Titelbild des Ratgebers zu PFAS im Trinkwasser: Seit 12. Januar 2026 gilt ein Grenzwert von 100 Nanogramm pro Liter für die Summe PFAS-20.
RatgeberInhaltsstoffe im Wasser

PFAS im Trinkwasser: was die neuen Grenzwerte messen und was nicht

Seit 12. Januar 2026 gilt für die Summe PFAS-20 ein Grenzwert von 100 Nanogramm je Liter. Was die Zahl misst und was ein Filter davon leistet.

Seit dem 12. Januar 2026 gilt in Deutschland ein Grenzwert für 20 per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) im Trinkwasser. Er liegt bei 0,000 10 mg/l, also 100 Nanogramm je Liter. Ein zweiter, strengerer Wert folgt 2028. Beide Zahlen stehen in der Trinkwasserverordnung, beide sind neu, und beide bedeuten etwas anderes als die meisten Berichte darüber nahelegen. Der folgende Beitrag ordnet beide Grenzwerte ein, nennt die Messdaten dahinter und zeigt, was ein Filter davon leisten kann.

Symbolbild zu PFAS im Trinkwasser: Seit Januar 2026 gilt ein Grenzwert von 100 Nanogramm pro Liter, ein strengerer Wert folgt 2028.

Was PFAS sind und warum sie im Wasser bleiben

PFAS sind Kohlenstoffketten, an denen Wasserstoff vollständig oder teilweise durch Fluor ersetzt ist. Die Trinkwasserverordnung erfasst 20 von ihnen. Die Bindung zwischen Kohlenstoff und Fluor gehört zu den stabilsten in der organischen Chemie. Aus der Stärke der Kohlenstoff-Fluor-Bindung folgen beide Eigenschaften der Stoffgruppe: die technische Nützlichkeit und die Unzerstörbarkeit. Genutzt wird die Fluorchemie dort, wo Oberflächen Wasser, Fett und Schmutz abweisen sollen. Beispiele sind Antihaftbeschichtung, Imprägnierung und Feuerlöschschaum.

In der Umwelt bauen weder Mikroorganismen noch Sonnenlicht PFAS in nennenswertem Umfang ab. Der Begriff Ewigkeitschemikalien beschreibt das treffend. Was einmal in ein Grundwasservorkommen gelangt, bleibt dort über Jahrzehnte.

Die Trinkwasserverordnung regelt nicht alle PFAS, sondern eine namentlich aufgezählte Auswahl: perfluorierte Carbon- und Sulfonsäuren mit einer Kettenlänge von 4 bis 13 Kohlenstoffatomen. Zu ihnen gehören die bekannten Vertreter Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), aber auch kurzkettige wie Perfluorbutansäure (PFBA). Polytetrafluorethylen (PTFE), das Material beschichteter Pfannen, gehört nicht dazu: Es ist ein wasserunlösliches Polymer und kein gelöster Stoff im Wasser.

Alte Antihaft-Pfanne mit abblätternder Beschichtung

Die 2 Grenzwerte der Trinkwasserverordnung

Anlage 2 Teil I der Trinkwasserverordnung nennt zwei Parameter mit unterschiedlichen Fristen. Die folgende Übersicht zeigt beide.

ParameterGrenzwertin Nanogramm je Litergilt ab / erfasste Stoffe
Summe PFAS-200,000 10 mg/l10012.01.2026
20 perfluorierte Carbon- und Sulfonsäuren, C4 bis C13
Summe PFAS-40,000 020 mg/l2012.01.2028
PFOA, Perfluornonansäure (PFNA), Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS), PFOS

Der Parameter Summe PFAS-20 stammt aus der EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184. Den zweiten, strengeren Wert hat Deutschland zusätzlich eingeführt. Die 4 darin erfassten Stoffe machen nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 50 % der über die Nahrung aufgenommenen PFAS aus. An der inneren Körperbelastung tragen sie rund 90 %.

Beide Grenzwerte verlangen mehr als eine Summenzahl. Die Verordnung schreibt vor, dass die Konzentrationen der einzelnen herangezogenen Stoffe gesondert auszuweisen sind. In einem vollständigen Untersuchungsbefund stehen deshalb die Einzelwerte, nicht nur die Summe.

Warum der Grenzwert zehnmal über der Toxikologie liegt

Der Grenzwert von 20 Nanogramm je Liter für die Summe PFAS-4 ist keine gesundheitlich abgeleitete Zahl. Das Umweltbundesamt rechnet in seiner Empfehlung vom 14. Juni 2024 vor, welcher Wert toxikologisch begründet wäre, und kommt auf 2,2 Nanogramm je Liter, gerundet auf 2,0. Der Grenzwert liegt damit beim Zehnfachen des gerundeten Werts.

Die Rechnung geht so. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legte 2020 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge fest. Sie beträgt 4,4 Nanogramm je Kilogramm Körpergewicht für die Summe der 4 Stoffe. Ausschlaggebend waren immuntoxische Wirkungen. Daraus folgen 2,2 Nanogramm je Liter. Angesetzt sind 70 Kilogramm Körpergewicht, 2 Liter Trinkwasser am Tag und ein Anteil von 10 % für das Trinkwasser.

Warum der Grenzwert trotzdem zehnmal höher liegt, schreibt dieselbe Quelle offen. Die Erkenntnisse der Behörde wurden „unter Abwägung der analytischen Nachweisbarkeit sowie der aufbereitungstechnischen Machbarkeit" umgesetzt. Der Grenzwert markiert damit, was messbar und mit vertretbarem Aufwand aufbereitbar ist. Er markiert nicht die Grenze zur Unbedenklichkeit.

Was bei der Summenbildung als Null zählt

Eine Regel der Trinkwasserverordnung wird im Grenzwert selbst unsichtbar. Messwerte einer Einzelsubstanz unterhalb der Bestimmungsgrenze fließen in die Summe nicht ein.

Anlage 7 Teil I nennt dafür eine Bestimmungsgrenze von 0,000 001 5 mg/l oder niedriger als erforderlich. Das sind 1,5 Nanogramm je Liter je Stoff. Bei 20 erfassten Stoffen sind das rechnerisch knapp 30 Nanogramm je Liter, die formal mit dem Ergebnis Null in die Summe eingehen. Der Grenzwert liegt bei 100.

In der Praxis fällt der Effekt kleiner aus, weil die Labore in der Regel genauer messen. Das Umweltbundesamt nennt für das Normverfahren seit 2024 Bestimmungsgrenzen von 0,2 Nanogramm je Liter im Optimalfall. Robust liegen sie im Mittel unter 1,5. Wer einen Analysebefund bewertet, sollte deshalb nach der erreichten Bestimmungsgrenze fragen und nicht nur auf die Summe schauen.

Wie stark deutsches Trinkwasser belastet ist

Die derzeit beste Datengrundlage umfasst 1.300 Datensätze mit Stand März 2024, ausgewertet für das Umweltbundesamt. Die Verteilung sieht so aus.

BefundAnteil der Proben
unter der Bestimmungsgrenze51,5 %
über dem Grenzwert Summe PFAS-20 (100 ng/l)4,1 %
über dem Grenzwert Summe PFAS-4 (20 ng/l)6,4 %

Repräsentativ im statistischen Sinn sind die Zahlen ausdrücklich nicht. Sie geben aber den besten verfügbaren Wissensstand wieder. Eine belastbare Gesamtübersicht bringt erst die Berichtspflicht ab 2026 und 2028.

Beide Lesarten der Tabelle sind richtig. Bei etwa der Hälfte der Proben ist überhaupt nichts nachweisbar. Zugleich überschreiten 6,4 % der Proben den strengeren der beiden Werte, also etwa jede sechzehnte. Der Grenzwert für die Summe PFAS-4 liegt dabei bereits beim Zehnfachen der toxikologischen Ableitung.

Woher die PFAS im Wasser stammen

2 Arten von Eintragspfaden nennt das Umweltbundesamt für die Gefährdungsanalyse in Trinkwassereinzugsgebieten. Flächenhaft wirken Klärschlämme, verunreinigte Komposte und Bodenhilfsstoffe. Punktuell wirken das Umfeld eines Flughafens, vorangegangene Großbrände und spezielle Industrieanlagen oder Altlasten.

Bei den Großbränden nennt das Umweltbundesamt den Einsatz von Löschschäumen ausdrücklich als Ursache. Fluorhaltige Schäume wirken auf brennenden Flüssigkeiten, weil sie einen geschlossenen Film bilden. Wo solche Schäume versickert sind, findet sich die Belastung Jahrzehnte später im Grundwasser.

Die flächenhaften Einträge über Klärschlamm und Kompost erklären, warum PFAS auch abseits bekannter Industriestandorte im Leitungswasser auftauchen. Den Überblick über die übrigen Parameter gibt unser Beitrag zu den Inhaltsstoffen im Leitungswasser.

Was PFAS im Körper bewirken, und was nicht belegt ist

4 Wirkungen gelten nach der Bewertung des Umweltbundesamtes als hinreichend gestützt. Belegt sind eine verringerte Antikörperantwort auf Impfungen, eine erhöhte Infektionsneigung und erhöhte Cholesterinspiegel im Serum. Dazu kommt ein möglicher kausaler Zusammenhang mit dem Geburtsgewicht. Die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge der EFSA beruht auf dem ersten dieser Endpunkte.

Anders fällt die Bewertung bei weiteren, oft genannten Wirkungen aus. Zur neurologischen Entwicklung, zur Schilddrüsenfunktion und zum Krebsrisiko sieht das Umweltbundesamt in den epidemiologischen Studien nur unzureichende Evidenz. Für Krebs vermerkt es ausdrücklich „no evidence" beziehungsweise „limited evidence". Im Tierversuch sieht das Bild anders aus. Dort wirken PFOS und PFOA in der Nagetierleber als Tumorpromotoren, und PFOA kann bei Ratten Leydig-Zelltumoren auslösen.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie in Ratgebertexten oft verschwindet. Ein Effekt bei Nagetieren in hohen Dosen bleibt ein Befund am Tier, solange er beim Menschen unter Alltagsbedingungen offen ist. Für die Krebsfrage gilt eine eigene Bewertung, die der folgende Abschnitt behandelt.

Ist PFOA krebserregend?

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat PFOA im November 2023 in Gruppe 1 eingestuft. Gruppe 1 heißt: krebserzeugend für den Menschen. PFOS steht seither in Gruppe 2B, möglicherweise krebserzeugend. Die Evidenzlage hinter beiden Einstufungen zeigt die Tabelle.

StoffEvidenz beim Menschenim Tierversuchmechanistisch / Einstufung
PFOAbegrenzt (Nierenzell- und Hodenkrebs)hinreichendstark
Gruppe 1, krebserzeugend
PFOSunzureichendbegrenztstark
Gruppe 2B, möglicherweise krebserzeugend

Die Begründung löst den scheinbaren Widerspruch zur Bewertung des Umweltbundesamtes auf. Auch die IARC nennt die Evidenz beim Menschen für PFOA begrenzt. Sie beschränkt sie auf 2 Krebsarten, Nierenzellkarzinom und Hodenkrebs. Für Gruppe 1 zählten hinreichende Belege im Tierversuch. Dazu kamen starke Belege zum Wirkmechanismus bei exponierten Menschen, konkret epigenetische Veränderungen und Immunsuppression.

Die zweite Einschränkung schreibt die IARC selbst. Ihre Einstufungen benennen eine Gefahr, keine Risikohöhe. Wörtlich sagt die Klassifikation nichts über das Krebsrisiko bei verschieden hoher Belastung aus. 2 Stoffe derselben Gruppe können weit auseinanderliegende Risiken tragen.

PFOA stand schon 2014 auf dem Prüfstand und wurde damals in Gruppe 2B eingestuft. Die Hochstufung von 2023 beruht auf neuen Daten aus Tierversuchen und zum Wirkmechanismus, nicht auf neuen Studien am Menschen. PFOS wurde 2023 erstmals bewertet.

Wie lange PFAS im Körper bleiben

Kurzkettige Vertreter wie PFBA, Perfluorbutansulfonsäure (PFBS) und Perfluorhexansäure (PFHxA) bleiben laut Umweltbundesamt wenige Tage bis etwa 1 Monat. Gemeint ist die Halbwertszeit im Körper. Bei langkettigen wie PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS sind es Jahre. Zwischen beiden Gruppen liegen im Körper also Größenordnungen.

Aufgenommene PFAS werden weitgehend resorbiert. Sie sammeln sich vor allem im Blutplasma, gebunden an Albumin, sowie in Leber und Niere. Verstoffwechselt werden Perfluorcarbon- und Perfluorsulfonsäuren nicht, sie werden über Urin und Kot ausgeschieden.

Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz für jede Schutzmaßnahme: Wer die Aufnahme heute senkt, senkt die eigene Belastung nicht heute, sondern über Jahre. Wie langsam genau, zeigt eine Studie weiter unten in diesem Beitrag.

Wie viel PFAS Kinder in Deutschland im Blut tragen

Die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit untersuchte zwischen 2014 und 2017 Kinder und Jugendliche von 3 bis 17 Jahren auf 12 PFAS. PFOS war praktisch in allen Teilnehmenden nachweisbar, bei zwei Dritteln fanden sich mindestens 3 PFAS gleichzeitig im Blut.

21,1 % überschritten den Wert des Human-Biomonitorings (HBM) der Stufe I für PFOA, 7,3 % den Wert für PFOS. HBM-I bezeichnet die Konzentration, bis zu der keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist. Sie liegt bei 2 Mikrogramm je Liter Blutplasma für PFOA und bei 5 für PFOS.

Oberhalb des HBM-I-Werts sind Beeinträchtigungen nicht mit ausreichender Sicherheit auszuschließen. Die Interventionsschwelle HBM-II liegt für Frauen im gebärfähigen Alter bei 5 Mikrogramm PFOA und 10 Mikrogramm PFOS je Liter Plasma. Für andere Bevölkerungsgruppen gilt der doppelte Wert. Ihn überschritten 0,2 % der untersuchten Kinder bei PFOS.

Welche Verfahren PFAS aus Wasser holen

3 verbreitete Verfahren nennt das Umweltbundesamt ausdrücklich weitgehend wirkungslos, 3 weitere als geeignet. Die Übersicht fasst die Bewertung zusammen.

VerfahrenBewertung durch das Umweltbundesamt
Untergrundpassage, Flockung, Ozonungweitgehend wirkungslos
AktivkohlefiltrationVerfahren der Wahl, besonders bei langkettigen PFAS
Ionenaustauschermögliche Alternative, in Deutschland bisher nur in Forschungsvorhaben getestet
Nanofiltration und Umkehrosmosewirksam, sinnvoll vor allem bei weiteren Aufbereitungszielen

Die Aktivkohlefiltration im Wasserwerk kostet nach derselben Quelle derzeit unter 0,1 Euro je Kubikmeter. Die Zahl gilt allein für zentrale Anlagen, nicht für Haushaltsgeräte.

Ein Punkt gilt für alle Verfahren. Bei der Entfernung entstehen Rückstände, die selbst PFAS enthalten. Sie müssen entsorgt werden. Ein Filter vernichtet PFAS also nicht, er verlagert sie. Wie die einzelnen Technologien arbeiten, erklärt unser Beitrag zu den Filtrationstechnologien und Filterverfahren.

Wo Aktivkohle an ihre Grenze kommt

Die Wirksamkeit von Aktivkohle hängt an der Kettenlänge. Liegen im Rohwasser überwiegend kurzkettige PFAS mit 6 Kohlenstoffatomen und weniger vor, verkürzen sich die Filterlaufzeiten nach Angaben des Umweltbundesamtes sehr stark. Aufbereitungskosten und Betriebsaufwand steigen entsprechend.

Der Grund liegt in der Chemie. Aktivkohle bindet über Adsorption, also über Anlagerung an die innere Oberfläche. Je länger die fluorierte Kette, desto stärker die Anlagerung. Kurzkettige PFAS sind mobiler und wasserlöslicher. Sie rücken schneller durch das Filterbett.

Genau hier setzen Kombinationsprodukte an: Ein zusätzliches Anionenaustauscherharz bindet die negativ geladenen kurzkettigen Verbindungen über Ladung statt über Adsorption. Die Alb Filter Active PFAS Kartusche arbeitet nach diesem Prinzip, mit Blockaktivkohle aus Kokosnussschalen und einem Kern aus Absorberharz.

Trifluoressigsäure geht durch jeden Aktivkohlefilter

Für einen Stoff aus der PFAS-Gruppe versagt Aktivkohle vollständig. Trifluoressigsäure (TFA) besteht aus nur 2 Kohlenstoffatomen und ist damit ultrakurzkettig. Das Umweltbundesamt schreibt dazu, TFA lasse sich weder durch Abbau noch durch Aktivkohlefilter entfernen. Wirksam seien nur sehr aufwendige Verfahren wie die Umkehrosmose.

TFA ist kein Randthema. Der Stoff wird europaweit in Meeren, Oberflächengewässern, Grundwasser, Trinkwasser und Niederschlägen nachgewiesen. Im Juni 2026 empfahl der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), ihn als reproduktionstoxisch der Kategorie 1B einzustufen. TFA wäre damit die erste Chemikalie mit harmonisierter Einstufung nach den 2023 eingeführten Gefahrenklassen für persistente und mobile Stoffe.

Der Befund hat eine zweite Seite, die ebenso zur Wahrheit gehört. Der gesundheitliche Trinkwasserleitwert für TFA liegt bei 60 Mikrogramm je Liter. Er bleibt nach Prüfung der neuen Bewertung gültig, weil der empfindlichste Endpunkt weiterhin ein Lebereffekt ist. TFA gehört auch nicht zu den 20 Stoffen der Summe PFAS-20. Wer TFA aus dem Trinkwasser holen will, braucht eine Umkehrosmoseanlage mit dichter Membran. Auch die Umkehrosmose nennt das Umweltbundesamt wegen des Energiebedarfs und des belasteten Abwasserstroms unnachhaltig.

Was ein Aktivkohlefilter im Blut messbar bewirkt

Eine Studie aus dem Mittleren Ohiotal hat die Wirkung direkt gemessen. Dort war das Trinkwasser zweier Versorgungsgebiete durch ein Chemiewerk mit PFOA belastet. Beide stellten 2007 auf Aktivkohlefiltration um. Bartell und Kollegen begleiteten 200 Anwohnerinnen und Anwohner mit bis zu 6 Blutproben von Mai 2007 bis August 2008.

Die Ausgangswerte lagen zwischen 16 und 1.400 Nanogramm PFOA je Milliliter Serum. Nach der Umstellung sank die Konzentration um 26 % pro Jahr, mit einem Konfidenzintervall von 25 bis 28 %. Daraus ergibt sich eine mediane Halbwertszeit im Serum von 2,3 Jahren. Gegenüber der Vergleichsgruppe ohne Filtration erhöhte die Aktivkohle die Abnahmerate im ersten Jahr um rund 60 %.

Die Studie trägt 2 Einschränkungen. Gemessen wurde eine zentrale Aufbereitung im Wasserwerk, nicht ein Gerät am Hahn. Die Ausgangsbelastung lag weit über deutschen Verhältnissen. Die Größenordnung bleibt trotzdem lehrreich: Ein Filter wirkt, aber er wirkt langsam. Wer heute umstellt, sieht den Wert im Blut erst nach gut 2 Jahren halbiert.

Bildmotiv zum Kinofilm „Dark Waters – Vergiftete Wahrheit" über den PFOA-Wasserskandal, der Hintergrund für die im Ratgeber zitierte Blutstudie ist.

Was die EU bisher verboten hat

Perfluoroctansäure ist seit dem 4. Juli 2020 europaweit verboten. Die Delegierte Verordnung (EU) 2020/784 vom 8. April 2020 nahm PFOA, ihre Salze und PFOA-verwandte Verbindungen in Anhang I der EU-Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP-Verordnung) auf. Grundlage war die Aufnahme in Anlage A des Stockholmer Übereinkommens. Als unbeabsichtigte Spurenverunreinigung bleiben 0,025 mg/kg für PFOA und ihre Salze zulässig.

Verboten sind Herstellung und Inverkehrbringen des Stoffes, nicht die beschichtete Pfanne in der Küche. PFOA wurde als Hilfsstoff bei der Herstellung von Polytetrafluorethylen eingesetzt; das fertige Polymer ist davon zu unterscheiden. Der Anhang enthält daneben befristete Ausnahmen für Anwendungen, in denen die Grenzwerte zunächst unerreichbar waren.

Verboten sind damit einzelne Stoffe, nicht die Stoffgruppe. Bei der Europäischen Chemikalienagentur läuft ein Verfahren über eine breite Beschränkung, dessen Stand sich laufend ändert. Für das Wasser im Hahn ändert das zunächst wenig: Die Einträge der Vergangenheit stecken unabhängig von künftigen Verboten im Grundwasser.

Wie sich herausfinden lässt, was im eigenen Wasser ist

Zwei Wege führen zu belastbaren Zahlen. Der erste ist die Anfrage beim örtlichen Wasserversorger oder beim zuständigen Gesundheitsamt. Ab 2026 muss die Summe PFAS-20 im Rahmen der Trinkwasserüberwachung gemessen werden. Die Einzelwerte sind gesondert auszuweisen. Ein Teil der Versorger untersucht bereits vorher, unter anderem auf 2 Aufrufe des Umweltbundesamtes aus den Jahren 2020 und 2021 hin.

Der zweite Weg ist die eigene Probe durch ein akkreditiertes Labor. Das seit 2024 verfügbare Normverfahren nutzt Flüssigchromatografie mit Tandem-Massenspektrometrie. Bei der Auftragsvergabe empfiehlt das Umweltbundesamt, die Leistungsfähigkeit der Untersuchungsstelle abzufragen und belegen zu lassen. Gemeint sind Bestimmungsgrenze und Messunsicherheit.

Einen dritten Weg gibt es nicht. Teststreifen und Hausmittel weisen PFAS nicht nach. Die relevanten Konzentrationen liegen bei wenigen Nanogramm je Liter. Wie sich Wasserqualität insgesamt beurteilen lässt, behandelt unser Beitrag dazu, wie man die Wasserqualität misst.

Der Alb Filter Active PFAS am Hahn

Für den Einbau unter der Spüle gibt es die Active PFAS Kartusche im Edelstahlgehäuse. Die technischen Daten des Herstellers stehen in der folgenden Tabelle.

Alb Filter Duo Active PFAS – Wasserhahnfilter aus Edelstahl mit Active PFAS Kartusche
AngabeWert
Wechselintervall4 Monate
Filterkapazität3.000 bis 5.000 l
Durchfluss bei 3 bar6 l/min
Gehäuse120 mm x 69 mm, 400 g, Edelstahl V4A
FiltermediumBlockaktivkohle aus Kokosnussschalen plus Anionenaustauscherharz

Die Kartusche kombiniert damit beide Wirkprinzipien: Adsorption an der Aktivkohle für langkettige PFAS, Ionenbindung am Harz für kurzkettige. Feine Partikel wie Mikroplastik hält dieselbe Kartusche mechanisch zurück. Für alle Wasserfilter-Kartuschen gilt dieselbe Regel. Maßgeblich ist die zuerst erreichte Grenze, also das Datum oder die Literzahl.

Eine Rückhalterate gegen einzelne PFAS in % veröffentlicht der Hersteller nicht. Wer eine belastbare Wirksamkeitszahl für ein bestimmtes Wasser braucht, kommt an einer Analyse vor und nach dem Filter nicht vorbei. Warum eine zusätzliche Filterstufe hinter der öffentlichen Aufbereitung überhaupt sinnvoll sein kann, erklärt unser Beitrag Warum Wasser filtern.

Produktbild Alb Filter Element Protect mit Active PFAS Kartusche und Schnellanschluss-Set

Passend zum Thema

Untertisch Active PFAS – Absorberharz gegen PFAS

Der Untertisch-Filter Active PFAS setzt auf eine Kartusche mit PFAS-Absorberharz und gesinterter Aktivkohle – entwickelt, um per- und polyfluorierte Chemikalien aus dem Leitungswasser zu reduzieren. Fest installiert, ohne Strom und ohne Abwasser.

Häufige Fragen zu PFAS im Trinkwasser

Wie hoch ist der Grenzwert für PFAS im Trinkwasser?

Seit dem 12. Januar 2026 gilt für die Summe PFAS-20 ein Grenzwert von 0,000 10 mg/l, also 100 Nanogramm je Liter. Ab dem 12. Januar 2028 kommt für die Summe PFAS-4 ein Wert von 0,000 020 mg/l hinzu, also 20 Nanogramm je Liter.

Ist deutsches Leitungswasser mit PFAS belastet?

Bei 51,5 % von 1.300 ausgewerteten Proben lagen die Gehalte unter der Bestimmungsgrenze. 4,1 % überschritten den Grenzwert für die Summe PFAS-20, 6,4 % den strengeren Wert für die Summe PFAS-4. Die Daten haben den Stand März 2024 und sind statistisch nicht repräsentativ.

Filtert Aktivkohle PFAS aus dem Wasser?

Ja, das Umweltbundesamt nennt die Aktivkohlefiltration das Verfahren der Wahl, besonders bei langkettigen PFAS. Bei kurzkettigen Verbindungen mit 6 Kohlenstoffatomen und weniger verkürzen sich die Filterlaufzeiten allerdings sehr stark.

Hilft eine Umkehrosmoseanlage gegen PFAS?

Ja. Nanofiltration und Umkehrosmose entfernen PFAS wirksam und sind das einzige praktikable Verfahren gegen die ultrakurzkettige Trifluoressigsäure. Das Umweltbundesamt weist zugleich auf den hohen Energiebedarf und den belasteten Abwasserstrom hin.

Wie lange bleiben PFAS im Körper?

Kurzkettige PFAS haben Halbwertszeiten von einigen Tagen bis etwa einem Monat. Bei langkettigen wie PFOA und PFOS sind es Jahre. Eine Studie an 200 Personen ergab nach Umstellung auf gefiltertes Wasser eine mediane Halbwertszeit von 2,3 Jahren im Serum.

Verursachen PFAS Krebs?

Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft PFOA seit November 2023 in Gruppe 1 ein, also als krebserzeugend für den Menschen, PFOS in Gruppe 2B. Die Evidenz aus Studien am Menschen nennt sie dabei selbst begrenzt und beschränkt auf Nierenzell- und Hodenkrebs. Die Einstufung benennt eine Gefahr, keine Risikohöhe.

Ist PFOA verboten?

Ja, seit dem 4. Juli 2020 durch die Delegierte Verordnung (EU) 2020/784. Verboten sind Herstellung und Inverkehrbringen des Stoffes sowie seiner Salze oberhalb von 0,025 mg/kg, nicht die Verwendung fertiger Produkte aus Polytetrafluorethylen.

Warum liegt der Grenzwert über dem gesundheitlich abgeleiteten Wert?

Aus der tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemenge der EFSA errechnet das Umweltbundesamt eine toxikologisch begründete Konzentration von 2,2 Nanogramm je Liter. Der Grenzwert von 20 Nanogramm je Liter berücksichtigt zusätzlich die analytische Nachweisbarkeit und die aufbereitungstechnische Machbarkeit.

Kann Wasser den Grenzwert einhalten und trotzdem PFAS enthalten?

Ja. Messwerte unterhalb der Bestimmungsgrenze zählen bei der Summenbildung nicht mit. Bei einer zulässigen Bestimmungsgrenze von 1,5 Nanogramm je Liter und 20 erfassten Stoffen können rechnerisch knapp 30 Nanogramm je Liter unberücksichtigt bleiben.

Was ist TFA und warum steht es nicht in der Verordnung?

Trifluoressigsäure ist ein PFAS mit nur 2 Kohlenstoffatomen. Die Summe PFAS-20 erfasst Ketten von 4 bis 13 Kohlenstoffatomen, TFA fällt also nicht darunter. Für TFA gilt ein gesundheitlicher Trinkwasserleitwert von 60 Mikrogramm je Liter.

Quellen

  1. Trinkwasserverordnung, Anlage 2 Teil I und Anlage 7 Teil I (gesetze-im-internet.de)
  2. Umweltbundesamt, Bewertung der PFAS-20 aus der Trinkwasserverordnung, Empfehlung nach Anhörung der Trinkwasserkommission, Stand 14. Juni 2024
  3. Umweltbundesamt, PFAS im Trinkwasser: Sachstand und Aspekte zur Bewertung, Empfehlung nach Anhörung der Trinkwasserkommission
  4. Umweltbundesamt, PFAS im Menschen, Fachinformation mit HBM-Werten und Ergebnissen der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit
  5. Umweltbundesamt, Häufige Fragen zur Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA)
  6. EFSA CONTAM Panel, Risk to human health related to the presence of perfluoroalkyl substances in food, EFSA Journal 2020
  7. Bartell und Kollegen, Rate of decline in serum PFOA concentrations after granular activated carbon filtration. Environmental Health Perspectives 118 (2010), Seite 222 bis 228
  8. Delegierte Verordnung (EU) 2020/784 der Kommission vom 8. April 2020 (eur-lex.europa.eu)
  9. Richtlinie (EU) 2020/2184 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch
  10. Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes, HBM-II-Werte für PFOA und PFOS in Blutplasma, Bundesgesundheitsblatt 63 (2020), Seite 356 bis 360
  11. Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), Monographs Volume 135, Fragen und Antworten zur Bewertung von PFOA und PFOS, Sitzung vom 7. bis 14. November 2023
  12. Alb Filter, Produktangaben Untertisch Active PFAS, Stand August 2026

Frag die KI etwas zu diesem Artikel

Deine Frage wird zusammen mit dem Link zu diesem Beitrag an den gewählten KI-Dienst übergeben.

Öffnet den gewählten Dienst in einem neuen Tab — dort ggf. Anmeldung erforderlich.