Chlor im Trinkwasser: Grenzwerte, Risiken und Filterung
Freies Chlor liegt im deutschen Trinkwasser bei 0,1 bis 0,3 mg/l. Was der Grenzwert bedeutet, warum Trihalogenmethane zählen und wie sich Chlor filtern lässt.
Freies Chlor liegt im deutschen Trinkwasser nach der Aufbereitung bei 0,1 bis 0,3 mg/l. Den Rahmen setzt die Liste der Aufbereitungsstoffe nach § 20 Trinkwasserverordnung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt als Leitwert 5 mg/l, also das 16-Fache der Grenze hier. Der Grund für einen Filter liegt deshalb woanders: bei Geruch, Geschmack und den Trihalogenmethanen, die als Reaktionsprodukt der Chlorung entstehen.
Wie viel Chlor im Trinkwasser erlaubt ist
Die Liste der Aufbereitungsstoffe nach § 20 Trinkwasserverordnung lässt eine Zugabe bis 1,2 mg/l freiem Chlor zu. Nach der Aufbereitung muss der Gehalt bei 0,1 bis 0,3 mg/l liegen. Geführt wird die Liste vom Umweltbundesamt. Die geltende Fassung stammt vom Januar 2023 und wurde im August 2024 berichtigt.
Bei Störungen greift eine ausdrückliche Ausnahme. Zugaben bis 6 mg/l freiem Chlor und Restgehalte bis 0,6 mg/l zählen dann nicht mit. Das gilt, solange die Desinfektion anders scheitert oder Ammonium sie zeitweise stört. Bei Natriumhypochlorit endet dieselbe Ausnahme bei 5,1 mg/l, bei Calciumhypochlorit bei 4,7 mg/l.
| Aufbereitungsstoff | Zugabe bis | Nach der Aufbereitung | Ausnahme bei Störung |
|---|---|---|---|
| Chlor (Cl₂) | 1,2 mg/l | 0,1 bis 0,3 mg/l | 6,0 mg/l Zugabe |
| Natriumhypochlorit | 1,2 mg/l | 0,1 bis 0,3 mg/l | 5,1 mg/l Zugabe |
| Calciumhypochlorit | 1,2 mg/l | 0,1 bis 0,3 mg/l | 4,7 mg/l Zugabe |
| Chlordioxid | 0,4 mg/l | 0,05 bis 0,2 mg/l | Chlorit bis 0,2 mg/l |
Die Weltgesundheitsorganisation setzt den gesundheitlichen Leitwert für Chlor auf 5 mg/l. Abgeleitet ist er aus einer duldbaren Tagesaufnahme von 150 µg je Kilogramm Körpergewicht, gerechnet auf 60 kg Gewicht und 2 Liter Wasser am Tag. Für einen Erwachsenen ergibt das 9 mg am Tag.
Wer 2 Liter Wasser mit dem deutschen Höchstwert von 0,3 mg/l trinkt, nimmt 0,6 mg freies Chlor auf. Erreicht sind damit 6,7 % der duldbaren Menge. Zur oberen Grenze hier und zum Leitwert der WHO liegt also mehr als das Fünfzehnfache dazwischen.
Chlorid ist etwas anderes als Chlor
Chlorid ist das Anion der Salzsäure und stammt aus Gestein, Streusalz und Abwasser. Der Grenzwert liegt bei 250 mg/l und steht in Anlage 3 der Trinkwasserverordnung, also bei den Indikatorparametern. Chlor ist im Gegensatz dazu ein Mittel zur Desinfektion und wird gezielt zugesetzt.
Der Unterschied zwischen beiden Stoffen entscheidet über die Bewertung. Die Weltgesundheitsorganisation nennt für Chlorid keinen Leitwert für die Gesundheit. Die im Trinkwasser gefundenen Mengen gelten als sicher. Ab etwa 250 mg/l schmeckt Wasser salzig, und die Korrosion von Metallen im Verteilungsnetz nimmt zu. Den größten Anteil der täglichen Aufnahme trägt Kochsalz aus der Nahrung.
| Merkmal | Chlor | Chlorid |
|---|---|---|
| Rolle | Desinfektionsmittel, gezielt zugesetzt | natürlicher Wasserinhaltsstoff |
| Rechtsgrundlage | Liste nach § 20 TrinkwV | Anlage 3 TrinkwV, Indikatorparameter |
| Wert | 0,1 bis 0,3 mg/l nach Aufbereitung | 250 mg/l Grenzwert |
| Begründung | Hygiene der Verteilung | Geschmack und Korrosion |
| Nebenprodukte | Trihalogenmethane | keine |
Natürliches Mineralwasser darf mehr Chlorid führen als Leitungswasser. Anlage 6 der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung lässt die Angabe chloridhaltig ab 200 mg/l zu, eine obere Grenze fehlt dort. Ein salzig schmeckendes Heilwasser mit 800 mg/l Chlorid bleibt also verkehrsfähig, während dasselbe Wasser aus der Leitung den Indikatorwert reißen würde. Mehr zum Vergleich beider Wasserarten steht im Text zu Leitungswasser oder Mineralwasser.
Im Berichtsjahr 2022 prüften die Länder Chlorid in 2.371 Wasserversorgungsgebieten. Von 12.384 Messwerten lagen 5 über dem Grenzwert, die Einhaltungsquote betrug 99,96 %.
Auf 3 Wegen gelangt Chlor ins Leitungswasser
3 Eintragspfade führen zu Chlor im Leitungswasser: die gezielte Chlorung im Wasserwerk, Restmengen aus der Netzreinigung und Frachten aus der chemischen Industrie. Der erste Pfad erklärt fast jeden Fall im Land.
- Chlorung im Wasserwerk. Ein Werk dosiert Chlor, um Keime abzutöten und den Weg durch das Rohrnetz sauber zu halten. Der nächste Abschnitt zeigt, wie das abläuft.
- Netzreinigung und Spülvorgänge. Nach Rohrbruch, Reparatur und Spülung wird der betroffene Strang desinfiziert. Für Stunden bis Tage steigt der Chlorgehalt dort messbar an.
- Chemische Industrie. Über die Hälfte des weltweit erzeugten Chlors geht in Kunststoffe, vor allem in Polyvinylchlorid (PVC). Papier, Pharmazie und Lösungsmittel folgen. Ein kleiner Teil erreicht über Abwasser die Flüsse und Seen. Für das Trinkwasser hier spielt der Pfad nur eine Nebenrolle.
Chlor im Trinkwasser ist also ein bewusst gesetzter Schritt. Der Gehalt bleibt unter dem Grenzwert und wird trotzdem geschmeckt. Die Schwelle der Wahrnehmung liegt nämlich tiefer als der Wert im Gesetz.
So chloriert ein Wasserwerk
2 Dosierformen sind üblich: Chlorgas aus Druckbehältern und Natriumhypochlorit als Lösung. Das Technologiezentrum Wasser prüfte 2018 über 50 deutsche Standorte. Bei Natriumhypochlorit lagen die Zugabemengen bei 0,2 bis 0,5 mg/l, bei Chlordioxid bei 0,1 bis 0,3 mg/l. Die technischen Vorgaben stehen in den Arbeitsblättern W 229, W 296 und W 623 des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW).
Im Wasser zerfällt Chlor zu hypochloriger Säure und Hypochlorit-Ion. Beide Formen zusammen ergeben das freie Chlor, das die Wirkung trägt. Die WHO nennt als Faustregel 0,5 mg/l Restchlor nach 30 Minuten Kontaktzeit bei einem pH-Wert unter 8,0. Wie stark der pH-Wert des Wassers die Wirkung verschiebt, entscheidet über die nötige Dosis.
Chlorung ist in Deutschland freiwillig. Der Trinkwasserbericht des Umweltbundesamts hält klar fest: Anders als in anderen EU-Staaten schreibt das Gesetz die Chlorung hier nicht vor. Wer das Rohwasser schützt, die Verweilzeit kurz hält und das Rohrnetz pflegt, kommt nach dem Multibarrierenprinzip ohne Desinfektion aus.
Wasserwerke, die desinfizieren, wechseln zunehmend auf Chlordioxid oder auf Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (UV). Bei beiden Verfahren entstehen 0 Trihalogenmethane. Ein Nebeneffekt bleibt. In Großstädten mit langen Leitungswegen halten Versorger im Sommer eine Restkonzentration aufrecht. So bekommt auch die letzte Entnahmestelle sauberes Wasser. Genau dort riecht Leitungswasser häufiger nach Schwimmbad als auf dem Land.
Notfall-Chlorung und Abkochgebot
Eine Notfall-Chlorung dauert meist 3 Tage bis 8 Wochen und folgt einem Befund im Labor. Auslöser sind Escherichia coli, coliforme Bakterien oder intestinale Enterokokken. Für alle 3 gilt nach der Verordnung der Wert 0 je 100 ml. Jeder Fund ist also schon zu viel.
Ein Fall aus dem Jahr 2026 zeigt den Ablauf. Am 30. März 2026 fand eine Routineprobe im Fliedener Ortsteil Rückers coliforme Keime und intestinale Enterokokken. Das Gesundheitsamt Fulda sprach ein Abkochgebot für Rückers, Leimenhof, Keutzelbuch und Krackhof aus. Der Ort kündigte eine Chlorung des Netzes über 8 Wochen an. Das Abkochgebot lief parallel weiter. Im Landkreis Würzburg traf es im selben Jahr Teile von Rimpar nach dem Fund von Darmbakterien.
Starkregen ist der häufigste Auslöser. Wasser von der Fläche drückt rohe Fracht in den Grundwasserleiter und mancherorts direkt ins Netz. Die Last an Keimen steigt binnen Stunden. Mehr dazu steht im Text über Bakterien im Leitungswasser.
Für echte Katastrophenlagen führt die Liste des Umweltbundesamts einen eigenen Teil III. Dort sind für Bundeswehr, Verteidigungsfall und Großschadensereignisse Zugaben bis 260 mg/l freiem Chlor aus Calcium- oder Natriumhypochlorit vorgesehen, dazu 26 mg/l aus Natriumdichlorisocyanurat in Tablettenform. Der Einsatz verlangt die Zustimmung der Katastrophenschutzbehörden. Ein Abkochgebot im Ort bewegt sich hingegen im Rahmen von Teil I.
Ein Abkochgebot richtet sich gegen Mikroorganismen, nicht gegen das Chlor. Wer das Wasser 1 Minute sprudelnd kocht, tötet die Keime ab und treibt freies Chlor zugleich aus.
Trihalogenmethane sind der eigentliche Grund für einen Filter
Trihalogenmethane sind Reaktionsprodukte aus Chlor und organischen Wasserinhaltsstoffen, der Summengrenzwert liegt bei 0,050 mg/l. Anlage 2 der Trinkwasserverordnung zählt 4 Verbindungen dazu: Trichlormethan (Chloroform), Bromdichlormethan, Dibromchlormethan und Tribrommethan (Bromoform).
Deutschland liegt damit unter dem europäischen Wert. Die Trinkwasserrichtlinie der Europäischen Union (EU) erlaubt 100 µg/l. Die deutsche Verordnung halbiert den Wert auf 50 µg/l, und das bereits seit dem 1. Januar 2003. Misst ein Versorger am Wasserwerksausgang statt beim Verbraucher, gilt ein Referenzwert von 10 µg/l. Zur Gefahrenabwehr kann das Gesundheitsamt befristet 100 µg/l an der Entnahmestelle zulassen.
| Berichtsjahr | Versorgungsgebiete | Messwerte | Überschreitungen / Einhaltung |
|---|---|---|---|
| 2020 | 1.845 | 7.878 | 0 100,00 % |
| 2021 | 1.840 | 8.134 | 2 99,98 % |
| 2022 | 1.865 | 8.193 | 1 99,99 % |
Die Zahlen stammen aus dem Trinkwasserbericht des Bundesgesundheitsministeriums und des Umweltbundesamts, veröffentlicht 2025. In 3 Berichtsjahren summieren sich 24.205 Messwerte auf 3 Überschreitungen.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) führt Chloroform in Band 73 aus dem Jahr 1999. Die Einstufung lautet Gruppe 2B, also möglicherweise krebserregend für den Menschen. Die Einstufung stützt sich auf Tierversuche, die Evidenz beim Menschen bewertet die Agentur als unzureichend. Bromat als Reaktionsprodukt bromhaltiger Rohwässer trägt einen eigenen Grenzwert von 0,010 mg/l.
Höhere Werte treten im Sommer auf, wenn warmes Wasser, lange Standzeiten und eine höhere organische Fracht zusammenkommen. Ein Haushaltsfilter greift genau hier, weil er am Ende der Leitung sitzt und die Summe aus freiem Chlor und Trihalogenmethanen gemeinsam senkt.
Was zu Chlor und Gesundheit belegt ist
Freies Chlor bei 0,1 bis 0,3 mg/l gilt als sicher. Zum Leitwert der WHO von 5 mg/l liegt mehr als das Fünfzehnfache dazwischen. Diskutiert werden 2 Folgethemen: die Reaktionsprodukte der Chlorung und die Aufnahme über die Atemwege beim Duschen.
Epidemiologische Arbeiten seit den 1990er Jahren verknüpfen den langjährigen Konsum stark gechlorten Wassers mit einem leicht erhöhten Risiko für Blasenkrebs. Die Studienlage bleibt uneinheitlich, und die Effektstärken fallen gegenüber anderen Risikofaktoren gering aus. Gesundheitsbehörden ziehen daraus den Schluss, die Reaktionsprodukte über eine bessere Aufbereitung zu senken statt die Desinfektion aufzugeben, weil sonst das Infektionsrisiko steigt.
Beim Duschen entweicht ein Teil des freien Chlors mit dem Wasserdampf, weil hypochlorige Säure flüchtig ist. Die Wassertemperatur beschleunigt das Ausgasen. Für gesunde Erwachsene bleibt die Menge klein. Wer empfindliche Atemwege hat, nimmt die Reizwirkung im geschlossenen Bad eher wahr.
Schwangere und Säuglinge.
Für die Reaktionsprodukte der Chlorung existieren Hinweise auf eine Plazentagängigkeit, belastbare Daten fehlen. Wer die Aufnahme vorsorglich senkt, liegt medizinisch im Rahmen. Mehr dazu steht im Text zu Leitungswasser in der Schwangerschaft.
Asthmatiker und Allergiker.
Die Reizung der Schleimhaut beim Duschen kann Beschwerden verstärken, besonders in kleinen Bädern mit schwacher Lüftung.
Menschen mit chronischen Hauterkrankungen.
Neurodermitis und ähnliche Erkrankungen reagieren häufig empfindlich auf gechlortes Wasser.
Ab 4 mg/l treten akute Reizerscheinungen auf. Ein Netz hier erreicht 4 mg/l kaum je, denn das wäre das Dreizehnfache vom erlaubten Restchlor.
Chlor im Wasser messen
Gemessen wird mit dem Reagenz Diethyl-p-phenylendiamin (DPD). Die Norm DIN EN ISO 7393-2 beschreibt das Verfahren in der Fassung von 2019, der Messbereich reicht von 0,03 bis 5 mg/l. Das Reagenz färbt die Probe rot, ein Photometer misst die Farbtiefe.
3 Messgrößen sind zu unterscheiden. Freies Chlor umfasst hypochlorige Säure und Hypochlorit, also den wirksamen Anteil. Gebundenes Chlor bezeichnet Chloramine, die aus Chlor und Ammonium entstehen. Gesamtchlor ist die Summe aus beidem.
Teststreifen aus dem Handel kosten wenige Euro und lösen etwa 0,1 mg/l auf. Zur groben Frage nach einer Chlorung genügen sie. Wer belastbare Zahlen braucht, greift zum Photometer oder fragt beim Versorger nach. Jeder Wasserversorger veröffentlicht eine Trinkwasseranalyse für sein Versorgungsgebiet, und der Chlorwert steht regelmäßig darin.
Ein Geruchstest ersetzt die Messung nur grob. Die Schwelle liegt je nach Person bei 0,2 bis 0,5 mg/l, also genau beim erlaubten Restchlor. Wie sich weitere Werte prüfen lassen, steht im Text zur Messung der Wasserqualität.
4 Wege, Chlor aus dem Wasser zu entfernen
4 Verfahren senken den Chlorgehalt: Abkochen, Stehenlassen, Umkehrosmose und Aktivkohle. 2 davon taugen für den Einzelfall, 2 für den Dauerbetrieb. Der Unterschied zeigt sich vor allem bei den Trihalogenmethanen.
Abkochen
Freies Chlor entweicht beim Erhitzen. Nach 15 Minuten Kochzeit ist der Gehalt fast ganz weg. Bei den Trihalogenmethanen wirkt der Weg nur zum Teil, denn die 4 Stoffe sind sehr ungleich flüchtig. Für den Bedarf am Tag ist der Aufwand an Energie hoch. Bei einem Abkochgebot ist Kochen aber genau die Maßnahme, die zählt.
Stehenlassen
Hypochlorige Säure zerfällt an der Luft. In einer offenen Karaffe sinkt der Chlorgehalt binnen 2 bis 4 Stunden klar, in einem flachen Gefäß schneller. Die Trihalogenmethane bleiben fast ganz erhalten. Offen stehendes Wasser nimmt außerdem Keime aus der Luft auf.
Umkehrosmose
Eine Membran mit Porenweiten unter 0,001 µm hält nahezu alle gelösten Stoffe zurück, darunter Chlor, Trihalogenmethane und Schwermetalle. Der Preis dafür sind Abwasser im Verhältnis von oft 1 zu 3, ein höherer Kaufpreis und der Verlust von Calcium und Magnesium. Geht es allein um Chlor, ist die Technik zu groß.
Aktivkohle
Aktivkohle bindet Chlor und dessen Reaktionsprodukte. Sie braucht keinen Strom, macht kein Abwasser und lässt die Mineralien im Wasser. Der nächste Abschnitt erklärt die 3 Wege der Wirkung.
| Verfahren | Freies Chlor | Trihalogenmethane | Alltagstauglichkeit |
|---|---|---|---|
| Abkochen | ja, nach 15 Minuten | teilweise | gering, nur im Akutfall |
| Stehenlassen | ja, nach 2 bis 4 Stunden | gering | gering, Keimrisiko |
| Umkehrosmose | ja | ja | mittel, Abwasser und Kosten |
| Aktivkohle-Blockfilter | ja | ja | hoch, direkt an der Entnahmestelle |
Aktivkohle: Block filtert mehr als Granulat
Aktivkohle wirkt über 3 Mechanismen gleichzeitig. Adsorption bindet Chlormoleküle in der porösen Oberfläche, deren innere Fläche bei 500 bis 1.500 m² je Gramm liegt. Katalyse beschleunigt den Zerfall von freiem Chlor zu Chlorid, also zu dem Salz-Anion aus dem zweiten Abschnitt. Mechanische Filtration hält Partikel und Schwebstoffe zurück.
Granulat-Aktivkohle ist die klassische Bauform, etwa in Tischkannenfiltern. Das Wasser fließt an den Körnern vorbei, der Kontakt bleibt kurz. In den Lücken siedeln sich Bakterien an. Wie stark das Verkeimungsrisiko bei Kannenfiltern ausfällt, hängt vom Wechselintervall und von der Standtemperatur ab.
Ein Aktivkohle-Blockfilter presst dieselbe Kohle zu einem festen Körper, meist mit Bindemitteln auf Polyethylen-Basis. Die höhere Dichte erzwingt eine längere Kontaktzeit, gesinterte Blöcke erreichen Porenweiten von wenigen Mikrometern. So hält der Block auch Mikroplastik, Bakterien und Zysten zurück. Ein Überblick über die Bauarten steht im Text zu den Filtrationstechnologien.
Für den Alltag ist ein Aktivkohlefilter für Wasser in der Blockbauform die beste Lösung gegen Chlor. Er senkt freies Chlor und Trihalogenmethane in einem Schritt, baut wenig Gegendruck auf und lässt Calcium und Magnesium im Wasser. Das Wechselintervall gibt der Hersteller in Monaten und in Litern an, und beide Angaben gelten parallel.
Worauf es bei der Filterauswahl ankommt
Über die Wahl entscheiden 4 Kriterien: geprüfte Filterleistung, festes Wechselintervall, guter Durchfluss und lebensmittelechtes Material. Das erste Kriterium trennt Werbung von Beleg.
Geprüfte Filterleistung
Zwei Prüfnormen tragen Aussagekraft. Sie stammen von der National Sanitation Foundation (NSF) und dem American National Standards Institute (ANSI). NSF/ANSI 42 deckt Chlor, Geschmack und Geruch ab, NSF/ANSI 53 auch Trihalogenmethane, Schwermetalle und Keime. Angaben ohne Bezug auf eine Norm sind ungeprüft.
Definiertes Wechselintervall
Ein Filter braucht eine Angabe in Monaten und in Litern. Eine erschöpfte Aktivkohle gibt gebundene Stoffe wieder ab, deshalb ist der rechtzeitige Tausch Teil der Filterleistung.
Ausreichender Durchfluss
Blockfilter mit hoher Dichte bremsen den Wasserstrahl spürbar. Untertisch-Lösungen mit eigenem Auslauf haben hier mehr Reserve als Aufsätze am Wasserhahn. Wer am Hahn filtert, prüft auch die Passung zum Perlator, denn manche Aufsätze ersetzen den Strahlregler.
Lebensmittelechtes Material.
Gehäuse aus Edelstahl oder geprüftem Kunststoff sind der Standard. Bei Stoffen aus nachwachsenden Rohstoffen lohnt ein genauer Blick, wie der Text zu den Biokunststoffen zeigt.
Die konkreten Bauformen für Küche und Haushalt stehen in der Übersicht der Trinkwasserfilter. Für den Einsatz direkt an der Spüle gibt es eine eigene Auswahl an Wasserfiltern für die Küche.
Passend zum Thema
Alb Filter FUSION – Aktivkohle gegen Chlor und THM
Der FUSION Untertisch-Trinkwasserfilter kombiniert Active-Aktivkohle und Nano-Filtration. Er reduziert freies Chlor und seine Nebenprodukte zuverlässig, ohne die Mineralisierung des Wassers zu verändern – fest installiert, wartungsarm und ohne Abwasser.
Häufige Fragen
Geht Chlor beim Kochen aus dem Wasser?
Ja. Freies Chlor entweicht beim Erhitzen als Gas. Nach 15 Minuten Kochzeit ist der Gehalt fast ganz weg. Zerstört wird das Chlor dabei nicht, es geht in die Luft über. Die Trihalogenmethane bleiben zum Teil erhalten, denn die 4 Stoffe sind ungleich flüchtig.
Kann man Chlorwasser abkochen und trinken?
Ja, abgekochtes gechlortes Wasser ist trinkbar. Bei 100 °C sterben Bakterien ab, und freies Chlor entweicht zugleich. Bei einem behördlichen Abkochgebot ist 1 Minute sprudelndes Kochen die vorgeschriebene Maßnahme. Für den täglichen Bedarf ist ein Aktivkohlefilter der bequemere Weg.
Ist Chlor im Trinkwasser schädlich?
Bei 0,1 bis 0,3 mg/l gilt freies Chlor als sicher. Der Leitwert der WHO liegt mit 5 mg/l mehr als fünfzehnmal höher. Akute Reizungen setzen ab etwa 4 mg/l ein. Ein Netz hier erreicht 4 mg/l kaum je.
Wie entfernt man Chlor aus dem Leitungswasser?
4 Wege führen zum Ziel: Abkochen im Akutfall, Stehenlassen über 2 bis 4 Stunden, Umkehrosmose als volle Aufbereitung und Aktivkohle im Dauerbetrieb. Ein fest installierter Aktivkohle-Blockfilter senkt freies Chlor und Trihalogenmethane in einem Schritt.
Kann man Chlor mit einem Wasserfilter filtern?
Ja, Aktivkohlefilter sind genau dafür ausgelegt. Sie binden freies Chlor durch Adsorption und beschleunigen den Zerfall zu Chlorid. Ein Blockfilter erreicht dabei höhere Reduktionsraten als Granulat, weil das Wasser länger mit der Kohle in Kontakt bleibt. Prüfnormen sind NSF/ANSI 42 und 53.
Riecht oder schmeckt man Chlor im Leitungswasser?
Die Schwelle liegt bei 0,2 bis 0,5 mg/l und damit beim erlaubten Restchlor von 0,1 bis 0,3 mg/l. Der typische Schwimmbadgeruch tritt deshalb schon bei regelkonformen Werten auf, besonders in Großstädten und nach einer Notfall-Chlorung.
Was ist der Unterschied zwischen Chlor und Chlorid im Wasser?
Chlor ist ein Desinfektionsmittel, das gezielt zugesetzt wird und nach der Aufbereitung bei 0,1 bis 0,3 mg/l liegt. Chlorid ist ein natürlicher Wasserinhaltsstoff mit einem Grenzwert von 250 mg/l. Chlorid gilt als Indikatorparameter für Geschmack und Korrosion. Bis 250 mg/l ist es für die Gesundheit sicher.
Wie viel Chlorid darf Mineralwasser enthalten?
Die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung setzt für Chlorid keine Obergrenze. Anlage 6 lässt die Angabe chloridhaltig ab 200 mg/l zu. Leitungswasser darf hingegen nur 250 mg/l führen, denn dort greift der Indikatorwert der Verordnung.
Wie misst man Chlor im Trinkwasser?
Üblich ist die DPD-Methode nach DIN EN ISO 7393-2 mit einem Messbereich von 0,03 bis 5 mg/l. Teststreifen lösen etwa 0,1 mg/l auf und reichen für eine erste Einschätzung. Genauer arbeitet ein Photometer. Den aktuellen Wert für das eigene Versorgungsgebiet nennt auch die Trinkwasseranalyse des Versorgers.
Wie lange dauert eine Notfall-Chlorung?
Typisch sind 3 Tage bis 8 Wochen, abhängig von Ursache und Netzgröße. Im hessischen Rückers nannte der Ort im März 2026 einen Zeitraum von 8 Wochen. Die Info läuft über Presse, Aushang und lokale Medien, meist zusammen mit einem Abkochgebot.
Ist Brom im Trinkwasser dasselbe wie Chlor?
Nein. Brom gehört wie Chlor zu den Halogenen. In der Aufbereitung hier dient es kaum je zur Desinfektion. Relevant sind bromhaltige Reaktionsprodukte: Bromoform und Dibromchlormethan zählen zu den 4 Trihalogenmethanen, Bromat trägt einen eigenen Grenzwert von 0,010 mg/l.
Darf man Brunnenwasser selbst chloren?
Eine eigene Wasserversorgungsanlage unterliegt denselben Vorgaben wie die öffentliche Versorgung. Zugelassen sind nur die Stoffe aus der Liste nach § 20 der Verordnung. Auch die Werte von 1,2 mg/l Zugabe und 0,3 mg/l Rest gelten dort. Zuständig ist das Gesundheitsamt, das die Anlage überwacht.
Quellen
- Trinkwasserverordnung vom 20. Juni 2023 (BGBl. 2023 I Nr. 159), § 20 sowie Anlage 2 Teil II und Anlage 3 Teil I
- Umweltbundesamt: Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 20 TrinkwV, Stand Januar 2023, veröffentlicht im Bundesanzeiger (BAnz AT 27.01.2023 B12), berichtigt am 27.08.2024
- Bundesministerium für Gesundheit und Umweltbundesamt: Bericht über die Qualität des Trinkwassers in Deutschland 2020 bis 2022, Reihe Umwelt und Gesundheit 03/2025
- Weltgesundheitsorganisation: Guidelines for Drinking-water Quality, 4. Auflage, Kapitel 12, Merkblätter Chlorine und Chloride
- International Agency for Research on Cancer: IARC Monographs Volume 73, Chloroform, Lyon 1999
- Verordnung über natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser, Anlage 6
- DIN EN ISO 7393-2:2019-03, Wasserbeschaffenheit, Bestimmung von freiem Chlor und Gesamtchlor, kolorimetrisches Verfahren
- Gemeinde Flieden: Bakterielle Verunreinigung im Trinkwassernetz, Bekanntmachung vom 30. März 2026