Titelbild zum Ratgeber Ist Leitungswasser gesund: Über 99 % der deutschen Trinkwasserproben halten die gesetzlichen Grenzwerte ein.
RatgeberGesundheit & Trinkwasser

Ist Leitungswasser gesund?

Über 99 % der Trinkwasserproben halten die Grenzwerte ein. Wann Leitungswasser dennoch Beschwerden macht und was für Bleileitungen jetzt gilt.

Ja. Leitungswasser gilt in Deutschland als Lebensmittel und wird entsprechend dicht überwacht. Im Berichtszeitraum 2020 bis 2022 hielten über 99 % der untersuchten Proben die gesetzlichen Anforderungen ein. Beim Bakterium Escherichia coli (E. coli) waren es 99,98 % von 113.469 Untersuchungen. Zwei Einschränkungen bleiben: Die amtlichen Messungen enden am Wasserzähler, und die letzten Meter im Haus verantwortet der Eigentümer selbst.

Der Ratgeber klärt drei Punkte mit Zahlen statt mit Beruhigung. Erstens die Inhaltsstoffe des Leitungswassers. Zweitens die belegten Ursachen für Beschwerden nach dem Trinken. Drittens die vier Risiken hinter dem Wasserzähler.

Trinkwasser aus der Leitung: In Deutschland hielten 2020 bis 2022 über 99 % der Proben die gesetzlichen Grenzwerte ein, bei E. coli sogar 99,98 %.

Was ist Leitungswasser?

Leitungswasser ist Trinkwasser, das über das Verteilungsnetz eines Wasserversorgers bis in die Wohnung gelangt. Rechtlich ist es ein Lebensmittel, geregelt in der Trinkwasserverordnung (TrinkwV).

Die Herkunft entscheidet über die Zusammensetzung. Im Jahr 2022 stammte das Rohwasser der zentralen Versorgung zu 67,6 % aus Grundwasser und zu 15,9 % aus Oberflächenwasser. Die restlichen 16,5 % kamen aus sonstigen Ressourcen wie Uferfiltrat oder künstlich angereichertem Grundwasser. Versorgt wurden 74,1 Millionen Menschen in 2.507 Wasserversorgungsgebieten, das entspricht 88,6 % der Bevölkerung.

Zwischen Gewinnung und Wasserhahn liegen drei Stationen. Im Wasserwerk bereitet der Versorger das Rohwasser auf und untersucht es. Über das Netz gelangt es zum Hausanschluss. Ab dem Wasserzähler beginnt die Trinkwasserinstallation des Gebäudes, und damit die Verantwortung des Eigentümers.

Die Grenze am Wasserzähler erklärt die meisten Probleme. Was im Wasserwerk sauber gemessen wurde, kann auf den letzten Metern noch Stoffe aufnehmen.

Wie gut ist die Qualität wirklich?

Alle drei Jahre legen das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesgesundheitsministerium einen Bericht über die Trinkwasserqualität vor. Der aktuelle Bericht erschien 2025 und deckt die Jahre 2020 bis 2022 ab. Grundlage sind bis zu 120.000 Messungen pro Parameter und Jahr.

ParameterGrenzwert TrinkwVEinhaltung 2020 bis 2022
Escherichia coli (E. coli)0 pro 100 ml99,98 %
Intestinale Enterokokken0 pro 100 ml99,89 %
Nitrat50 mg/l99,97 %
Kupfer2,0 mg/l99,87 %
Blei0,010 mg/l99,49 %
Nickel0,020 mg/l99,49 %

Zwei Parameter fallen aus dem Muster, beide gehören zu den Indikatorparametern. Coliforme Bakterien sind dabei keine Krankheitserreger, sondern Anzeigekeime für hygienische Veränderungen im Netz. Bei ihnen blieben bis zu 1,2 % der Proben unter den Anforderungen, bei der Calcitlösekapazität bis zu 2,9 %. Eine solche Abweichung ist für sich genommen noch kein Gesundheitsrisiko. Sie zeigt an, dass sich etwas verändert hat, und löst weitere Untersuchungen aus.

Bei Pflanzenschutzmitteln überschritten 14 von 349 untersuchten Wirkstoffen und Abbauprodukten in bis zu 1 % der Proben den Grenzwert von 0,10 Mikrogramm je Liter. Das UBA hält fest, dass aus den gemessenen Konzentrationen keine Gesundheitsgefahr resultiert. Der Grenzwert liegt bewusst weit unter der toxikologisch abgeleiteten Schwelle.

Altes, verkalktes Wasserrohr als Sinnbild für Verunreinigungen im Leitungswasser
Landwirtschaftliche Gülle als Nitratquelle: Der Trinkwasser-Grenzwert von 50 mg/l wurde nur in 6 von 18.790 Untersuchungen überschritten.

Häufig verwechselt wird die Lage bei Nitrat. Die Nitratbelastung des Grundwassers ist in Teilen Deutschlands hoch. Im Trinkwasser dagegen fiel der Nitratgrenzwert von 50 mg/l nur in 6 von 18.790 Untersuchungen. Die Wasserwerke fangen die Belastung ab, etwa durch Mischen mit unbelastetem Wasser oder durch Verlegen von Brunnen. Mehr dazu im Ratgeber zu Nitrat im Grund- und Trinkwasser.

Seit dem 12. Januar 2026 gelten außerdem erstmals Grenzwerte für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Die Details stehen im Ratgeber zur Trinkwasserverordnung.

Leitungswasser im Vergleich zu Mineralwasser: enthält regelmäßig Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium und Sulfat innerhalb der TrinkwV-Grenzwerte.

Enthält Leitungswasser Mineralstoffe?

Regelmäßig enthalten sind fünf Mineralstoffe: Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium und Sulfat. Wie viel davon im Wasser steckt, entscheidet der Untergrund der Region. Zwei Werte begrenzt die TrinkwV nach oben, Natrium bei 200 mg/l und Sulfat bei 250 mg/l.

Ernährungsrelevant sind die Mengen selten. Den Großteil des Tagesbedarfs an Mineralstoffen deckt die Nahrung. Das gilt für Leitungswasser und Mineralwasser gleichermaßen.

Calcium und Magnesium bleiben bewusst ohne Grenzwert, weil beide gesundheitlich unbedenklich sind. Die zwei Mineralstoffe bestimmen die Wasserhärte, mehr dazu im Ratgeber zu kalkhaltigem Wasser.

Die konkreten Werte liefert der Wasserversorger. Jeder Versorger legt eine Trinkwasseranalyse vor, meist online und nach Ortsteil sortiert. Wie sich die Angaben lesen lassen, erklärt der Ratgeber zur Messung der Wasserqualität.

Wer den direkten Vergleich mit Flaschenwasser sucht, findet ihn im Ratgeber Leitungswasser oder Mineralwasser. Hier geht es um die Gesundheitsfrage selbst.

E.-coli-Bakterien im Wasser: Für Leitungswasser gilt eine Nulltoleranz, eingehalten bei 99,98 % der Untersuchungen auf E. coli.

Kann Leitungswasser Durchfall verursachen?

Selten, und dann aus einem konkreten Anlass. Für E. coli und intestinale Enterokokken gilt eine Nulltoleranz von 0 pro 100 ml, eingehalten bei 99,98 und 99,89 % der Untersuchungen. Drei Ursachen sind belegt, eine vierte wird häufig verwechselt. Die Reihenfolge folgt der Häufigkeit.

Mikrobielle Verunreinigung

Eine mikrobielle Verunreinigung ist der Fall, in dem Leitungswasser tatsächlich Magen-Darm-Beschwerden auslöst. Stellt der Versorger eine Verunreinigung fest, ordnet das Gesundheitsamt Maßnahmen an, häufig ein Abkochgebot. Die betroffenen Haushalte muss der Versorger informieren.

Ein Abkochgebot erreicht dich also, es bleibt kein stiller Befund. Mehr zu Erregern und Nachweisverfahren im Ratgeber zu Bakterien im Leitungswasser.

Sulfat und Magnesium

Beide wirken in hoher Konzentration abführend. Magnesiumsulfat ist besser bekannt als Bittersalz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt für Sulfat eine abführende Wirkung ab 1.000 bis 1.200 mg/l. Bei gleichzeitig hohen Magnesium- und Sulfatwerten setzt der Effekt schon ab jeweils rund 250 mg/l ein, mit Gewöhnung im Verlauf.

Der Indikatorwert der TrinkwV liegt bei 250 mg/l Sulfat. Die abführende Schwelle der WHO liegt beim Vierfachen. Deutsches Leitungswasser erreicht 1.000 mg/l Sulfat im Regelfall nicht. Ab etwa 250 mg/l wäre Sulfat ohnehin am Geschmack erkennbar.

Kupfer aus der Hausinstallation

Kupfer ist in Spuren lebensnotwendig und in größeren Mengen riskant. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beschreibt bei übermäßiger Aufnahme Beschwerden im Oberbauch und Durchfall, bei langfristiger Überversorgung eine Anreicherung in der Leber. Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich.

Der Grenzwert liegt bei 2,0 mg/l und wurde bei 99,87 % der Untersuchungen eingehalten. Erreicht wird er praktisch nur durch neu verlegte Kupferrohre in Kombination mit weichem, saurem Wasser, und dann vor allem im Stagnationswasser.

Was oft dahintersteckt

Ein Ortswechsel bringt eine andere Mineralzusammensetzung und eine andere Keimflora mit sich. Auch Trinkmenge und Wassertemperatur spielen eine Rolle. Beides ist eine Frage der Gewohnheit, nicht der Wasserqualität.

Halten die Beschwerden an oder kehren sie wieder, gehört die Ursache ärztlich abgeklärt. Ein Wasserfilter ist dafür kein Ersatz.

Blähbauch und Blähungen durch Leitungswasser?

Stilles Leitungswasser hat dafür keine belegte Ursache. Der einzige wasserseitige Weg wäre Sulfat oberhalb der WHO-Schwelle von 1.000 mg/l, also beim Vierfachen des deutschen Indikatorwerts von 250 mg/l. Sulfatwerte oberhalb von 1.000 mg/l erreicht Versorgungswasser praktisch nie.

Der häufigste Auslöser sitzt in der Flasche: Kohlensäure. Kohlendioxid gelangt als Gas in den Magen und entweicht wieder, was als Völlegefühl und Blähbauch wahrgenommen wird. Leitungswasser enthält keine zugesetzte Kohlensäure.

Wer Blähungen nach dem Trinken bemerkt, prüft deshalb zuerst die Getränkeart. Sprudelwasser, Schorlen und zuckerhaltige Getränke sind naheliegender als das Wasser aus der Leitung.

Tabletten als Symbolbild für Bauchschmerzen, Sodbrennen und Übelkeit: Die Trinkwasserverordnung schreibt einen pH-Wert zwischen 6,5 und 9,5 vor.

Bauchschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit

Drei Beschwerden, die häufig mit Leitungswasser verknüpft werden. Ein Wert vorab: Die TrinkwV schreibt einen pH-Wert zwischen 6,5 und 9,5 vor, in der Praxis liegen die Werte im neutralen bis leicht basischen Bereich.

Bauchschmerzen sind über die Wasserqualität nur bei einer nachgewiesenen Verunreinigung erklärbar, also im Fall eines Abkochgebots, oder bei erhöhten Kupferwerten aus der Hausinstallation.

Sodbrennen entsteht durch Magensäure in der Speiseröhre. Wasser mit einem pH-Wert oberhalb von 6,5 säuert nicht an. Kohlensäurehaltige Getränke können Sodbrennen dagegen begünstigen. Was der pH-Wert aussagt, erklärt der Ratgeber zum pH-Wert des Wassers.

Übelkeit nach dem Trinken ist kein spezifisches Zeichen für Wasserqualität. Auffällig wird Wasser eher über Geruch und Geschmack, etwa metallisch bei erhöhten Kupfer- oder Eisenwerten. Für Eisen setzt die TrinkwV 0,200 mg/l an, ein Wert, der vor allem den Geschmack schützt.

Eine Unverträglichkeit gegen Leitungswasser als solche gibt es nicht. Wasser enthält keine Proteine, keinen Zucker und keine Zusatzstoffe, an denen eine Allergie oder Intoleranz ansetzen könnte. Was sich als Unverträglichkeit zeigt, hat deshalb immer eine benennbare Ursache: einen Stoff im Wasser, eine Gewohnheit oder eine Erkrankung, die vom Wasser unabhängig ist.

Ein auffälliger Geschmack ist ein guter Anlass, den Versorger zu fragen und die Hausinstallation prüfen zu lassen. Ein Symptom allein reicht für eine Diagnose nicht.

Alter Wasserhahn als Sinnbild für Risiken hinter dem Wasserzähler: Drei der vier Risiken stammen aus dem Material von Leitungen und Armaturen.

Wann ist Leitungswasser ungesund?

Vier Risiken sind real, und alle vier liegen hinter dem Wasserzähler. Drei davon stammen aus dem Material der Leitungen und Armaturen, eines aus der Standzeit des Wassers darin. Bei Blei hat sich die Rechtslage 2026 grundlegend geändert, deshalb steht es am Anfang.

Blei: seit dem 12. Januar 2026 verboten

Nach § 17 TrinkwV mussten Trinkwasserleitungen aus Blei bis zum 12. Januar 2026 entfernt oder stillgelegt werden. Betreiber müssen die Entfernung oder Stilllegung dem Gesundheitsamt nachweisen. Seit dem 13. Januar 2026 besteht als betroffener Verbraucher Anspruch auf eine Erklärung in Textform, dass die Pflicht erfüllt oder die Frist verlängert wurde. Bei Verstößen mit nachgewiesener Gefährdung drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro.

Fristverlängerungen bleiben möglich, etwa bei belegten Kapazitätsengpässen des Installationsbetriebs oder in engen Ausnahmefällen für selbst genutzte Einfamilienhäuser. Stellt ein Versorgungs- oder Installationsunternehmen Bleileitungen fest, muss es dies dem Gesundheitsamt anzeigen.

Der Grenzwert für Blei beträgt derzeit 0,010 mg/l und sinkt ab dem 12. Januar 2028 auf 0,005 mg/l. Blei wirkt als Nerven- und Blutgift und ist besonders für Säuglinge, Kinder und Schwangere gefährlich. Betroffen sind vor allem Gebäude aus der Zeit vor 1973.

Wer in einem Altbau wohnt und die Installation nicht kennt, fragt Eigentümer oder Verwaltung schriftlich nach dem Nachweis. Das ist der schnellste Weg zur Antwort.

Kupfer und Nickel aus Rohren und Armaturen

Kupferrohre geben in den ersten Jahren nach dem Einbau messbar Kupfer ab, besonders bei weichem Wasser. Verchromte Armaturen und Bauteile können Nickel abgeben, hier liegt der Grenzwert bei 0,020 mg/l. Eingehalten wurden beide Werte bei 99,87 und 99,49 % der Proben. Details zu den einzelnen Metallen stehen im Ratgeber zu Schwermetallen im Leitungswasser.

Stagnationswasser: die ersten Sekunden

Wasser, das länger als vier Stunden in der Leitung stand, sollte laut UBA nicht zum Trinken oder Kochen verwendet werden. Es kann Stoffe aus dem Material der Leitungen aufgenommen haben. Den Hahn kurz laufen lassen, bis das Wasser an den Fingern spürbar kühler wird. Das dauert wenige Sekunden. Für Blumen bleibt das Standwasser geeignet.

Beim Thema Legionellen lohnt eine Klarstellung. Legionellen vermehren sich zwischen 25 und 45 Grad Celsius, oberhalb von 60 Grad sterben sie ab. Die Infektion erfolgt laut Robert Koch-Institut (RKI) aerogen, also durch Einatmen feiner Wassernebel, etwa beim Duschen. Trinken ist nicht der Übertragungsweg. Der technische Maßnahmenwert der TrinkwV liegt bei 100 pro 100 ml.

Nitrat und Nitrit

Der Nitratgrenzwert beträgt 50 mg/l, der Nitritgrenzwert 0,50 mg/l. Zusätzlich gilt eine Summenformel: Nitrat geteilt durch 50 plus Nitrit geteilt durch 3 darf 1 nicht überschreiten. Am Ausgang des Wasserwerks liegt die Schwelle für Nitrit bei 0,10 mg/l.

Der Grund für die strenge Regelung liegt bei Nitrit. Es beeinträchtigt den Sauerstofftransport im Blut, was besonders für Säuglinge relevant ist.

Header-Bild zum Ratgeber Leitungswasser in der Schwangerschaft: Trinkmenge, Kohlensäure, Vier-Stunden-Regel und Blei aus alten Leitungen.

Leitungswasser für Säuglinge und in der Schwangerschaft

Zur Zubereitung von Säuglingsnahrung eignet sich Leitungswasser. Drei Punkte gehören dabei geprüft.

Erstens die Installation. Wasser aus Bleileitungen darf für Babynahrung nicht verwendet werden. Auch neu verlegte Kupferrohre sind ein Grund für Vorsicht, weil Säuglinge auf Kupfer empfindlich reagieren.

Zweitens der Nitratgehalt. Beim Wasserversorger, beim Gesundheitsamt oder bei der Gemeinde nach dem Wert des eigenen Ortsteils fragen. Überschreitungen sind selten, die meisten Versorger liegen deutlich unter dem Grenzwert von 50 mg/l.

Drittens das Abkochen. Nötig ist es in der Regel nicht. Wer Keime am Wasserhahn ausschließen möchte, kocht das Wasser in den ersten Lebenswochen ab und lässt es auf 30 bis 40 Grad Celsius abkühlen.

Und ein Wort zur Ehrlichkeit: Für Säuglingsnahrung empfiehlt die Verbraucherzentrale ausdrücklich keinen Wasserfilter, weil Filter selbst zur Keimquelle werden können. Das trifft besonders auf Tischkannenfilter zu, in denen Wasser über Stunden steht. Die Hintergründe zeigt der Ratgeber zum Verkeimungsrisiko bei Kannenfiltern.

In der Schwangerschaft gilt dieselbe Logik. Das Versorgungswasser ist unbedenklich, die Risikofaktoren sitzen in der Hausinstallation. Eine ausführliche Einordnung steht im Ratgeber zu Leitungswasser in der Schwangerschaft.

Alb Filter Kartusche Active mit Aktivkohle-Füllung: adsorbiert laut Hersteller Chlor, Pestizide und Arzneimittelrückstände bei 10 Mikrometer Porengröße.

Wann ein Wasserfilter etwas bringt

Nüchtern betrachtet: Was der Versorger bereits löst, löst ein Filter nicht besser. Die Aufbereitung im Wasserwerk arbeitet mit Verfahren, die im Haushalt fehlen. Dazu kommen bis zu 120.000 Messungen pro Parameter und Jahr.

Der sinnvolle Einsatzbereich liegt hinter dem Wasserzähler. Dort endet die behördliche Überwachung, und dort entstehen die Probleme, die dieser Ratgeber beschreibt.

Geschmack und gelöste Stoffe sind das Feld eines Aktivkohleblocks. Die Alb Filter Kartusche Active arbeitet mit einer Porengröße von 10 Mikrometern. Laut Herstellerangabe adsorbiert sie Chlor, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Pestizide, Arzneimittelrückstände und Hormone; genannt werden außerdem Blei und Kupfer. Die Standzeit beträgt 4 Monate oder 3.000 bis 5.000 Liter. Reduktionsraten nach einer Prüfnorm weist die Produktseite nicht aus.

Keime verlangen ein anderes Verfahren. Bakterien messen zwischen 0,5 und 5 Mikrometern und passieren eine 10-Mikrometer-Struktur. Hier arbeitet die Kartusche Nano mit einer Hohlfasermembran von 0,1 Mikrometern. Geprüft wurde sie nach ASTM F838-15A, einer Norm der American Society for Testing and Materials (ASTM). Laut Prüfbericht hält sie 99,999 % der Keime und Bakterien zurück, darunter Legionellen, Vibrio cholerae und E. coli. Chlor und Schwermetalle filtert sie nach eigener Vergleichstabelle nicht.

Die Grenzen sind genauso wichtig. Ein Filter ersetzt keine Sanierung von Bleileitungen, er hebt kein Abkochgebot auf, und er behandelt keine Beschwerden. Pflege braucht er ebenfalls: Ein überzogener Kartuschenwechsel macht aus dem Filter genau das Problem, das er lösen soll. Wie Aktivkohle funktioniert und wo ihre Grenzen liegen, erklärt der Ratgeber zum Aktivkohlefilter für Wasser.

Unbedenklich am Wasserwerk, entscheidend im Haus

Leitungswasser ist in Deutschland gesundheitlich unbedenklich, und das ist eine Messfrage, keine Vertrauensfrage. Über 99 % der Proben halten die Grenzwerte ein, bei E. coli sind es 99,98 % von 113.469 Untersuchungen.

Die verbleibenden Risiken haben eine gemeinsame Adresse: die Hausinstallation. Blei ist seit dem 12. Januar 2026 verboten, Kupfer und Nickel sind eine Frage von Material und Standzeit, und Stagnationswasser lässt sich in wenigen Sekunden ablaufen lassen.

Beschwerden nach dem Trinken erklärt das Wasser selten. Ein Abkochgebot kommt über den Versorger, hohe Sulfatwerte schmeckt man, und Kohlensäure kommt aus der Flasche. Bleibt es unklar, führt der Weg zur Ärztin oder zum Arzt, nicht zum Filter.

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Häufige Fragen

Ist Leitungswasser jeden Tag gesund?

Ja. Leitungswasser ist als Lebensmittel für den dauerhaften Verzehr zugelassen und wird mit bis zu 120.000 Messungen pro Parameter und Jahr überwacht. Voraussetzung ist eine Hausinstallation ohne Bleileitungen.

Ist Leitungswasser schädlich?

Im Regelfall nicht. Schädlich wird es durch Stoffe aus der Hausinstallation, vor allem Blei, oder durch eine mikrobielle Verunreinigung, die dann ein Abkochgebot auslöst. Im Berichtszeitraum 2020 bis 2022 hielten über 99 % der Proben die Grenzwerte ein.

Kann man von Leitungswasser Durchfall bekommen?

Selten, aber möglich. Belegte Ursachen sind eine mikrobielle Verunreinigung, Sulfat oberhalb von 1.000 mg/l und erhöhte Kupferwerte aus neuen Kupferrohren. Der Sulfat-Indikatorwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 250 mg/l, also weit unter der abführenden Schwelle.

Kann Leitungswasser Blähungen verursachen?

Stilles Leitungswasser hat dafür keine belegte Ursache. Blähungen nach dem Trinken gehen meist auf Kohlensäure zurück, die als Gas in den Magen gelangt. Leitungswasser enthält keine zugesetzte Kohlensäure.

Ist Leitungswasser krebserregend?

Nein. Kritisch bewertet werden Nitrat, aus dem im Körper Nitrit und daraus Nitrosamine entstehen können, sowie Chrom. Die Grenzwerte liegen bei 50 mg/l für Nitrat und 0,025 mg/l für Chrom, ab dem 12. Januar 2030 bei 0,005 mg/l. Nitrat fiel in 6 von 18.790 Untersuchungen.

Ist Leitungswasser gesund für Babys?

Ja, sofern die Hausinstallation frei von Bleileitungen ist und keine neuen Kupferrohre verlegt sind. Den Nitratwert nennt der Wasserversorger. Abkochen ist nicht erforderlich, in den ersten Lebenswochen aber möglich, danach auf 30 bis 40 Grad Celsius abkühlen lassen.

Ist kalkhaltiges Leitungswasser gesund?

Ja, genauso gesund wie weiches. Kalk besteht aus Calcium und Magnesium, für beide nennt die Trinkwasserverordnung keinen Grenzwert. Ein hoher Kalkgehalt erhöht die Wasserhärte und belastet Geräte, nicht die Gesundheit.

Woran erkenne ich, ob mein Leitungswasser belastet ist?

Drei Schritte führen zur Antwort. Die Trinkwasseranalyse des Versorgers zeigt die Werte bis zum Hausanschluss. Baujahr und Rohrmaterial klären das Risiko im Haus, bei Bauten vor 1973 gehört der Blei-Nachweis dazu. Für die Werte am eigenen Hahn braucht es eine Probenahme durch eine zugelassene Untersuchungsstelle.

Quellen

  1. Umweltbundesamt und Bundesministerium für Gesundheit: Bericht über die Qualität des Trinkwassers in Deutschland 2020 bis 2022, Reihe Umwelt und Gesundheit 03/2025
  2. Trinkwasserverordnung (TrinkwV) vom 20. Juni 2023, § 17 sowie Anlagen 1, 2 und 3
  3. Weltgesundheitsorganisation: Sulfate in Drinking-water, Hintergrunddokument zu den Guidelines for Drinking-water Quality
  4. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Legionellose
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung: Aufnahme von Kupfer, in Spuren lebensnotwendig, in größeren Mengen riskant
  6. Umweltbundesamt: Trinkwasser-Installation, auf die letzten Meter kommt es an
  7. Verbraucherzentrale: Eignet sich Leitungswasser für Babys? und Bleileitungen verboten, Leitfaden zum Austausch von Bleirohren

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