waren tragen sie.
Wie groß ist der Markt für Biokunststoffe?
Der Verband European Bioplastics nennt für 2025 eine weltweite Kapazität von 2,31 Mio. Tonnen. Bis 2030 soll sie sich auf 4,69 Mio. Tonnen verdoppeln. Real produziert wurden 2025 rund 1,67 Mio. Tonnen, also 72 % der Kapazität. Das entspricht etwa 0,5 % der Weltproduktion von 431 Mio. Tonnen.
Sind Biokunststoffe gesundheitlich unbedenklich?
Eine Studie prüfte 2020 insgesamt 43 Produkte aus 9 Arten. In 67 % der Proben zeigte sich Basistoxizität in der Zellkultur. Dazu kamen 42 % mit oxidativem Stress und 23 % mit Wirkung gegen Androgene. Am stärksten fiel der Befund bei Cellulose und Stärke aus. Plastik aus Erdöl schnitt ähnlich ab.
Was ist ein ligninbasierter Biokunststoff?
Lignin stellt 20 bis 30 % der Trockenmasse von Holz. Beim Bau von Papier fällt es als Rest an, nach Schätzungen 50 bis 100 Mio. Tonnen im Jahr. Ligninbasierte Stoffe mischen es mit Naturfasern oder anderen Polymeren zu Formteilen, Gehäusen und Möbelbauteilen. Eine eigene Anbaufläche entfällt.
Was ändert sich am 12.08.2026?
Die Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen gilt ab diesem Tag direkt in allen Ländern der EU. Artikel 9 schreibt ab dem 12.02.2028 für Teebeutel, Einzelportionseinheiten für Kaffee- und Teesysteme sowie Obst- und Gemüseaufkleber industrielle Kompostierbarkeit vor. Für übrige Verpackungen bleibt sie die Ausnahme.
Verwendet Alb Filter Biokunststoffe in den Filterkartuschen?
Alb Filter setzt in den Filterkartuschen auf langlebige Stoffe, die für Trinkwasser zugelassen sind. 3 Gründe sprachen dagegen. Stärke und Cellulose quellen im Wasser. Die Studie von 2020 wies bei ihnen das stärkste Gift nach. Und der Weg zur Zulassung führt über die Positivliste.
Wie werden Biokunststoffe richtig entsorgt?
Verpackungen gehören in die gelbe Tonne oder den gelben Sack, unabhängig vom Material. Alles Übrige gehört in den Restmüll und damit in die thermische Verwertung. Die Biotonne scheidet nach § 2a der Bioabfallverordnung aus, der Gartenkompost mangels Temperatur.
Grundlage sind 8 Quellen von Behörden, Normen und Fachjournalen:
Quellen
- European Bioplastics: Bioplastics Market Development Update 2025, Dezember 2025 (https://www.european-bioplastics.org/bioplastics-market-development-update-2025/)
- Umweltbundesamt: Kurzposition Biokunststoffe, September 2017 (https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2503/dokumente/uba_kurzposition_biokunststoffe.pdf)
- Umweltbundesamt: Untersuchung der Umweltwirkungen von Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen, 2012 (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/untersuchung-umweltwirkungen-von-verpackungen-aus)
- Umweltbundesamt: Hygienische Regeln an Materialien und Stoffe im Kontakt mit Trinkwasser, Rev02, Stand 13.10.2025 (https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/5620/dokumente/uba-information_-_hygienische_anforderungen_an_materialien_und_werkstoffe_im_kontakt_mit_trinkwasser_uebergangsregelungen_-_rev02.pdf)
- Zimmermann, Dombrowski, Völker, Wagner: Are bioplastics and plant-based materials safer than conventional plastics, Environment International 145:106066 vom 17.09.2020 (https://doi.org/10.1016/j.envint.2020.106066)
- § 2a Bioabfallverordnung in der ab 01.05.2025 geltenden Fassung (https://www.gesetze-im-internet.de/bioabfv/__2a.html)
- Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle vom 19.12.2024 (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32025R0040)
- Durchführungsbeschluss (EU) 2024/367 vom 23.01.2024 zu den europäischen Positivlisten (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024D0367)