Inhaltsstoffe im Leitungswasser: Mineralien, Härte, Schadstoffe
Leitungswasser enthält Calcium, Magnesium, Natrium und Hydrogencarbonat. Welche Mineralien drin sind und wo die Werte für deine Adresse stehen.
Leitungswasser enthält gelöste Mineralstoffe: Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Hydrogencarbonat, Sulfat und Chlorid. Die Mengen schwanken regional stark, weil sie vom Untergrund abhängen. Daneben können Stoffe im Wasser sein, die dort nicht hingehören. Dazu zählen Nitrat aus der Landwirtschaft, Schwermetalle aus der Hausinstallation und Rückstände ohne gesetzlichen Grenzwert.
Welche Mineralien sind im Leitungswasser?
Leitungswasser enthält sieben relevante Mineralstoffe: Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Hydrogencarbonat, Sulfat und Chlorid. Dazu kommen Spurenelemente wie Eisen und Mangan. Calcium und Magnesium bestimmen zugleich die Wasserhärte.
| Mineralstoff | Funktion im Körper | Referenzwert pro Tag (DGE, Erwachsene) |
|---|---|---|
| Calcium | Aufbau von Knochen und Zähnen, Signalübertragung an Muskelzellen | 1.000 mg |
| Magnesium | Muskel- und Nervenfunktion, Energiestoffwechsel | 300 bis 350 mg |
| Kalium | Regulierung von Flüssigkeits- und Säure-Basen-Haushalt | 4.000 mg |
| Natrium | Regulierung des Wasserhaushalts, Nervenleitung | 1.500 mg |
| Hydrogencarbonat | Puffert Säuren ab | kein Referenzwert festgelegt |
| Sulfat | Bestandteil schwefelhaltiger Aminosäuren | kein Referenzwert festgelegt |
Entscheidend ist der Unterschied zwischen "enthalten" und "relevant für die Versorgung". Die Konzentrationen sind niedrig. Sie decken den Tagesbedarf nur zu einem kleinen Teil. Bei hartem Wasser leistet Calcium einen spürbaren Beitrag, bei weichem Wasser bleibt er gering. Leitungswasser ergänzt die Zufuhr. Ersetzen kann es eine gute Ernährung jedoch nicht.
Hat Leitungswasser Mineralien und wie viele?
Ja, Leitungswasser enthält Mineralien. Die Menge schwankt jedoch von Ort zu Ort erheblich. Der wichtigste Faktor ist der Untergrund, aus dem das Rohwasser stammt.
Wasser aus kalkhaltigem Gestein nimmt viel Calcium und Hydrogencarbonat auf. Es ist entsprechend hart. Wasser aus Sandstein- oder Granitregionen bleibt weich und mineralstoffärmer.
Eine allgemeingültige Tabelle für "deutsches Leitungswasser" gibt es deshalb nicht. Die Werte für deine Adresse stehen in der Trinkwasseranalyse deines Versorgers. Sie ist öffentlich zugänglich und muss auf Anfrage bereitgestellt werden. Die meisten Versorger stellen sie als PDF auf ihrer Website bereit, oft nach Ortsteil aufgeschlüsselt.
Die Gehalte stehen dort in Milligramm pro Liter. Ein Rechenbeispiel: Bei 100 mg Calcium pro Liter und eineinhalb Litern Trinkmenge nimmst du 150 mg Calcium auf. Das sind 15 % des DGE-Referenzwerts von 1.000 mg.
Woraus besteht Leitungswasser?
Leitungswasser besteht chemisch aus Wassermolekülen, also Wasserstoff und Sauerstoff, sowie aus gelösten Salzen und Gasen. Die gelösten Bestandteile machen mengenmäßig wenig aus. Sie bestimmen aber Geschmack, Härte und die Eignung für Haushaltsgeräte.
Die Bestandteile lassen sich in drei Gruppen einteilen:
- Erwünschte Mineralstoffe: Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Hydrogencarbonat, Sulfat, Chlorid sowie Spurenelemente wie Eisen und Mangan.
- Technisch bedingte Stoffe: Reste aus der Aufbereitung im Wasserwerk, etwa Chlor zur Desinfektion. Dazu kommt, was das Wasser im Leitungsnetz und in der Hausinstallation aufnimmt.
- Unerwünschte Einträge: Nitrat, Schwermetalle, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Arzneimitteln, Mikroplastik sowie per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS).
Hydrogencarbonat im Leitungswasser
Hydrogencarbonat (chemisch HCO3-) ist das Salz der Kohlensäure. Es steckt in fast jedem Leitungswasser. Als Puffer fängt es Säuren ab und stabilisiert den pH-Wert. Im Körper hilft es beim Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts.
Verbreitet ist die Annahme, Hydrogencarbonat komme nur in Mineralwasser vor. Das trifft nicht zu. Der Gehalt hängt wie bei Calcium vom geologischen Untergrund ab. In Kalkregionen liegt er hoch, bei saurem Gestein niedrig. Ein hoher Hydrogencarbonatgehalt tritt meist zusammen mit hoher Wasserhärte auf.
Wasserhärte: Calcium und Magnesium im Alltag
Die Wasserhärte beschreibt, wie viel Calcium und Magnesium im Wasser gelöst sind. Das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz definiert in § 9 drei Härtebereiche, gemessen in Millimol Calciumcarbonat je Liter:
| Härtebereich | Calciumcarbonat je Liter |
|---|---|
| weich | weniger als 1,5 mmol |
| mittel | 1,5 bis 2,5 mmol |
| hart | mehr als 2,5 mmol |
Den Härtebereich müssen Wasserversorger nach § 9 Abs. 1 WRMG mindestens einmal jährlich mitteilen. Bei jeder dauerhaften Änderung ebenfalls. Der Wert steht zusätzlich auf der Trinkwasseranalyse.
Die Härte hat praktische Folgen. Hartes Wasser führt zu Kalkablagerungen in Wasserkochern, Kaffeemaschinen und Duschköpfen. Der Waschmittelbedarf steigt. Für die Gesundheit ist hartes Wasser unbedenklich. Es liefert sogar mehr Calcium und Magnesium als weiches.
Ein häufiges Missverständnis: Kalk im Wasser ist kein Qualitätsmangel und kein Hinweis auf Verunreinigung. Er ist gelöstes Calciumcarbonat, also ein Mineralstoff.
Was die Werte in der Trinkwasseranalyse bedeuten
Eine Trinkwasseranalyse listet je Parameter drei Angaben: den Messwert, die Einheit und meist den zulässigen Grenzwert. Diese Werte helfen bei der Einordnung:
| Parameter | Einheit | Was der Wert aussagt |
|---|---|---|
| Calcium | mg/l | Beitrag zur Mineralstoffzufuhr, bestimmt mit Magnesium die Härte |
| Magnesium | mg/l | wie Calcium, meist deutlich geringere Menge |
| Natrium | mg/l | relevant bei natriumarmer Ernährung |
| Nitrat | mg/l | Eintrag aus der Landwirtschaft, Grenzwert 50 mg/l |
| Blei | mg/l | Hinweis auf alte Leitungen, Grenzwert 0,010 mg/l |
| Härtebereich | weich, mittel oder hart | Dosierhilfe für Wasch- und Spülmittel |
Ein Wert unterhalb des Grenzwerts bedeutet: Das Wasser erfüllt die Anforderungen der Trinkwasserverordnung.
Beim Blei kommt eine Verschärfung. Anlage 2 der Trinkwasserverordnung senkt den Grenzwert ab dem 12. Januar 2028 von 0,010 auf 0,005 mg/l. Für Gebäude mit alten Leitungen wird der Austausch damit dringlicher. Zu beachten ist außerdem: Der Grenzwert gilt an der Übergabestelle. Stammt das Blei aus Leitungen im Gebäude, taucht es in der Analyse des Versorgers nicht auf.
Beim Nitrat gilt zusätzlich eine Summenregel. Nitrat und Nitrit werden gemeinsam bewertet: Die Nitratkonzentration geteilt durch 50 plus die Nitritkonzentration geteilt durch 3 darf den Wert 1 nicht überschreiten.
Unerwünschte Inhaltsstoffe
Neben Mineralstoffen können Stoffe im Leitungswasser sein, die dort nicht hingehören. Sie stammen aus drei Quellen: dem Rohwasser, dem öffentlichen Leitungsnetz und der Hausinstallation.
Diese Gruppen sind relevant:
- Schwermetalle wie Blei, Kupfer und Nickel, meist aus alten Leitungen im Gebäude
- Nitrat aus der landwirtschaftlichen Düngung
- Pestizide und Pflanzenschutzmittel
- Arzneimittelrückstände
- Hormonell wirksame Substanzen
- Mikroplastik
- Bakterien und Keime, etwa Legionellen
- Chlor aus der Desinfektion
- Weichmacher
- Asbest aus Asbestzementleitungen
Die Hausinstallation ist dabei ein Sonderfall. Die Zuständigkeit des Versorgers endet an der Übergabestelle. Was zwischen Hausanschluss und Wasserhahn passiert, liegt beim Eigentümer.
Was die Trinkwasserverordnung regelt
Die Trinkwasserverordnung legt Grenzwerte für eine definierte Stoffliste fest. Sie verpflichtet die Versorger zur regelmäßigen Kontrolle. Der Trinkwasserbericht von Bund und Umweltbundesamt für 2020 bis 2022 zeigt: Nahezu alle Parameter wurden zu über 99 % eingehalten. Das gilt für Chemie wie für Keime. Ausgenommen sind wenige Wirkstoffe aus Pflanzenschutzmitteln. Im Berichtsjahr 2022 fanden sich in 1,1 % der Proben coliforme Bakterien.
Deutsches Leitungswasser ist damit ein sehr gut kontrolliertes Lebensmittel. Zwei Einschränkungen sind trotzdem sachlich richtig.
Erstens deckt die amtliche Statistik nicht alles ab. Der Bericht deckt 2.507 große Gebiete ab. Das sind jene ab 5.000 Personen oder ab 1.000 Kubikmeter pro Tag. Für kleine und mittlere Gebiete erscheint ein eigener Bericht, und zwar seltener. Wer aus einer kleinen Versorgung beliefert wird, findet in der bundesweiten Statistik also keine Aussage über sein Wasser.
Zweitens sind nicht alle Stoffe erfasst. Für Arzneimittelrückstände und Mikroplastik nennt die Trinkwasserverordnung keine Grenzwerte. Was ungeregelt bleibt, wird auch nicht flächendeckend überwacht und in der Aufbereitung nicht gezielt entfernt.
Für Nitrat gilt ein Grenzwert von 50 mg pro Liter. Zur oft zitierten Nitratdebatte gehört eine Einordnung: Der Europäische Gerichtshof verurteilte Deutschland am 21. Juni 2018 wegen unzureichender Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie (Rechtssache C-543/16). Es ging um den Schutz des Grundwassers vor Einträgen aus der Landwirtschaft, nicht um Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser. Nach Verschärfung der Düngeverordnung stellte die Europäische Kommission das Verfahren am 1. Juni 2023 ein.
Die Werte für die eigene Adresse finden
Es gibt drei Wege. Sie beantworten unterschiedliche Fragen.
Trinkwasseranalyse des Versorgers. Sie zeigt die Werte an der Übergabestelle. Kostenlos, meist als PDF auf der Website des Versorgers. Enthalten sind Härtebereich, Mineralstoffgehalte, Nitrat und die geprüften Grenzwertparameter. Was dort fehlt: die Einträge aus deiner Hausinstallation.
Laboranalyse einer eigenen Probe. Sie zeigt, was tatsächlich aus deinem Hahn kommt, inklusive der Einträge aus den Leitungen im Gebäude. Sinnvoll bei Verdacht auf Blei- oder Kupferleitungen, in Altbauten und bei auffälligem Geschmack. Achte auf ein akkreditiertes Labor und darauf, welche Parameter im Paket enthalten sind.
Schnelltests für zu Hause. Sie liefern eine grobe Orientierung, etwa zur Härte. Für belastbare Aussagen zu Schadstoffen taugen sie wenig.
Mehr dazu im Ratgeber Wie misst man die Wasserqualität.
Wann ein Wasserfilter sinnvoll ist
Ein Filter ersetzt keine funktionierende Wasserversorgung. Bei einwandfreien Werten ist er verzichtbar. In drei Situationen wird er sinnvoll:
- Auffälligkeiten aus der Hausinstallation. Alte Bleileitungen, Kupferrohre oder erhöhte Metallwerte in der Analyse sind ein sachlicher Anlass.
- Geschmack und Geruch. Chlor und ähnliche Stoffe lassen sich mit Aktivkohle deutlich senken.
- Stoffe ohne Grenzwert. Für Arzneimittelrückstände und Mikroplastik gibt es in der öffentlichen Aufbereitung keine gezielte Stufe.
Ein Hinweis zur Auswahl: Ein Aktivkohlefilter reduziert Chlor, organische Stoffe und alles, was den Geschmack stört. Für den Rückhalt von Bakterien und Keimen ist er ungeeignet, dafür braucht es einen entsprechend zertifizierten Keimfilter. Die gelösten Mineralstoffe bleiben bei beiden Verfahren im Wasser.
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Häufige Fragen
Welche Mineralien sind im Leitungswasser enthalten?
Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Hydrogencarbonat, Sulfat und Chlorid, dazu Spurenelemente wie Eisen und Mangan. Die Mengen unterscheiden sich regional stark. Sie stehen in der Trinkwasseranalyse deines Versorgers.
Ist Leitungswasser mineralstoffreicher als Mineralwasser?
Pauschal lässt sich das kaum beantworten. Beide schwanken stark. Es gibt sehr mineralstoffarme Mineralwässer und sehr mineralstoffreiches, hartes Leitungswasser. Ein Vergleich ergibt nur zwischen konkreten Werten Sinn: der Trinkwasseranalyse deines Versorgers und dem Etikett der Flasche.
Ist Kalk im Leitungswasser schädlich?
Nein. Kalk ist gelöstes Calciumcarbonat und damit ein Mineralstoff. Hartes Wasser ist gesundheitlich unbedenklich. Es verursacht lediglich Ablagerungen in Geräten und erhöht den Waschmittelbedarf.
Was ist Hydrogencarbonat im Wasser?
Hydrogencarbonat ist das Salz der Kohlensäure. Es puffert Säuren ab und stabilisiert so den pH-Wert. Im Körper trägt es zum Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts bei. Es kommt auch im Leitungswasser vor, nicht nur in Mineralwasser.
Wie gut wird deutsches Leitungswasser kontrolliert?
Der Trinkwasserbericht für 2020 bis 2022 weist über 99 % Einhaltung aus. Das gilt für Chemie wie für Keime. Erfasst sind allerdings nur die 2.507 großen Gebiete. Für einige Stoffe wie Arzneimittelrückstände und Mikroplastik bestehen keine Grenzwerte.
Welche Stoffe im Leitungswasser haben keinen Grenzwert?
Arzneimittelrückstände und Mikroplastik. Für beide nennt die Trinkwasserverordnung keine Grenzwerte. Sie werden deshalb nicht flächendeckend überwacht und in der Aufbereitung nicht gezielt entfernt.
Wie finde ich die Wasserwerte für meine Adresse?
Über die Trinkwasseranalyse deines örtlichen Versorgers. Sie liegt meist als PDF auf dessen Website, oft nach Ortsteil aufgeschlüsselt, und muss auf Anfrage bereitgestellt werden. Für Einträge aus der eigenen Hausinstallation braucht es eine Laboranalyse einer Probe aus deinem Hahn.
Wie viel Calcium steckt in einem Liter Leitungswasser?
Das hängt vom Härtebereich ab und schwankt regional stark. Bei 100 mg pro Liter decken eineinhalb Liter rund 15 % des DGE-Referenzwerts von 1.000 mg. Den genauen Wert nennt die Trinkwasseranalyse deines Versorgers.
Quellenangaben
- Bundesministerium für Gesundheit und Umweltbundesamt: Bericht über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasser) in Deutschland 2020 bis 2022. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/bericht-des-bundesministeriums-fuer-gesundheit-des-5
- Umweltbundesamt: Qualität des Trinkwassers aus zentralen Versorgungsanlagen. https://www.umweltbundesamt.de/daten/wasser/wasserwirtschaft/qualitaet-des-trinkwassers-aus-zentralen
- Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 21.06.2018, Rechtssache C-543/16, Kommission gegen Bundesrepublik Deutschland.
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV), Anlage 2 und Anlage 3. https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2023/
- Wasch- und Reinigungsmittelgesetz (WRMG), § 9 Angabe der Wasserhärtebereiche. https://www.gesetze-im-internet.de/wrmg/
- Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland: Nitratrichtlinie, Kommission schließt Verfahren gegen Deutschland, 01.06.2023. https://germany.representation.ec.europa.eu/news/nitratrichtlinie-kommission-schliesst-verfahren-gegen-deutschland-2023-06-01_de
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/