Wasseraufbereitung im Wohnmobil: wie das Wasser im Tank frisch bleibt
Nach 3 bis 7 Tagen gehört das Wasser im Tank getauscht. Was die Trinkwasserverordnung für den Wohnmobiltank vorschreibt und welche Mittel zulässig sind.
Eine gesetzliche Frist für die Standzeit von Trinkwasser im Wohnmobiltank existiert nicht. Die einschlägige technische Regel liefert trotzdem eine Zahl. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) nennt in seiner Kompaktinfo von März 2024 ein festes Intervall. Wasser in einer Installation gehört alle 7 Tage, besser alle 3 Tage getauscht. Ab 72 Stunden Stillstand rechnet dieselbe Quelle mit der Vermehrung von Mikroorganismen.
Der Frischwassertank im Reisemobil ist rechtlich eine Trinkwasserinstallation. Damit gilt die Regel auch dort, und zwar unter schlechteren Bedingungen als im Haus. Der Tank steht in der Sonne. Das Frischwasser tauscht kaum jemand vollständig aus, und die Zapfstelle bleibt unbekannt.
Wie lange bleibt Wasser im Wohnmobiltank frisch?
Die DVGW-Kompaktinfo für Trinkwasser vom März 2024 staffelt die Standzeit in drei Stufen. Über Nacht kann die Konzentration an Schwermetallen steigen. Ab 72 Stunden bis 7 Tage reichern sich Schwermetalle an, und Mikroorganismen können sich vermehren. Nach mehr als einer Woche gilt: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich das Wasser verändert hat.
| Standzeit | Was die Fachregel dazu sagt |
|---|---|
| über Nacht | Schwermetalle können sich anreichern, Wasser vorsorglich nicht trinken |
| 72 Stunden bis 7 Tage | zusätzlich Vermehrung von Mikroorganismen |
| über 7 Tage | Veränderung wahrscheinlich, Nutzung erst nach Spülung |
| Zielintervall | Wasseraustausch alle 7 Tage, besser alle 3 Tage |
Noch enger setzt das Umweltbundesamt die Schwelle für Wasser in der Leitung. Wasser nach mehr als 4 Stunden Stillstand gehört danach weder ins Glas noch in den Topf. Als Gründe nennt die Behörde zwei: Stoffe aus dem Rohr und mikrobielle Einflüsse. Der Wert gilt der Leitung, nicht dem Speicher, und ist deshalb keine Frist für den Tankinhalt.
Die verbreitete Aussage von 6 Monaten Keimfreiheit im Tank hat in den technischen Regeln keine Entsprechung. Sie beschreibt einen Laborzustand: steriler Tank, sterile Leitung. Ein genutztes Fahrzeug erreicht ihn nie.
Was im Tank passiert, während das Wasser steht
Biofilm ist ein Belag aus Mikroorganismen, der sich an jeder dauerhaft feuchten Oberfläche bildet. Er sitzt an der Tankwand, in den Schläuchen und in der Pumpe. Einmal etabliert, gibt er laufend Keime an das Wasser ab. Spülen allein entfernt ihn nicht mehr.
Eine Temperaturschwelle nennt das Umweltbundesamt. Oberhalb von 20 Grad Celsius wachsen während längerer Stagnation Pilze und Bakterien in der Installation. Ein Wassertank im Aufbau eines Wohnmobils überschreitet 20 Grad im Sommer regelmäßig. Welche Bakterien im Leitungswasser vorkommen und ab welcher Temperatur des Leitungswassers sie sich vermehren, hängt an denselben Faktoren. Legionellen wachsen zwischen 25 und 55 Grad Celsius.
Drei Faktoren wirken im Frischwassertank zusammen und treiben die Verkeimung an:
- Wassertemperatur. Der Aufbau heizt sich auf, und der Tank folgt mit Verzögerung.
- Stagnation. Wer den Tank nur zur Hälfte leert und nachfüllt, tauscht das älteste Frischwasser nie aus.
- Nährstoffe. Reste aus dem Wasserschlauch, Staub am Einfüllstutzen und Partikel aus der Zapfstelle liefern den Nachschub.
Der Wohnmobiltank ist eine Trinkwasseranlage im Sinne der Verordnung
§ 2 Nummer 1 der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) definiert Trinkwasser unabhängig vom Transportweg. Genannt sind Leitungswege, Wassertransport-Fahrzeuge, Trinkwasserspeicher und Meeresbauwerke. Ausdrücklich erfasst ist die Bereitstellung an Bord von Land-, Wasser- oder Luftfahrzeugen. Wasser im Wohnmobil ist damit Trinkwasser, sobald es zum Trinken, Kochen oder Waschen bestimmt ist.
Die Anlagenseite ergänzt Paragraf 2 Nummer 2 Buchstabe d. Mobile Wasserversorgungsanlagen sind bewegliche Anlagen, aus denen Trinkwasser entnommen wird. Der Wortlaut nennt dabei Anlagen an Bord von Land-, Wasser- und Luftfahrzeugen, jeweils einschließlich der Trinkwasserinstallation. Frischwassertank, Wasserpumpe, Leitungen und Armaturen bilden zusammen die Installation.
Die Ausführungshinweise des Landes Baden-Württemberg von Mai 2024 nennen die Kategorie kurz d-Anlagen. Als weitere Beispiele führen sie Wassertransportfahrzeuge und fahrbare Verkaufsstände auf.
Für nicht ortsfeste Anlagen existiert eine eigene technische Regel. DIN 2001-2 behandelt Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung solcher Anlagen. Fahrzeuge nennt sie ausdrücklich als Beispiel. Die Ausgabe 2025-06 ersetzt die Fassung von Januar 2018 und ist an die neue Trinkwasserverordnung angepasst. Die Ausführungshinweise Baden-Württembergs führen die Norm bei den Nachweispflichten der Betreiber an. Gemeint sind dort Betreiber mit gewerblicher oder öffentlicher Abgabe. Für den Camper im eigenen Fahrzeug entstehen daraus keine Nachweispflichten.
Welche Pflichten privat gelten und welche entfallen
Die Verordnung unterscheidet nach Tätigkeit, nicht nach Personenkreis. Von den 6 Pflichten in der folgenden Übersicht entfallen bei privater Nutzung 4, zwei bleiben bestehen. Die Ausführungshinweise Baden-Württembergs von Mai 2024 formulieren die Trennung eindeutig.
| Pflicht | Rechtsgrundlage | Gilt privat |
|---|---|---|
| Anzeige der Anlage beim Gesundheitsamt | § 11 | entfällt |
| Aufzeichnung eingesetzter Aufbereitungsstoffe | § 25 | entfällt |
| jährliche Untersuchung auf E. coli und Enterokokken | § 29 Absatz 2 | entfällt |
| Ursachenklärung und Abhilfe nach § 47-Ereignis | § 48 Absatz 1 | entfällt |
| Anzeige einer wahrnehmbaren Veränderung | § 47 Absatz 1 | gilt |
| Klärung und Abhilfe bei Veränderung durch die Installation | § 48 Absatz 2 | gilt |
Eine wahrnehmbare nachteilige Veränderung des Wassers ist nach Paragraf 47 Absatz 1 Nummer 2 unverzüglich dem Gesundheitsamt zu melden. Als Beispiele nennt der Wortlaut 4 Merkmale: Färbung, Geruch, Geschmack und Trübung. Die Aufzählung ist offen, und einen Vorbehalt für gewerbliche Tätigkeit enthält der Satz nicht.
Auch § 48 Absatz 2 nennt die mobilen Wasserversorgungsanlagen ohne Vorbehalt. Wer Anhaltspunkte für eine Veränderung durch die eigene Anlage hat, muss 3 Dinge tun. Er klärt die Ursache, schafft Abhilfe und unterrichtet das Amt über beides. Absatz 1 desselben Paragrafen trägt die Gewerbe-Einschränkung, Absatz 2 verzichtet darauf.
Die jährliche Untersuchung nach § 29 Absatz 2 prüft 5 Parameter. Aufgeführt sind Escherichia coli, intestinale Enterokokken, coliforme Bakterien, Clostridium perfringens sowie die Koloniezahl bei 22 und 36 Grad. Sie trifft nur gewerblich genutzte Fahrzeuge. Wer privat Klarheit will, beauftragt dieselben Parameter freiwillig bei einer zugelassenen Untersuchungsstelle. Bei stehendem Wasser lohnt zusätzlich der Parameter Pseudomonas aeruginosa, ein typischer Feuchtkeim. § 43 schreibt dafür ein eigenes Nachweisverfahren vor.
Bei einem privaten Fahrzeug wird das Gesundheitsamt in der Praxis nur bei Gesundheitsgefahr tätig. § 54 Absatz 3 stellt das in sein Ermessen. Der erste Schritt bleibt deshalb immer derselbe: Ursache suchen und beheben.
Welcher Grenzwert für den Wohnmobiltank gilt
Anlage 3 Teil I der Trinkwasserverordnung enthält eine Sonderregel für mobile Anlagen. Sie betrifft die Koloniezahl bei 22 Grad Celsius. Beim Verfahren nach § 43 Absatz 3 gelten 3 Werte:
- 100 Kolonien je Milliliter an der Entnahmestelle des Verbrauchers,
- 20 je Milliliter direkt nach der Aufbereitung im desinfizierten Wasser,
- 1.000 je Milliliter in Wasserspeichern mobiler Wasserversorgungsanlagen.
Für den Tank gilt also der zehnfache Wert. Die Lockerung betrifft aber ausschließlich die Bebrütung bei 22 Grad Celsius, also die Umweltkeime. Für die Koloniezahl bei 36 Grad Celsius nennt dieselbe Anlage 100 je Milliliter. Eine Sonderregel für mobile Anlagen fehlt dort. Bei 36 Grad wachsen die Keime, die den menschlichen Körper besiedeln.
Gelockert ist damit der Wert für Umweltkeime, während der Wert bei Körpertemperatur unverändert bleibt. Wer aus der 1.000er-Zahl schließt, im Wohnmobil sei generell mehr erlaubt, liest nur die halbe Tabelle.
Was in Wohnmobilen tatsächlich gemessen wurde
Publizierte Messreihen zu Legionellen in Wohnmobilen sind selten. Die bekannteste stammt von Litwin und Kollegen und erschien 2013 in Case Reports in Infectious Diseases. Geprüft wurden 20 Fahrzeuge mit 28 Wasserproben. 17 stammten aus Armaturen und 11 aus Tanks, gewonnen an 3 Campingplätzen in den USA.
| Probenort | positiv | Anteil |
|---|---|---|
| Fahrzeuge insgesamt | 4 von 20 | 20 % |
| Armaturen | 4 von 17 | 24 % |
| Wassertanks | 1 von 11 | 9 % |
Nachgewiesen wurden Legionella pneumophila der Serogruppen 1 und 6 sowie L. anisa, L. feeleii und L. quateriensis. Der höchste Einzelwert lag bei 25 koloniebildenden Einheiten je Milliliter für L. pneumophila Serogruppe 1.
Aufschlussreich ist die Nutzerbefragung derselben Arbeit. 60 % der Halter hatten den Tank im Jahr davor gereinigt. 45 % entleerten ihn vor der Einlagerung. Mit Chlor desinfizierte ihn nur einer von 20.
Die Studie ist ein Fallbericht mit kleiner Stichprobe aus den USA und kein deutsches Repräsentativsample. Sie zeigt eine Größenordnung, keine Häufigkeit für den deutschen Bestand. Bemerkenswert bleibt, dass die Armaturen häufiger belastet waren als die Tanks. Der Weg vom Frischwassertank zum Wasserhahn ist offenbar der kritischere Abschnitt.
Entscheidend ist bei Legionellen außerdem der Aufnahmeweg. Sie gelangen über Aerosol in die Lunge, also über feine Tröpfchen. Die Dusche im Fahrzeug erzeugt genau solche Tröpfchen, das Trinken dagegen kaum. Wer nach 2 Wochen Standzeit auf dem Campingplatz zuerst duscht, wählt den ungünstigsten Einstieg. Wie ein Legionellenfilter arbeitet und wo er sinnvoll sitzt, steht im eigenen Beitrag dazu.
Wasserkonservierung: was der Begriff in der Campingbranche meint
Wasserkonservierung meint die Zugabe eines Mittels, das Keime im gefüllten Tank über Wochen hemmen soll. Rechtlich entscheidend ist dabei allein der Wirkstoff, nicht die Darreichungsform als Tablette, Pulver oder Lösung.
Rechtlich ist jede Zugabe eine Aufbereitung. § 18 Nummer 4 TrinkwV erlaubt die Desinfektion in mobilen Anlagen und bei der Speicherung von kaltem Wasser. Der Zweck ist also zulässig. Die Entfernung von Krankheitserregern durch Filtration regelt Nummer 1 desselben Paragrafen. Sie gilt aber für Rohwasser. Die Mittel begrenzt danach Paragraf 19 Absatz 3. Erlaubt sind allein Stoffe und Verfahren aus der Liste nach § 20.
Im Desinfektionsteil führt die Liste 5 Stoffe: Calciumhypochlorit, Chlor, Chlordioxid, Natriumhypochlorit und Ozon. Der Verfahrensteil nennt 10 Verfahren, davon 9 auf Chlorbasis. Silber steht in keinem Abschnitt.
Silber im Wassertank
Silber ist der Wirkstoff, mit dem im Campinghandel am sichtbarsten geworben wird. Zugleich ist es das einzige der gängigen Mittel, das in der Liste nach § 20 fehlt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt in ihrer Auswertung von 2018 zu 2 Ergebnissen. Gegen Bakterien wirkt Silber erst nach Stunden bis Tagen. Den Aufbau von Biofilm verhindert es nach der vorliegenden Untersuchung gar nicht.
Die Einzelheiten stehen im Beitrag zu Silberionen für den Wassertank. Dort steht auch, warum die Angabe von 0,1 Milligramm je Liter aus den WHO-Unterlagen falsch zitiert wird.
Chlor und Chlordioxid: die zulässigen Mengen
Bei Chlor nennt die Liste nach § 20 zwei Werte. Die höchste zulässige Zugabe beträgt 1,2 Milligramm je Liter freies Chlor. Nach der Aufbereitung muss der Gehalt zwischen 0,1 und 0,3 Milligramm je Liter liegen. Dieselben Werte gelten für Calciumhypochlorit und Natriumhypochlorit.
| Stoff | maximale Zugabe | Bereich nach der Aufbereitung |
|---|---|---|
| Chlor | 1,2 mg/l freies Cl2 | 0,1 bis 0,3 mg/l |
| Calciumhypochlorit | 1,2 mg/l freies Cl2 | 0,1 bis 0,3 mg/l |
| Natriumhypochlorit | 1,2 mg/l freies Cl2 | 0,1 bis 0,3 mg/l |
| Chlordioxid | 0,4 mg/l ClO2 | 0,05 bis 0,2 mg/l |
Chlordioxid liegt damit auf einem anderen Niveau als Chlor. Wer die 0,2 Milligramm je Liter aus der Chlordioxid-Zeile auf Chlor überträgt, bleibt ein Drittel darunter. Die Dosis fällt dann womöglich zu schwach aus.
Höhere Werte bleiben nach der Liste außer Betracht, wenn die Desinfektion anders nicht gelingt. Dasselbe gilt, wenn Ammonium sie zeitweise stört. Genannt sind bei Chlor eine Zugabe bis 6 Milligramm je Liter und ein Restgehalt bis 0,6 Milligramm je Liter. Diese Regel richtet sich an Wasserversorger, nicht an den Tank im Fahrzeug.
Praktisch bleibt bei Chlor eine Schwierigkeit. Ohne Messung ist der Gehalt im Tank unbekannt. Handelsübliche Präparate rechnen mit einem Tankvolumen, das selten genau feststeht. Dazu kommt die laufende Verdünnung während der Reise.
UV-Bestrahlung als einziges chemiefreies Verfahren der Liste
Teil II der Liste nach § 20 führt 10 Desinfektionsverfahren. Neun davon erzeugen oder dosieren Chlorverbindungen. Das zehnte ist die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (UV) von 240 bis 290 Nanometern. Das dazugehörige Regelwerk verlangt mindestens 400 Joule je Quadratmeter, bezogen auf 254 Nanometer.
UV wirkt im Durchfluss und hinterlässt keinen Rückstand. Die Liste hält das fest: Für eine anhaltende Wirkung im Leitungsnetz ist das Verfahren nicht anwendbar. Was hinter der Lampe wieder in einen belegten Tank läuft, wird erneut besiedelt. UV ersetzt deshalb keine Tankreinigung. Es sichert die Entnahme ab.
Tankreinigung in der Reihenfolge, die funktioniert
Eine wirksame Tankreinigung besteht aus 4 Schritten, und die Reihenfolge entscheidet über das Ergebnis:
- Vollständig entleeren. Restwasser in Leitung und Pumpe verdünnt jedes Mittel. Es beimpft den frisch gereinigten Tank sofort wieder.
- Mechanisch reinigen. Biofilm ist ein Belag, kein gelöster Stoff. Wo eine Revisionsöffnung vorhanden ist, gehört eine Bürste hinein. Ohne Öffnung bleibt nur die chemische Reinigung mit anschließend gründlichem Spülen.
- Leitungen mitbehandeln. Der Belag sitzt auch in Schläuchen, Pumpe, Boiler und Armaturen. Ein sauberer Tank hinter verkeimten Leitungen bringt nichts.
- Spülen, bis der Geruch verschwindet. Reinigungsmittelreste sind selbst ein Nährstoff.
Der Wasserschlauch verdient dieselbe Aufmerksamkeit. Er liegt zwischen den Einsätzen oft im Stauraum und bleibt innen feucht. Danach wandert er in den Tank. Ein eigener, an beiden Enden verschlossener Trinkwasserschlauch bringt hygienisch mehr als jedes Konservierungsmittel. Das gilt besonders auf dem Campingplatz, wo alle Camper dieselbe Zapfstelle nutzen. Worauf es beim Wassertanken unterwegs ankommt, steht im eigenen Beitrag.
Welche Filterkartusche im Wohnmobil was leistet
Die Wirkung eines Wasserfilters hängt am Filtermedium, nicht am Gehäuse. Alb Filter setzt in der Camping-Serie 3 Filterkartuschen ein. Aktivkohle und Hohlfasermembran lösen je eine eigene Aufgabe, und keine ersetzt die andere.
| Kartusche | Medium | Arbeitet gegen | Wechsel |
|---|---|---|---|
| Active | gesinterte Aktivkohle | Chlor, Gerüche, organische Verbindungen, Arzneimittelrückstände, Schwermetalle | 4 Monate oder 3.000 Liter |
| Nano | Kunststoff-Hohlfasern | Bakterien und Partikel, Porengröße 0,1 Mikrometer | 6 Monate oder 5.000 Liter |
| Protect | Vorfiltermodul | grobe Partikel ab 40 Mikrometer | vom Hersteller ohne festes Intervall angegeben |
Ein Aktivkohlefilter für Wasser adsorbiert gelöste Stoffe. Bakterien hält er nicht zurück, und bei langer Standzeit kann er selbst besiedelt werden. Wer einen Keimfilter braucht, braucht die Membran. Der Überblick zu den Filtrationstechnologien ordnet beide Verfahren ein. Im Handbuch der Camping-Serie heißt die Nano-Kartusche Keimsperre direkt vor der Entnahme des Wassers.
Die Reihenfolge im System steht ebenfalls im Handbuch und in der Anleitung zur Installation. In Durchflussrichtung sitzt Active vor Nano, das Vorfiltermodul Protect immer an erster Stelle. Grund ist der Kohlestaub. Er löst sich beim ersten Spülen aus der Aktivkohle und setzt die Membran vorzeitig zu.
Vor dem Tank oder dahinter
Ein Filter im Wohnmobil hat 2 sinnvolle Einbauorte, dazu kommt die Kombination aus beiden. Jede Variante löst ein anderes Problem, und die Entscheidung hängt an der Nutzung:
- Vor dem Tank filtert das Wasser beim Befüllen. Sediment, Chlorgeschmack und Partikel aus der Zapfstelle bleiben draußen. Vorgänge im Tank selbst erreicht ein Filter an dieser Stelle nicht.
- Hinter dem Tank sichert die Entnahme ab. Keime, die sich im Tank vermehrt haben, werden hier zurückgehalten. Das Befüllwasser läuft dafür ungefiltert in den Tank.
- Beide Stellen kombiniert decken den Weg vollständig ab. Die Kombination lohnt sich bei großen Tanks und langen Standzeiten, weil dort beide Risiken zusammentreffen.
Wer den Tank binnen 3 Tagen leert, kommt mit einer Stufe aus. Wer 200 Liter mitführt und eine Woche damit auskommt, hat das Problem im Tank. Dann zählt die Stufe an der Entnahme. Sparsamer Verbrauch verlängert die Standzeit im Tank, was beim Wassersparen im Wohnmobil mitzudenken ist.
Der Einwand des Umweltbundesamts, und was er wert ist
In seinem Ratgeber von 2020 rät das Umweltbundesamt von Geräten ab, die das Wasser zusätzlich reinigen sollen. Die Begründung steht im selben Absatz: In Filtern, die nicht regelmäßig getauscht werden, können sich Bakterien vermehren und das Trinkwasser verunreinigen. Eine Empfehlung von 2021 ergänzt den Gedanken. In einer regelkonform gebauten und betriebenen Anlage besteht aus hygienischen Gründen keine Notwendigkeit einer Nachbehandlung.
Beide Aussagen zielen auf die Hausinstallation, die an ein überwachtes Versorgungsnetz angeschlossen ist. Im Wohnmobil fehlen Netzanschluss und Überwachung. Die Zapfstelle wechselt, das Wasser lagert im Tank, und die Anlage überwacht niemand.
Der Kern des Einwands trifft trotzdem zu. Ein Filter, der zu lange im Gehäuse bleibt, wird vom Schutz zum Risiko. Das Wechselintervall ist deshalb keine Empfehlung. Es ist die Bedingung, unter der ein Filter im Fahrzeug vertretbar bleibt.
Einwintern und Wiederinbetriebnahme
Vor der Standzeit gehören 4 Bauteile vollständig leer: Tank, Leitungen, Pumpe und Boiler, dazu die Ablasshähne. Restwasser über Monate ist der Ausgangspunkt für einen Belag, den im Frühjahr niemand mehr wegspült.
Filterkartuschen gehören aus dem Gehäuse. Das Handbuch der Camping-Serie verlangt, sie zu entnehmen und mit der Nase nach oben trocknen zu lassen. So beugt der Hersteller Verkeimung und Schimmelbildung vor. Ausdrücklich untersagt sind 3 Formen der Lagerung: im Kühlschrank, eingelegt in Reis und in geschlossenen Behältern. Die maximale Nutzungsdauer im aktiven Betrieb von 4 beziehungsweise 6 Monaten läuft dabei weiter.
Zum Saisonstart gilt die Reihenfolge der Wiederinbetriebnahme: erst spülen, dann befüllen, dann filtern. Für Gebäude verlangt der DVGW nach einer Betriebsunterbrechung eine Spülung der gesamten Installation. Bei Abgabe an die Öffentlichkeit kommt ein Fachunternehmen dazu. Im privaten Fahrzeug bleibt davon der Kern: spülen, bevor das erste Glas gezapft wird. Danach steht wieder das Intervall von 7 Tagen, besser 3 Tagen.
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Häufige Fragen
Wie lange kann Wasser im Wohnmobiltank bleiben?
Eine gesetzliche Frist existiert nicht. Die DVGW-Kompaktinfo von 2024 empfiehlt für Trinkwasserinstallationen einen Wasseraustausch alle 7 Tage, besser alle 3 Tage. Ab 72 Stunden Stillstand nennt sie die Vermehrung von Mikroorganismen als Risiko. Im Wohnmobil liegen die Temperaturen im Sommer höher als im Haus. Deshalb ist das kürzere Intervall die realistischere Vorgabe.
Kann man das Wasser aus dem Wohnmobiltank trinken?
Ja, sofern das eingefüllte Wasser Trinkwasserqualität hatte und Tank und Leitungen gepflegt sind. Rechtlich ist Wasser im Wohnmobiltank Trinkwasser. Verantwortlich für den Zustand der Anlage ist der Betreiber, im Privatfall also der Halter des Fahrzeugs.
Ist Silber zur Wasserkonservierung erlaubt?
Nein. § 19 Absatz 3 TrinkwV lässt nur Stoffe aus der Liste nach § 20 zu. Silber steht in keinem ihrer 5 Abschnitte. Die Regel kennt keine Ausnahme für den Eigengebrauch. Was privat entfällt, sind Anzeige-, Aufzeichnungs- und Untersuchungspflichten, nicht die Aufbereitungsvorschrift.
Wie viel Chlor darf ins Wasser?
Die Liste nach § 20 erlaubt eine Zugabe von höchstens 1,2 Milligramm je Liter freiem Chlor. Nach der Aufbereitung muss der Gehalt zwischen 0,1 und 0,3 Milligramm je Liter liegen. Bei Chlordioxid sind es 0,4 Milligramm je Liter Zugabe und danach 0,05 bis 0,2 Milligramm je Liter.
Filtert Aktivkohle Bakterien aus dem Wasser?
Nein. Gesinterte Aktivkohle arbeitet adsorptiv gegen gelöste Stoffe wie Chlor, Gerüche und organische Verbindungen. Für Bakterien braucht es eine Membran. Die Nano-Kartusche von Alb Filter nutzt dafür Hohlfasern mit einer Porengröße von 0,1 Mikrometer.
Wo sitzt der Wasserfilter im Wohnmobil am besten?
Vor dem Tank hält der Filter Partikel und Geschmacksstoffe beim Befüllen zurück. Hinter dem Tank sichert er die Entnahme gegen Keime aus dem Tank ab. Als Faustregel gilt: Je größer der Tank, desto mehr spricht für die Kombination aus beiden Stufen. Das Gleiche gilt für lange Standzeiten.
Wie oft muss der Wassertank gereinigt werden?
Zwei feste Termine sind sinnvoll: vor der Einwinterung und vor dem Saisonstart. Bei durchgehender Nutzung richtet sich der Abstand nach dem Zustand. Geruch, Trübung oder ein veränderter Geschmack sind nach § 47 Absatz 1 Nummer 2 TrinkwV anzeigepflichtig. Sie sind zugleich der klare Anlass für eine Reinigung.
Gibt es Legionellen im Wohnmobil?
Ja, sie wurden nachgewiesen. Litwin und Kollegen fanden 2013 in 4 von 20 Wohnmobilen Legionellen. Betroffen waren 4 von 17 Armaturen und 1 von 11 Tanks. Der höchste Wert lag bei 25 koloniebildenden Einheiten je Milliliter. Die Stichprobe ist klein und stammt aus den USA.
Muss ich als Privatperson etwas beim Gesundheitsamt anzeigen?
Die Anzeige der Anlage nach § 11 entfällt bei privater Nutzung. § 47 Absatz 1 gilt dagegen ohne Gewerbe-Vorbehalt. Eine wahrnehmbare nachteilige Veränderung ist unverzüglich zu melden. In der Praxis wird das Gesundheitsamt bei einem Privatfahrzeug nur bei Gesundheitsgefahr tätig.
Was gilt für Wohnwagen und Kastenwagen?
Dieselben Regeln. Die Verordnung stellt auf die Anlage ab, nicht auf die Fahrzeugklasse. Auch Kanister ohne festen Tank zählen dazu. Die Ausführungshinweise Baden-Württembergs beziehen die Versorgung aus Kanistern ausdrücklich ein.
Quellen
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV) in der Fassung ab 24. Juni 2023, §§ 2, 18, 19, 20, 29, 43, 47, 48 sowie Anlage 3 Teil I
- Umweltbundesamt: Liste zulässiger Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren nach § 20 TrinkwV, BAnz AT 27.01.2023 B12, berichtigt BAnz AT 27.08.2024 B7
- Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: Ausführungshinweise zur Trinkwasserverordnung, Stand 31. Mai 2024
- DVGW: Kompaktinfo für Trinkwasser, Trinkwasserinstallationen, Stagnation und Wiederinbetriebnahme, Stand März 2024
- Umweltbundesamt: Ratgeber TrinkWas, Trinkwasser aus dem Hahn, Stand 7. April 2020
- Umweltbundesamt: Empfehlung Risiken durch die Nachbehandlung von Trinkwasser in der Trinkwasser-Installation, Stand 15. Dezember 2021
- Litwin CM et al.: Recreational Vehicle Water Tanks as a Possible Source for Legionella Infections, Case Reports in Infectious Diseases 2013, Artikel 286347
- Alb Filter: Bedienungsanleitung Camping V1.5, Ausgabe 08/2025