Verkeimung im Wasserfilter?

Immer wieder stößt man auf die – viel zu pauschalisierende – Aussage, dass Wasserfilter Keimschleudern sind. Doch wer genauer hinsieht und sich mit den Eigenschaften und Wirkungsweisen der verschiedenen Wasserfilter auseinandersetzt, weiß: Bakterien oder Keime bilden sich unterschiedlich stark in allen Wasserfiltern.

Zu den geläufigsten Wasserfiltern bzw. Filtrationsverfahren gehören etwa:

  • Aktivkohle-Blockfilter
  • Umkehrosmose-Filter
  • Ionenaustauschfilter
  • Destillationsverfahren
  • Tischfilter & Kannenfilter

Besonders Kannen- oder Tischwasserfilter sind weit verbreitet, doch gerade bei diesen Produkten ist erhöhte Vorsicht geboten, denn das vermeintlich gefilterte Wasser von Kannenfiltern neigt tatsächlich schnell zur Verkeimung.

Daher beziehen sich fast alle Meldungen, die über die Gefahr einer Verkeimung bei Wasserfiltern berichten auf Tischfilter sowie Kannenfilter. Mit Sicherheit jedoch beziehen sie sich nicht auf Aktivkohleblockfilter, denn hier besteht nur eine geringe Gefahr.

Jedes Filtrationsverfahren weist aber Besonderheiten in Bezug auf Bakterien und Keime auf. Bei welchen Verfahren in puncto Verkeimung besondere Vorsicht geboten ist und was die Techniken voneinander unterscheidet, erfahren Sie ausführlich in diesem Ratgeber.

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Aktualisiert am: 26.03.2020

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Verkeimungsrisiko bei Kannen- bzw. Tischwasserfiltern

Kannen- oder Tischwasserfilter sind die wohl bekannteste Form von „Wasserfiltern“ in Deutschland. Sie sind mit losem Aktivkohlegranulat gefüllt und enthalten je nach Modell auch Ionenaustauscher oder Kügelchen aus Kunststoffharz. Ihre Leistung beschränkt sich auf die ...

  • … Entfernung bzw. Reduktion des Kalks, 
  • … Umwandlung von bestimmten Schadstoffen (durch Ionenaustausch),
  • … Reduzierung von Chlor,
  • … und die Beseitigung von geschmacks- oder geruchsstörenden Stoffen (durch das lose geschüttete Aktivkohlegranulat). 

Was leisten Kannen- bzw. Tischfilter?

Sinn und Zweck eines Tischwasserfilters ist in erster Linie die Geschmacksverbesserung bzw. die Entkalkung des Leitungswassers. Beispielsweise, um die Qualität von Heißgetränken wie Tee oder Kaffee zu verbessern. 

Eine gezielte Filterung im Sinne einer Entfernung von Verunreinigungen wie z. B. …

  • Pestiziden
  • Keimen & Bakterien
  • Schwermetallen
  • Hormonen
  • Medikamentenrückständen
  • oder Nitraten

… findet bei Kannen- bzw. Tischwasserfiltern aber kaum statt.

Daher ist der Begriff „Wasserfilter“ in diesem Zusammenhang etwas irreführend. Umso mehr deshalb, da gerade bei Tischfiltern das Risiko einer Verkeimung – im Gegensatz zu anderen Filtrationsverfahren – durchaus hoch ist. 

Risikofaktoren: Raumtemperatur & Aktivkohlegranulat

Kannenfilter neigen gerade im Sommer bzw. bei heißen Temperaturen stark zur Verkeimung. Wenn der Tischwasserfilter länger nicht benutzt wurde oder das Wasser bei Raumtemperatur in der Kanne stehen bleibt, können sich die im Wasser enthaltenen Keime sprunghaft vermehren. 

Wie Aktivkohle-Granulat bei Kannenfiltern zur Gefahr wird

Da die Aufnahmefähigkeit des Aktivkohle-Granulates einer Kartusche relativ beschränkt und seine Kapazität nach etwa 100-150 Litern erschöpft ist, müssen Filterkartuschen regelmäßig gewechselt werden. Vergisst man das, werden die vorher gebundenen Schadstoffe in manchen Fällen wieder gelöst und konzentriert an das Wasser zurückgegeben. Man spricht dann vom Ausbluten oder Durchbruch des Filters. Wenn das passiert, werden sogenannte Wasserfilter tatsächlich zur Keimschleuder!

Deshalb ist das lose Aktivkohle-Granulat, mit dem die Filterkartuschen von Kannenfiltern in der Regel befüllt sind, oft mit Desinfektionsmitteln wie z.B. Silberverbindungen vermengt. Leider können diese aber unerwünschterweise ebenfalls in geringen Mengen an das Trinkwasser abgegeben werden.

Kannenfilter unterliegen nicht der Trinkwasserverordnung

Darüber hinaus unterliegt ein mit Kannenfiltern aufbereitetes Leitungswasser nicht der strengen deutschen Trinkwasserverordnung, sondern der laxeren Lebensmittelgegenstände- und Bedarfsgegenständeverordnung (LMBG). Daher darf das aufbereitete Wasser eine viel höhere Keimzahl haben, als dies nach der deutschen Trinkwasserverordnung für Leitungswasser erlaubt ist. [1]

Verkeimungsrisiko bei anderen Filterverfahren?

Doch auch bei anderen verbreiteten Filtrationsverfahren ist Vorsicht geboten. Denn sowohl beim Ionenaustauschfilter als auch bei Umkehrosmose- und Destillationsverfahren können die Techniken zu einer Vermehrung von Keimen oder Bakterien im Trinkwasser beitragen. Deshalb ist es wichtig, deren Wirkmechanismen genau zu verstehen.

Verkeimung bei Ionenaustauschfilter?

Ionenaustauschfilter sind so konzipiert, dass sie nur einige bestimmte Schadstoffe per Ionenaustausch filtern können – z. B., indem sie etwa Blei-Ionen, Kupfer-Ionen oder Calcium-Ionen entfernen.

Das funktioniert in etwa so:

  • Ionen sind nichts anderes als elektrisch geladene Atome bzw. Moleküle.
  • Ein Ionenaustauschfilter macht sich diese elektromagnetischen Kräfte zunutze, um bestimmte Stoffe (Atome) aus dem Trinkwasser zu lösen.
  • Das Wirkungsprinzip sieht vor, dass das unerwünschte Ion, also der Stoff, der aus dem Wasser entfernt werden soll, an das Ion gebunden wird, das der Ionenaustauscher enthält.
  • Das Ionenaustauscher-Material kann aber immer nur bestimmte Stoffe austauschen.
  • Ein Kationen-Ionenaustauscher ersetzt z.B. Calcium-Kationen, also Kalk, das im Leitungswasser vorkommt. (Kationenaustauscher gibt es z. B. im Geschirrspüler.)
  • Irgendwann ist der Ionenaustauscher erschöpft und vollständig (z. B. mit Calcium-Kationen) gesättigt. Dann muss er regeneriert bzw. neu aufgeladen werden, weil er sonst die ausgetauschten Ionen wieder an das Wasser abgibt.

Die Gefahr einer Verkeimung besteht bei diesem Verfahren also besonders dann, wenn der Austauscher voll ist und er die zurückgehaltenen Stoffe konzentriert an das Wasser zurückgibt. Außerdem können sich Keime & Bakterien gut vermehren, wenn die Geräte längere Zeit nicht zum Einsatz kommen oder das Wasser längere Zeit steht.

Ein weiterer Schmerzpunkt ist die Umweltbilanz: Die Filterpatronen sind nicht recyclebar, verursachen unnötig viel Müll und die Geräte verbrauchen viel Energie.

Was sagt die Verbraucherzentrale?

Laut Verbraucherzentrale Hamburg ist es für viele schwer nachzuvollziehen, wann der Ionenaustauscher wirklich voll ist, da die Anzeigen der Geräte nicht zuverlässig sind. Zusammengefasst lautet eine andere Stellungnahme des Verbraucherschutzes: “Ein Filter wiegt in falscher Sicherheit. Die Gefahr, unbemerkt eine geballte Ladung der Stoffe aufzunehmen ist groß, wenn der Filter voll ist.[2] [3]

Verkeimung bei Umkehrosmose-Verfahren

Bei der Umkehrosmose handelt es sich um einen physikalischen Prozess zur Wasseraufbereitung, mit dem selbst das schmutzigste Wasser wieder trinkbar aufbereitet werden kann.

Das Verfahren funktioniert in etwa so:

  • Das Wasser wird durch eine Art “Sieb” gepresst.
  • Das Sieb hat so kleine Poren, dass nur Wassermoleküle hindurch passen.
  • Gewährleistet wird das durch eine halbdurchlässige Osmose-Membran, aufgrund der das gereinigte Wasser nicht wieder zurückfließen kann.
  • Auf diese Weise wird aus verunreinigtem Wasser sauberes gewonnen.

Jedoch hält das Umkehrosmose-Verfahren nicht nur unerwünschte Stoffe zurück (z. B. Nitrate, Phosphate, Hormone, Bakterien oder Schwermetalle), sondern auch erwünschte Nähr- oder Mineralstoffe wie z. B. Calcium oder Magnesium. Somit ist das "hochreine Wasser" womöglich nicht so gesund wie vom Verbraucher erhofft. Außerdem ist bei diesem Verfahren ebenfalls mit hohen Energie- und Wasserkosten zu rechnen.

Was sagt die Verbraucherzentrale?

Die deutsche Verbraucherzentrale kritisiert den hohen Wasserverbrauch, der notwendig ist, damit die Membran des Wasserfilters nicht verstopft. Zudem weist sie auf den Mineralmangel und auf das Risiko einer Verkeimung hin: “Die Membran ist anfällig für Verkeimung, da sich dort Schwebstoffe sammeln. Ein dauerhafter Verzehr dieses Wassers kann dem Körper Mineralien entziehen und zu Unterversorgung führen.” [3]

Verkeimung bei Destillation?

Durch Dampfdestillation können unerwünschte Stoffe wie Medikamentenrückstände, Hormone, Mikroplastik oder auch Schwermetalle aus dem Wasser entfernt werden.

Dabei geht man wie folgt vor:

  • Man kocht das Trinkwasser ab.
  • Das Wasser verdampft und steigt nach oben.
  • Die Schadstoffe bleiben am Boden haften.
  • Oben angelangt, kondensiert der Dampf und kühlt wieder ab.
  • Das kondensierte Wasser kann in einem externen Behälter abtropfen.

Grundsätzlich ist das Verfahren zuverlässig. Beachtet werden sollte nur, dass Schadstoffe mit einem höheren Siedepunkt als 100 Grad Celsius ebenso zurückbleiben wie wertvolle Mineralien. Da das aber bei den wenigsten Bakterien der Fall ist, ist die Gefahr einer Verkeimung tatsächlich gering.

Was sagt die Verbraucherzentrale?

Die Verbraucherzentrale bemängelt bei der Dampfdestillation vielmehr den “hohen Energieverbrauch” sowie die Entmineralisierung des Trinkwassers: “Durch die Destillation werden dem Wasser Mineralien entzogen. Ein dauerhafter Verzehr kann zu Unterversorgung und Funktionsstörungen im Körper führen.” [3]

Verkeimung bei Aktivkohleblockfiltern

Ärgerlich ist in diesem Kontext, dass die Verbraucherschützer oder Presseportale wie der Stern zwar nicht müde werden, über die Gefahr einer Verkeimung bei Aktivkohlefiltern zu schreiben, diesbezüglich aber überhaupt nicht differenzieren. [4] Fakt ist:

Ein Kannen- oder Tischfilter mit Aktivkohle hat kaum etwas
mit einem Aktivkohleblockfilter zu tun!  

Während ein Tischkannenfilter durch sein lose geschüttetes Aktivkohlegranulat lediglich Kalk zurückhält und den Geruch sowie den Geschmack des Wassers verbessern kann, reinigt ein Aktivkohleblockfilter das Wasser deutlich gründlicher von allerlei Schadstoffen – mittels dreier verschiedener Wirkmechanismen.

Aufbau von Aktivkohleblöcken

Drei Wirkmechanismen des Aktivkohleblockfilters kurz erklärt:

1. Mechanische Wirkung:
Die mechanische Filterung wirkt über die vielen feinen Kanäle des Aktivkohleblocks, die verhindern, dass zu große Teilchen den Aktivkohlefilter passieren.(z. B.: Sand, Rost, Asbestfasern, Bakterien usw.)

2. Katalytische Wirkung:
Das katalytische Prinzip bewirkt, dass kleine Partikel durch die fein angelegten Poren umgewandelt werden – so z. B. Chlor.

3. Adsorptive Wirkung:
Der adsorptive Effekt von Aktivkohlefiltern ähnelt dem eines starken Magnets. Stoffe, die adsorbiert werden, sind u.a. geruchs- und geschmacksstörende Stoffe, Schwermetalle (z.B. Blei, Kupfer), Rückstände von Hormonen, Medikamenten u.v.m. (Van-der-Waals Kräfte)

Mehr über die Wirkungsweise von Aktivkohleblockfiltern erfahren Sie hier.

Aktivkohleblockfilter sind KEINE Tischfilter

Somit ist das Leistungsspektrum eines Aktivkohleblockfilters (siehe Tabelle) deutlich größer als das eines Tisch- oder Kannenfilters. Daher macht es auch wenig Sinn, beide Wasserfilter über einen Kamm zu scheren und als “Aktivkohlefilter” zu bezeichnen.

Salopp gesagt, ist es ein Vergleich von Äpfel und Birnen!

Stoffe, die Aktivkohleblockfilter filtern können

  • Mineralien
  • Hormone
  • Pestizide
  • Keime und Bakterien
  • Legionellen
  • Arzneimittelrückstände
  • Mikroplastik
  • Asbest
  • Schwermetalle
  • (PFC)
  • Chlor
  • Weichmacher

Besser Flaschenwasser statt Leitungswasser?

Wer sich nun fragt, ob man nicht gleich zu abgefülltem Wasser aus der Flasche greifen sollte, um auf Nummer sicher zu gehen, der irrt. So kam Stiftung Warentest 2016 zu dem Ergebnis, dass Leitungswasser gesünder ist als Mineralwasser.

Gerade die Behauptung “Mineralwasser enthalte mehr Mineralstoffeerweist sich als Mythos. Im Gegenteil enthält Leitungswasser oft mehr Mineralstoffe und weniger ungesunde Rückstände. Wasser in Plastikflaschen kann zusätzlich belastet sein. [5]

Wie wir in anderen Ratgebern aufzeigen, finden sich im gekauften Mineralwasser immer wieder bedenkliche Stoffkonzentrationen von

  • Hormonen,
  • Mikroplastik,
  • Bakterien & Keimen,
  • u.v.m.

Da Leitungswasser mit zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland zählt, wird dort wesentlich genauer hingesehen als bei handelsüblichem Mineralwasser.

Stellungnahme der Stiftung Warentest

"Wasserversorger müssen ihr Wasser regelmäßig untersuchen. Im Hinblick auf Keime gilt das für große Betriebe mehrmals täglich. Somit ist es das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. […] Für Wasser aus der Leitung gelten deutlich mehr Vorschriften als für Mineralwasser: etwa Grenzwerte für Pestizide und Uran." [6]

Gute Wasserfilter sind eine wertvolle Investition

Sind Wasserfilter also eine „überflüssige Investition“? Da zahlreiche Gefährdungen durch Inhaltsstoffe und Bakterien aus dem Leitungswasser kommen können, vertreten wir den Standpunkt: Filterwasser schlägt Leitungswasser.

Besonders deshalb, weil keineswegs alle Wasserfilter Keimschleudern sind. Die Gefahr einer Verkeimung besteht besonders bei Kannen- & Tischwasserfiltern, aber bei weitem nicht so groß wie bei Trinkwasserfiltern aus qualitativen, gesinterten Aktivkohleblöcken.

Bei guten Wasserfiltern ist lediglich zu beachten, dass die Filter-Kartuschen regelmäßig gewechselt werden müssen. Aber nicht, um einer Verkeimung vorzubeugen, sondern um die Filterleistung dauerhaft aufrecht und konstant zu erhalten.

FAQs

Wie gefährlich sind Wasserfilter?

Die Wasserfilter von Alb Filter sind absolut ungefährlich. Derartige Meldungen – die sich meist auf einen Artikel des Sterns berufen – beziehen sich ausschließlich auf Tischwasserfilter, die wenig bis nichts mit unseren fest installierten Wasserfilteranlagen gemeinsam haben. Bei Tischwasserfiltern besteht vor allem die Gefahr einer hohen Verkeimung, wenn das Filtermedium nicht rechtzeitig gewechselt wird.

Welche Stoffe filtern Wasserfilter?

Gute Wasserfilter – z.B. Aktivkohleblockfilter – sind vielseitig einsetzbar: Sie können Mikroplastik, Hormone oder Medikamente (Rückstände) genauso effektiv filtern wie Kupfer oder Blei. Aktivkohleblockfilter (je nach Porosität) eignen sich auch gut, um das Trinkwasser von Bakterien, Keimen (z. B. E-Coli) und Legionellen zu reinigen – oder auch nur, um dieses von lästigem Geschmack sowie unangenehmen Gerüchen zu befreien.

Was bringt ein Wasserfilter?

Unser Leitungswasser in Deutschland wird zwar streng kontrolliert, doch die Realität zeigt mitunter gravierende Mängel. Einige Stoffkonzentrationen wie etwa Medikamenten-, Hormon-, Mikroplastik oder Pestizid-Rückstände werden von der Trinkwasserverordnung nicht offiziell gelistet!

Wie lange kann man Wasserfilter benutzen?

Bei Alb Filter bestehen die Kartuschen aus einem speziell gesinterten Kern aus Aktivkohle (Active) bzw. Bioton (Active Plus), der mit der Zeit seine Filterleistung verliert. Wir empfehlen einen Kartuschenwechsel nach maximal 4 Monaten – je nach Nutzung der Kartusche.

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Quellenangaben